Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/verschluesselung-google-forkt-openssl-1406-107359.html    Veröffentlicht: 21.06.2014 18:45    Kurz-URL: https://glm.io/107359

Verschlüsselung

Google forkt OpenSSL

Google wird künftig einen eigenen Fork von OpenSSL pflegen. Bislang habe man eine immer länger werdende Liste von Patches gepflegt, die zum Teil nicht einfach in OpenSSL übernommen werden konnten.

Google-Entwickler Adam Langley hat in seinem Blog angekündigt, dass Google künftig einen eigenen Fork von OpenSSL pflegen wird. Bisher habe man eine Liste von Patches gepflegt, die von zahlreichen Google-Produkten genutzt wurden.

Es sei bei vielen von Google gepflegten Änderungen nicht einfach möglich, diese in den Haupt-OpenSSL-Code zu übernehmen. OpenSSL versucht, seine API- und ABI-Schnittstellen über einen längeren Zeitraum kompatibel zu halten. Für den Google-Fork gibt es laut Langley keinerlei Garantien für die Stabilität der Schnittstellen. Einige der Änderungen seien außerdem zu experimentell für OpenSSL selbst, so Langley.

Deshalb will Google künftig eine eigene Version des OpenSSL-Codes pflegen. Statt wie bisher die eigenen Änderungen an neue OpenSSL-Versionen anzupassen, soll es künftig umgekehrt sein: Änderungen von OpenSSL sollen in den Google-Code eingepflegt werden.

Googles Chrome-Browser setzt bislang noch auf die Verschlüsselungsbibliothek NSS für TLS-Verbindungen, langfristig soll diese jedoch durch OpenSSL ersetzt werden. Das dürfte ein wichtiger Grund sein, warum Google künftig seine eigene OpenSSL-Version pflegen möchte.

Der von Google verwendete Code kann bereits via Git heruntergeladen werden. Vorläufig hat Langley den Code "BoringSSL" genannt. Langley will künftig auch sinnvolle Änderungen von LibreSSL in den Google-Fork übernehmen. Um den Austausch zu erleichtern hat Google bereits eigenen Code, den der Konzern in der Vergangenheit zu OpenSSL beigetragen hat, unter die ISC-Lizenz gestellt. Diese Lizenz enthält nur sehr wenige Einschränkungen für die Nutzung des Codes.

Der Google-Fork soll OpenSSL nicht ersetzen. Langley betont, dass Google weiterhin die Entwicklung von OpenSSL über die Core Infrastructure Initiative mitfinanzieren wird. Auch die Entwicklung von LibreSSL wird von Google weiterhin durch die Unterstützung der OpenBSD-Foundation mitfinanziert.  (hab)


Verwandte Artikel:
Trustico/Digicert: Chaos um 23.000 Zertifikate und private Schlüssel   
(01.03.2018, https://glm.io/133077 )
Urheberrecht: Bär lehnt Leistungsschutzrecht strikt ab   
(10.03.2018, https://glm.io/133260 )
Revocation: Zurückziehen von Zertifikaten bringt wenig   
(14.04.2014, https://glm.io/105849 )
Große Koalition: Evaluierungsverweigerer Maas wird Außenminister   
(09.03.2018, https://glm.io/133249 )
LLVM 6.0: Clang bekommt Maßnahme gegen Spectre-Angriff   
(09.03.2018, https://glm.io/133241 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/