Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/baikal-russland-baut-eigene-arm-cpus-fuer-behoerdencomputer-1406-107382.html    Veröffentlicht: 23.06.2014 14:11    Kurz-URL: https://glm.io/107382

Baikal

Russland baut eigene ARM-CPUs für Behördencomputer

Bis 2015 soll Russlands erste für vielfältige Systeme geeignete CPU fertig sein. Der Staat selbst entwickelt einen ARM-Chip mit acht Kernen und 2 GHz Takt, der in PCs und Mikroservern zum Einsatz kommen soll. Ziel ist es, US-Lieferanten wie AMD und Intel zu ersetzen.

Unter Führung des russischen Wirtschaftsministeriums soll "Baikal" entstehen - der erste für viele verschiedene Anwendungen geeignete Mikroprozessor aus Russland. Dies berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Itar-Tass , die dabei aus einem Artikel der Wirtschaftszeitung Kommersant zitiert. Dieser wiederum nennt keine Amtsträger namentlich, so dass die Informationen nicht als absolut gesichert gelten dürften.

Den Meldungen zufolge arbeiten russische Firmen mit finanzieller Unterstützung in Millionenhöhe durch das Wirtschaftsministerium zunächst an zwei verschiedenen Chips namens Baikal M und Baikal M/S. Sie basieren auf dem Kern Cortex-A57 von ARM mit 64-Bit-Fähigkeiten. Im Jahr 2015 soll das SoC ausgeliefert werden und über 8 Kerne bei 2 GHz Takt verfügen.

Geplant ist eine Fertigung mit 28 Nanometern Strukturbreite - dies ist auch die in anderen Ländern derzeit für schnelle ARM-SoCs am weitesten verbreitete Herstellungstechnik. 2016 sollen die Baikals dann auf 16 Nanometer umgestellt werden, wobei vorgesehen ist, die Zahl der Kerne auf 16 zu verdoppeln.

Die Bakial-SoC sollen sowohl in PCs aks auch in Mikroservern eingesetzt werden, und zwar in solchen, die russische Behörden anschaffen. Itar-Tass zufolge kauft Russland jährlich 700.000 PCs und 300.000 Server, die einem Wert von je 500 und 800 Millionen US-Dollar entsprechen sollen. Chips von AMD und Intel will Russland künftig nicht mehr einsetzen, Gründe dafür nennen die Berichte nicht - sie dürften aber im durch die NSA-Spähaffäre erschütterten Vertrauen in westliche IT-Systeme liegen.

Keine russischen Chipfabriken für Baikal

Als Betriebssystem für die russischen Rechner soll Linux dienen. Ein vollständig neu im eigenen Land entwickeltes System wie das chinesische China OS erwähnen die Berichte nicht. Für PCs und Server wäre das auch sehr aufwendig zu entwickelt, auch China setzt für diese Rechner auf eigene Linux-Varianten.

Herstellen soll die Baikal-CPUs ein gleichnamiger Ableger des russischen Supercomputerherstellers T-Platforms, der trotz der Namensähnlichkeit keine Tochter der Deutschen Telekom ist. Aber eine Tochtergesellschaft von T-Platforms, Baikal Electronics, soll die Fertigung übernehmen - laut dem Bericht des Kommersant wird die Chipherstellung im Ausland vorgenommen. Das passt gut, denn T-Platforms unterhält nach eigener Darstellung auch Niederlassungen in Taiwan und Deutschland. Und aus Taiwan, insbesondere vom größten Auftragshersteller der Welt, TSMC, kommt auch ein großer Teil der heute verfügbaren ARM-SoCs mit 28 Nanometern Strukturbreite.

Baikal wäre nicht der erste Prozessor aus Russland, aber nach den bisherigen Informationen der flexibelste. Bereits seit den 1990er Jahren wurde das von der SPARC-Architektur abgeleitete Design Elbrus entwickelt, das aber nie in so großer Zahl wie es bei Baikal geplant ist zur Anwendung kam. Im Jahr 2004 übernahm Intel einen großen Teil des Elbrus-Teams.  (nie)


Verwandte Artikel:
Mali-G52/V52: ARM bringt neue GPU/VPU für AI-Smartphones   
(06.03.2018, https://glm.io/133174 )
AMDs Embedded-Pläne: Ein bisschen Wunschdenken, ein bisschen Wirklichkeit   
(23.02.2018, https://glm.io/132925 )
Wahlbeeinflussung: Russischer Präsident Putin will Verdächtige nicht ausliefern   
(05.03.2018, https://glm.io/133147 )
ARM-SoC-Hersteller: Qualcomm darf NXP übernehmen   
(19.01.2018, https://glm.io/132261 )
Bastelrechner Eagleye 530s: Zigbee und Flash-Speicher im Raspberry-Pi-Format   
(01.03.2018, https://glm.io/133078 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/