Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/awox-striimlight-im-test-wenn-die-leuchte-mit-der-lampe-musik-macht-1407-107484.html    Veröffentlicht: 15.07.2014 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/107484

Awox Striimlight im Test

Musik aus der Lampe

Die Striimlights von Awox können Räume nicht nur beleuchten, sondern auch beschallen. Wir haben uns die Umsetzung des Bluetooth- oder WLAN-Lautsprechers in einer LED-Lampe angesehen.

Awox' Striimlight kombiniert LED-Leuchtmittel, Lautsprecher und Netzwerkfunktion in einem schweren Gehäuse. Aus dem E27-Sockel kommt nicht nur Licht, sondern auch Ton. Die Lampe eignet sich damit besonders für Zimmer ohne Musikanlage, wie etwa das Bad oder die Küche. Wir haben uns zwei Modelle angesehen: die einfache Variante, die per Bluetooth angesteuert wird, und die WLAN-Variante mit mehr Funktionen, vor allem über die Lichtkontrolle.

Getestet haben wir jeweils die beiden weißen LED-Lampen, wobei nur die WLAN-Varianten gedimmt werden. Musik abspielen können beide, weshalb die Leuchtmittel zunächst eingerichtet werden müssen, bevor sie mehr tun, als nur an- und auszugehen. Im Auslieferungszustand mit aktivierter Stromzufuhr sind sie nur reguläre Leuchtmittel mit 475 Lumen Lichtstrom und einer Lichtfarbe von 3.000 Kelvin.

Wie man eine Lampe einrichtet

Auch Lampen müssen heutzutage installiert werden und booten, zumindest gilt das für die WLAN-Variante. Zwar ist das Licht sofort da, doch bis der WLAN-Betrieb funktioniert, vergehen knapp 30 Sekunden. Die Einrichtung ist recht einfach: Sie kann als Repeater ein WLAN-Netz selbst aufspannen, in das sich der Anwender einmalig einbucht, woraufhin die Lampe sich über eine App in das heimische WLAN einschaltet. Anschließend - und das ist auch für uns neu - zieht sich die Lampe ein Firmware-Update aus dem Internet und installiert es. Beim Bluetooth-Modell wird das übliche Verfahren der Kopplung verwendet. Mehr ist nicht zu tun, denn die Lampe ist sehr einfach in ihren Fähigkeiten.

Überraschend ist bei einem 120-Euro-Leuchtmittel der Einsatz von Billig-WLAN. Die Lampe unterstützt nur 2,4-GHz-WLAN, obwohl sie ein großes Gehäuse hat. Hochpreisiges Equipment sollte unserer Meinung nach zusätzlich IEEE 802.11a/n unterstützen, doch Awox beschränkt sich auf 802.11b/g/n. In der Praxis hat das keine Nachteile, da der Datenbedarf vergleichsweise gering ist.

Praxisprobleme oder: Nutze niemals den Lichtschalter!

Smart-Lampen haben einen Nachteil: Sie sind so intelligent, dass ein normaler Lichtschalter nicht ausreicht. Daher empfiehlt es sich, die Striimlight nicht per Lichtschalter abzuschalten. Sonst hat sie keine Stromzufuhr mehr und kann keine Musik mehr ausgeben. Dieses Smarthome-Ärgernis ist prinzipbedingt. Wir hatten einige Schwierigkeiten, uns die Nutzung des Lichtschalters abzugewöhnen: Von je her wurden wir mit Schaltern sozialisiert - und jetzt sollen wir sie nicht mehr nutzen?

Solche konservativen Gedankengänge dürften nicht nur alternde IT-Redakteure hegen. Nützlich wären smarte Lichtschalter, wie sie beispielsweise Philips entwickelt hat. Doch Awox-Lampen haben nur eine kleine, batteriebetriebene Infrarotfernbedienung, die der Nutzer leicht verlegt und mit der die Lampe ausgeschaltet werden kann. Eine kleine LED zeigt an, dass trotzdem noch eine Verbindung zum Stromnetz vorhanden ist, um etwa Musik abzuspielen. Die WLAN-Variante hat noch zwei Sonderfunktionen: Sie kann per Fernbedienung gedimmt und mit einer App gesteuert werden. Die Bluetooth-Variante ist für die Smarthome-Funktionalität hingegen nur ein Lautsprecher.

Doch die Bedienung ist nicht durchdacht: Wenn wir vom Wohnzimmer in die Küche gehen, nehmen wir in der Regel nicht das Smartphone mit, finden im Dunkel der Nacht auch nicht die Fernbedienung. Wir sind also beim abendlichen Gang zum Kühlschrank auf Restlicht angewiesen, wenn wir vergessen, das Smartphone mitzunehmen, zu entsperren und die App aufzurufen. Zwar würde auch ein Lampen-Reset (einmal aus und wieder an) zum Ziel führen. Doch die Lampe ist mitteilungsbedürftig und meldet sprachlich ihren WLAN-Status in der Bootphase. Das nervt auf Dauer.

Kopplung von Lautsprecher-Lampen mit der App möglich

Die WLAN-Lampen ermöglichen eine Gruppierung von Lautsprechern. Das funktioniert aber nicht so flexibel, wie wir es uns erhofft hatten. Die iOS-App von Awox, die dafür nötig ist, kann die Lampen und unseren AV-Receiver (Yamaha RX-A820) nicht gruppieren, denn die Geräte müssen zeitlich exakt aufeinander abgestimmt werden, und die Yamaha-Verstärker reagieren etwa bei Apples Airplay etwas zögerlich auf Signale. Die App kann den Verstärker einzeln per DLNA ansprechen - in der Theorie. Abspielversuche wurden mit einer Fehlermeldung quittiert. Das sollte nicht sein, schließlich beherrscht das Yamaha-Gerät neben Airplay auch die Funktion als DLNA Render Target.

Mit ein bisschen Trickserei und einem guten Zeitgefühl ist es aber dennoch möglich, WLAN-Lampe und AV-Receiver gleichzeitig Musik abspielen zu lassen, denn die Awox-App und die iOS-integrierte Musiksteuerung arbeiten unabhängig voneinander. Mit iOS-Kontrollen gestartete Musik läuft weiter, während die Awox-App Musik zum Lautsprecher schickt.

Nach zwei bis drei Unterbrechungen des Musikstücks sind die beiden Abspielgeräte - eines per Airplay, eines per DLNA, normalerweise nahezu synchron. Auch die Lautstärkekontrolle ist dann unabhängig. Die App unterstützt grundsätzlich nicht die Lautstärkeregelung des iOS-Geräts. Das ist ungewöhnlich, wir sind vom Amazon Cloudplayer oder auch Soundhound anderes gewöhnt. Die Integration der Awox-App in iOS ist mangelhaft.

Der Sound bleibt leider nur ein Musikstück lang synchron: Der Yamaha-Verstärker via Airplay überholt die Awox-App mit rund 4 Sekunden je Stück. Durch die Einschränkungen der offiziellen App ist es zudem nicht möglich, Musik von Drittanbietern auf den Awox-WLAN-Lampen abzuspielen. Die App kann weder auf iTunes Radio noch auf die lokalen Inhalte vom Amazon Music-Player zugreifen. Und in der Apple-Welt werden DLNA Render Targets, wie die Lampe eines ist, nicht unterstützt.

Da Awox insbesondere den Apple-Markt bedient, würden wir uns eine Airplay-Unterstützung wünschen. Die wäre jedenfalls besser als die jetzige schlechte Integration unter iOS. Wie uns Awox mitteilte, ist eine Airplay-Unterstützung jedoch nicht geplant. Dazu fehlt dem Hersteller zufolge ein Chip in der Lampe. Eine Chromecast-Unterstützung ist allerdings ebenfalls nicht in der Planung.

Die Bluetooth-Variante hat diese Probleme natürlich nicht, diese Lampen können jedoch nicht gruppiert und auch nicht gedimmt werden. Sie ist letztendlich nur ein einfacher Bluetooth-Lautsprecher mit unabhängiger Lampenfunktion. Dafür reagiert diese einfache Lampe deutlich schneller als die WLAN-Variante auf Steuerbefehle wie den Wechsel eines Musikstücks oder die Lautstärkeregelung. Ein leichter Lag bei WLAN-Audio ist nach unserer Erfahrungen normal und auch nicht störend. Dedizierte Audio-Protokolle direkt an der Hardware haben Vorteile. Das zeigt sich im direkten Vergleich der beiden Awox-Angebote.

Windows und Android mit DLNA Render Targets

Unter Windows können wir mit der Lampe nach den üblichen Problemen mit dem störrischen Windows Media Player als Server auf einen Teil unserer Musiksammlung zugreifen. Ein Teil nur deswegen, weil nur bewertete Lieder sichtbar sind, obwohl die Option für unbewertete Lieder aktiv ist. Seltsamerweise waren nur Songs mit einer Bewertung von drei Sternen sichtbar, auch eine Gegenprobe mit dem Yamaha-A/V-Receiver bestätigte dies.

Auch das ist kein Problem der Lampe von Awox, sondern betrifft unseren AV-Receiver wie auch ein Windows-8-Tablet, das bei gleichen Einstellungen sogar noch weniger Stücke erkannte. Microsofts schwer nachvollziehbare DLNA-Implementierung ist einer der Gründe dafür, dass DLNA so einen schlechten Ruf bei Anwendern hat. Dass Anbieter wie Google (Chromecast), Sony (Throw) und Apple (Airplay) lieber eigene proprietäre Lösungen umsetzen, hilft dem DLNA-Standard nicht viel.

Für die Render-Target-Tests haben wir auf eine Konfiguration des Media Players verzichtet und stattdessen Android-Apps verwendet. Hier funktioniert alles und ist vor allem schnell eingerichtet. Wer Erfahrungen mit DLNA hat, kann die WLAN-Lampe als Render Target Musik abspielen lassen, ohne die Awox-App bemühen zu müssen. Das ist sehr viel komfortabler als die Umwege mit der Lampe als DLNA-Client, die per DLNA-App auf einen DLNA-Server hin ausgerichtet werden muss. In der Lampe ist übrigens auch ein DLNA-Server eingebaut, der etwa Internetradio unterstützt. Wer will, kann sogar seinen Verstärker als Client mit der Radiofunktion des Lampen-Servers verbinden und so Musik von der Lampe über die eigene Musikanlage abspielen. Viel Sinn sehen wir darin jedoch nicht, da die Internet-Radio-Implementierungen moderner Verstärker sehr viel besser zu bedienen sind.

Nichts für Deckenfluter

Awox Striimlight ist in erster Linie für Hängeleuchten konzipiert. Die Fernbedienung für das WLAN-Modell als App-Ersatz arbeitet beispielsweise per Infrarot. Es ist uns damit nicht gelungen, über die Bande einer Decke die Lampe in einem Deckenfluter anzusprechen. Die Steuerung ist dann nur mit der App möglich, was bei der Bluetooth-Variante ohnehin nicht möglich ist. Auch die Tonausgabe eignet sich nicht besonders für den indirekten Betrieb über die Decke. Am besten klingt es, wenn die Lampe ihre Musik in Richtung des Nutzers abstrahlt.

Ihre Funktion als Lampe im Deckenfluter erfüllt die Striimlight nicht gut: Die LEDs mit insgesamt 8 Watt Leistungsaufnahme sorgen laut Datenblatt für 475 Lumen Lichtstrom. Das ist häufig zu wenig, um über indirektes Licht einen Raum auszuleuchten.

Viel Platz für den Ton, aber schlechte Raumausleuchtung

Für die Raumausleuchtung ist die Konstruktion ebenfalls ungeeignet. Der Lichtstrom mit 3.000 Kelvin ist leider stark nach unten gerichtet, so dass die Lampe einen Spot-Charakter hat, ähnlich vielen Lampen in PAR38-Strahler-Bauform. Awox nennt zwar 120 Grad Abstrahlung, doch der Hauptlichtkegel erreicht eher 90 Grad. Große Lampenhersteller würden jedenfalls einen geringeren Wert angeben, denn viele GU10- oder GU5.3-LEDs strahlen natürlich einen kleinen Teil ihres Lichts auch außerhalb des angegebenen Lichtkegels ab und werden mit Gradzahlen von 30, 45 oder 60 Grad ausgezeichnet. Die Awox-Lampe entspräche in der Rechnung großer Lichtkonzerne unserer Meinung nach eher einer 45-Grad-Lampe.

Die Konstruktion aus über 30 LEDs ist deutlich sichtbar. Hochwertige Leuchtmittel kaschieren ihre Technik durch Lichtverteilung mittlerweile so gut, dass das eigentliche Licht anders als bei Striimlight gar nicht mehr als das von zusammengeschalteten Einzel-LEDs wahrgenommen wird. Striimlight wirkt eher wie eine Baumarkt-LED-Lampe in einem übergroßen Gehäuse.

Schwere Lampe

Die Größe kommt dafür der Tonausgabe zugute. Wir finden sie besser als viele kleine Bluetooth-Lautsprecher. Allerdings hat beispielsweise Philips Shoqbox eine etwas bessere Basswiedergabe, die bereits zu den größeren Bluetooth-Lautsprechern gehört. Der Vorteil ist hierbei die freiere Positionierung, der Nachteil die Abhängigkeit vom Akku oder Netzteil. Die Lampen-Lautsprecher benötigen einen E27-Sockel, der meist in festinstallierten Hängeleuchten vorhanden ist. Wie gut der Ton ist, hängt von der Räumlichkeit ab. In einer Küche, die meist viel Platz für Hall bietet, macht sich der Lautsprecher nicht so gut. Da klingt häufig die Anlage aus dem Nebenzimmer besser.

Die Lampe hat mit 680 Gramm laut Hersteller ein ziemlich hohes Gewicht - unabhängig von der Bluetooth- oder WLAN-Variante. Beim Nachwiegen stellten wir jedoch fest, dass unsere WLAN-Variante rund 550 Gramm wiegt, die Bluetooth-Version nur 390 Gramm.

Bei einer mehrflammigen Leuchte sollten gegebenenfalls mehrere Lampen dieses Typs eingesetzt werden, damit die Leuchte nicht schief im Raum hängt. Das wird insbesondere bei der WLAN-Variante zu teuer. Das hohe Gewicht ist zudem für Leuchten mit flexibler Aufhängehöhe ein Problem. Unsere verstellbare Hängeleuchte für die Küche wurde mit dem WLAN-Leuchtmittel heruntergezogen, die Bluetooth-Variante war leicht genug.

Fazit und Verfügbarkeit von Awox Striimlight mit WLAN oder Bluetooth

Awox Striimlight ist bereits verfügbar: Die Bluetooth-Variante mit weißen LEDs kostet rund 70 Euro, die WLAN-Version etwa 120 Euro. Die Apps sind kostenlos.

Fazit

Für den Einzelbetrieb gefällt uns die einfache Bluetooth-Variante besser als das WLAN-Modell. Das liegt an der direkten Einbindung in die Software des Smartphones, da Audio ganz normal per Bluetooth-Profil übertragen wird. Hier gibt es keine Einschränkungen, weil das Betriebssystem sich um die Audioausgabe kümmert. Wer möchte, kann auch in Spielen seine Lautsprecherlampe für Kampfgeräusche verwenden.

Die WLAN-Variante kann dies nicht und setzt auf eine eigene App oder DLNA. Komplett ins Betriebssystem integrierte Systeme wie Airplay und Chromecast unterstützt die Lampe nicht. Gerade Benutzer im iOS-Universum wird das stören. Mal eben die Lautstärke über die physischen Tasten zu ändern, ist beispielsweise nicht möglich, und die Bedienung der App ist hakelig.

Dafür hat die WLAN-Variante den Vorteil, dass mehrere Lampen zusammengeschaltet als Lautsprecher fungieren können. Bei einem Preis von rund 120 Euro je WLAN-Lampe ist das jedoch eine teure Angelegenheit. Und nur wer viel DLNA-Equipment und ausreichende Erfahrung mit der nicht einfachen Handhabung von DLNA-Clients, -Servern und -Render-Targets hat, wird die Lampe sinnvoll nutzen können. Doch für das Gebotene ist die WLAN-Lampe zu teuer. Da hilft auch die Dimmbarkeit nicht.  (ase)


Verwandte Artikel:
1Sheeld für Arduino angetestet: Sensor-Platine hat keine Sensoren und liefert doch Daten   
(16.06.2017, https://glm.io/128376 )
Elektroschrott: LEDs in Leuchten häufig fest eingebaut   
(29.01.2017, https://glm.io/125869 )
Smart Home: Amazon verbannt Nest-Geräte aus dem Onlineshop   
(04.03.2018, https://glm.io/133132 )
Bastelrechner Eagleye 530s: Zigbee und Flash-Speicher im Raspberry-Pi-Format   
(01.03.2018, https://glm.io/133078 )
Homee: Homekit mit Z-Wave, Zigbee und Enocean verbinden   
(21.02.2018, https://glm.io/132886 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/