Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/datastation-eds14-im-kurztest-synologys-sehr-spezielles-nas-system-1407-107452.html    Veröffentlicht: 01.07.2014 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/107452

Datastation EDS14 im Kurztest

Synologys sehr spezielles NAS-System

Mit der Embedded Datastation hat Synology ein Angebot auf den Markt gebracht, das sich deutlich von den sonst üblichen NAS-Systemen unterscheidet. Wir haben uns die Datastation mit SD-Karten-Schacht angesehen.

Mit der Datastation EDS14 hat Synology ein sehr kompaktes NAS-System auf den Markt gebracht. Es ist so klein, dass reguläre Datenträger nicht in das Gerät passen. Die Datastation benötigt mit 12,5 x 12,5 cm weniger Standfläche als eine CD-Hülle misst und hat mit 31 mm Höhe in etwa die Höhe einer alten Doppel-CD-Hülle. Zum Platzbedarf kommt jedoch noch ein externes Netzteil, das Synology nicht integrieren konnte. Im NAS-System gibt es keine beweglichen Teile, weswegen es auch Embedded-Datastation genannt wird. Dabei geht es beispielsweise um den Einbau in Fahrzeuge. Die Datastation muss dann nicht nur Vibrationen überstehen, sondern auch Temperaturschwankungen, die die üblichen 0 bis 35 Grad Celsius, die für reguläres IT-Equipment gelten, häufig über- oder unterschreiten. Es handelt sich also um ein sehr spezielles Angebot, das wir in diesem Kurztest betrachten.

Statt mit SATA-Festplatten arbeitet das System mit externen Datenträgern. An der Vorderseite ist ein SDXC-kompatibler SD-Kartenschacht vorhanden, der SD-Karten komplett aufnimmt, ohne dass sie vorstehen. Die Rückseite bietet die Möglichkeit, USB-Peripherie anzuschließen. Ein Port beherrscht USB 3.0, der andere nur USB 2.0. Ins Netzwerk kommt die Datastation über zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüsse, die Failover und Link Aggregation beherrschen.

Die etwas andere NAS

Datenträger werden von dem System grundsätzlich als externe Datenträger angesehen. Das gilt sowohl für SD-Karten als auch für USB-Laufwerke. Entsprechend fehlt der DSM-Version ein Volume-Manager. Zwar hat die Datastation internen Speicher, doch der ist nur für das Betriebssystem reserviert. Insgesamt 4 GByte hat DSM zur Verfügung. Erkennbar ist die Kapazität aber nicht innerhalb der DSM-Oberfläche, sondern nur über das CLI. 250 MByte gibt es für das Temp-Verzeichnis. Rund 1 GByte steht dem Betriebssystem direkt zur Verfügung, 2,4 GByte sind in einem Volume1 zu sehen. Im Auslieferungszustand sind dort gerade einmal 100 MByte belegt. Der Nutzer kann auf den dort vorhandenen Speicherplatz nicht direkt zugreifen und beispielsweise keine Shares erstellen.

Anscheinend wird der Speicher für diverse Package-Daten verwendet. Nach dem Installieren des DNS-Pakets war ein zusätzlicher Speicherbedarf von 40 MByte zu sehen. Der iTunes-Server belastet das System noch einmal um ungefähr 5 MByte. Seltsamerweise lassen sich Synology-Pakete nicht installieren, solange nicht wenigstens eine SD-Karte oder ein USB-Datenträger eingebunden sind.

Schwierige Handhabung und Leistungsdaten der Datastation EDS14

Nach der Entnahme der SD-Karte verschwand im Interface auch der iTunes-Server. Nur der DNS-Server blieb weiter verfügbar. Wird die SD-Karte mit den iTunes-Server-Daten wieder eingesteckt, muss der Server erst wieder händisch gestartet werden. Die anschließende Fehlermeldung kann der Anwender allerdings ignorieren.

Wie DSM das handhabt, ist nachvollziehbar. Ein DNS-Server braucht nicht viele Daten und kann auf dem internen Datenträger arbeiten, auch wenn das nicht erklärt, warum das DNS-Paket sich ohne USB-Medium alias SD-Karte installieren ließ. Ein iTunes-Server hat hingegen potenziell so viele Daten, dass diese auf einem externen Datenträger liegen müssen. Auf jeden Fall bietet das System so großzügigen Platz für Apps und auch zukünftige Betriebssystemversionen.

Keine Möglichkeit, Datenträger zu formatieren

Die Unterteilung macht die Handhabung jedoch etwas umständlich, und das gilt auch für die Datenträgerverwaltung an sich. Ein nicht formatiertes Medium wird zwar erkannt, allerdings nur als Gerät. Per DSM konnten wir eine SSD nicht formatieren. Erst wenn wir das extern an einem Rechner taten, war der Datenträger erkennbar. Es gelten allerdings die Einschränkungen von DSM. Die zulässigen Dateisysteme sind ext3, ext4, NTFS und FAT. Mit Einschränkungen ist auch HFS verwendbar. In unserem Kurztest beschränkten wir uns auf FAT und NTFS. ExFAT funktionierte in unserem Test leider nicht. Das Dateisystem hat weniger Einschränkungen als FAT und ist eigentlich für SDXC-Karten vorgesehen. Wir neigen dazu, unsere großen USB-Sticks via exFAT zu formatieren, da dadurch auch große Dateien gespeichert werden können und trotzdem die Kompatibilität zwischen Mac und Windows bestehenbleibt. Doch weder ein Stick noch eine SSD im ExFAT-Format waren einbindbar. Das steht so allerdings auch im Datenblatt.

Für die Praxis unangenehm ist, dass die Filestation-Software die eingesteckten Datenträger nicht nach ihrem Namen benennt. Stattdessen heißen die Geräte usbshare1 oder sdshare1-1. Seltsamerweise wurde unser USB-Stick usbshare3 genannt. Per Telnet ließ sich das jedoch schnell erklären. Intern wurde die SD-Karte als usbshare2-1 gemountet. Wer genau wissen will, welcher Datenträger wo gemountet wurde, findet die Information unter System Information und dort im Storage-Tab. In der Filestation oder in der oberen Leiste fehlen diese Zuordnungen. Es empfiehlt sich nicht, diese Informationen über die Kommandozeile zu suchen.

Eine weitere SD-Karte konnten wir nicht sofort ins System einbinden. Es war ein Neustart des NAS notwendig. Auf der neuen SD-Karte legte das System gleich wieder die Daten für den iTunes-Server ab.

Geschwindigkeitstests und elektrische Leistungsaufnahme

Die Geschwindigkeit der NAS haben wir nur kurz vermessen. Die Datentransfergeschwindigkeit des USB-3.0-Anschlusses verwunderte uns zunächst. Wir erreichten von dem NAS nur 50 bis 55 MByte/s auf dem NTFS-Volume. Dabei wissen wir, dass unser USB3.0-Adapter locker 150 MByte/s transferieren kann. Erst ein Wechsel auf FAT32 für die SSD brachte eine Besserung und steigerte die Datenraten auf rund 100 MByte/s. Hier zeigt sich der Nachteil, dass der Anwender in DSM nicht schnell ein Medium formatieren kann. Windows formatiert große Datenträger nur widerwillig mit FAT32. Die maximal 45 MByte/s, die unsere etwas ältere Sandisk Extreme Pro UHS-1-Karte bietet, konnten wir hingegen auf Anhieb ausnutzen. Damit ist klar, dass der Kartenleser nicht einfach per USB 2.0 an das Board angeschlossen wurde. Mangels einer sehr schnellen SD-Karte konnten wir den Maximalwert des Kartenlesers jedoch nicht messen.

Der Datentransfer direkt auf dem NAS-System ist eingeschränkt. Von der SD-Karte zur USB3.0-SSD NAS konnten wir nur 32 MByte/s erreichen. Die Leistungsaufnahme ist mit 6,3 Watt für ein ARM-basiertes NAS-System mit eingesteckter SD-Karte, das keine Spindel-Motoren versorgen muss, ziemlich hoch. Selbst ein Mac Mini des Jahres 2010 hat eine vergleichbare Leistungsaufnahme und muss neben der CPU auch noch eine Festplatte betreiben.

Nichts für PoE-Umgebungen und fehlendes DSM 5.0

In seiner Ankündigung behauptet Synology, dass die Datastation ideal für Umgebungen mit Power over Ethernet sei. Wir gingen fälschlicherweise davon aus, dass sie sich in eine entsprechende Infrastruktur einbinden ließe, und waren dementsprechend überrascht, als die Datastation an einem PoE-Port eines Juniper EX-2200-C nicht booten wollte. Das ist immerhin ein PoE+-Switch, der bislang noch keine Fehler gemacht hat, und auch das Power Budget war bei weitem nicht überschritten.

Auf Nachfrage erklärte Synology, was mit PoE-Umgebungen gemeint sei. Die Datastation hat einen Stromanschluss für externe Geräte. Nach den Vorstellungen von Synology schließt ein Anwender an diesen Ausgang eine PoE-Kamera direkt an. Diese Kameras haben häufig einen Netzteilanschluss. Das kann dann aber kaum noch als Power over Ethernet eingestuft werden.

Unserer Einschätzung nach ist der Mehrwert für PoE-Umgebungen nicht gegeben. Zwar spart der Anwender einen Platz in der Steckdose und gegebenenfalls Power Sourcing Equipment. Doch die Kamera direkt an die NAS anzuschließen, halten wir für wenig sinnvoll. Flexibler wäre der Einsatz eines PoE-Injektors oder eben eines PoE-Switches, der passiv gekühlt schon für Preise um die 100 Euro zu haben ist.

Wir würden uns einen direkten PoE-Support der kleinen Embedded-Kiste wünschen. Wer ohnehin PoE-Kameras betreibt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen PoE-Switch haben, und diese Zielgruppe will Synology ja ansprechen.

Schnell reagierendes System auf integriertem Flash, aber noch kein DSM 5.0

Auf der Datastation ist nur DSM 4.3 Build 4244 installiert. Das ist die aktuelle Version von Ende April mit allen Sicherheitspatches. Die Leistung des Interfaces ist gut. Sie entspricht neueren x14er-Disk- und Rackstations der Einstiegsklasse. Mit 512 MByte RAM und dem Armada 370 (1,2 GHz) als CPU ist das System gut für die Zukunft gerüstet. Für besonders leistungsfordernde Anwendungen ist die Hardwareausstattung aber nicht geeignet. Synology-typisch sollte es für einige Jahre Support geben. Versprochen wird das allerdings nicht.

Leider gibt es noch kein DSM 5.0, das bei vielen NAS-Systemen für Leistungssteigerungen sorgte. Laut Synpology ist ein Update in der Entwicklung. Wann es fertig sein werde, konnte uns das Unternehmen nicht sagen. Im Embedded-Bereich sind langsame und vorsichtige Entwicklungen nicht ungewöhnlich. Ein Update-Unfall wie beim Heartbleed-Fix für DSM 5.0, der mehrere NAS-Systeme lahmlegte, sollte jedenfalls vermieden werden.

Nachtrag vom 2. Juli 2014, 9:36 Uhr

Seit ein paar Tagen steht DSM 5.0 als Download für die Datastation EDS14 bereit, konnte für den Test jedoch nicht berücksichtigt werden.

Fazit und Verfügbarkeit von Synologys Datastation EDS14

Synologys Datastation EDS14 ist bereits im Handel verfügbar. Der Straßenpreis liegt inklusive Versand bei etwa 180 Euro. Die Garantie beträgt drei Jahre.

Fazit

Synologys EDS14 zu bewerten, ist schwierig. Es handelt sich um ein äußerst ungewöhnliches NAS-System, dessen Potenzial zum Teil brachliegt. Dass die Datastation nicht per PoE versorgt werden kann, finden wir schade, und die angebliche Eignung für PoE-Umgebungen können wir nicht erkennen.

Die Datastation hat aber ihren Reiz. Ein kleines und robustes NAS zum Mitnehmen, das SD-Karten und USB-Sticks als Datenträger verwendet, macht einen flexiblen Einsatz erst möglich. Zugegebenermaßen würde allerdings auch ein normales NAS-Gerät mit SSD in vielen Fällen reichen. Doch die sind meist schwerer und sperriger. Ein oder zwei gut gewählte USB-Sticks, die nicht so stark hervorstehen, und eine große SD-Karte wären eine ideale Konfiguration, die allerdings auch sehr teuer sein dürfte.

Anwender, die auf die Stromsparfähigkeiten der kleinen Datastation hofften, werden enttäuscht. Das System hat eine Leistungsaufnahme, die eher einem Minirechner entspricht. Anhand der Innereien des Systems ist das eine erstaunliche Ineffizienz.

Für das professionelle Umfeld dürfte sich das NAS-System gut eignen, auch wenn wir das nicht testen konnten. Synology sieht beispielsweise den Einsatz in Umgebungen, die Vibrationen und Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Dort läuft das System etwa in einem Fahrzeug und übernimmt die Videoüberwachung. Die Videodaten werden per Stick oder SD-Karte abtransportiert oder bei der nächsten Datenverbindung weggespeichert. Wer das System in einem solchen Szenario einsetzen will, muss allerdings ohnehin eine aufwendige Validierung durchführen.

Nachtrag vom 2. Juli 2014, 9:36 Uhr

Mittlerweile steht DSM 5.0 als Download für die Datastation EDS14 bereit. Der Text wurde auf Seite 3 entsprechend um einen Hinweis ergänzt.  (ase)


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