Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/phil-fish-let-s-play-ist-im-grunde-piraterie-1406-107321.html    Veröffentlicht: 19.06.2014 16:29    Kurz-URL: https://glm.io/107321

Phil Fish

"Let's Play ist im Grunde Piraterie"

Zuletzt hatte sich Nintendo mit der Let's-Play-Video-Community angelegt, nun äußert sich Indie-Entwickler Phil Fish (Fez) empört über die Video-Macher, von denen einige Millionengewinne machen.

Der kanadische Spielentwickler Phil Fish - einer der Gründer und Chefs des Indie-Entwicklerstudios Polytron Corporation - hat sich öffentlich über die Macher von Let's-Play-Videos empört. Kurz zuvor war im Wall Street Journal ein Bericht erschienen, dem zufolge der unter dem Pseudonym Pewdiepie bekannte Schwede Felix Kjellberg mit seinen rund 27 Millionen Abonnenten auf Youtube jährlich rund vier Millionen US-Dollar über Werbung verdient.

Phil Fish nennt den Artikel zwar nicht direkt, bezieht sich in mehreren Twitter-Beiträgen aber offensichtlich darauf - und ist sauer: "Wenn du Geld verdienst, indem du meine Inhalte auf deinem Kanal zeigst, schuldest du mir Geld." Außerdem schreibt er, dass die Macher der Youtube-Videos "im Grunde Piraterie" betrieben. Inzwischen hat Fish die Beiträge mitsamt seines gesamten Nutzerkontos gelöscht; Screenshots sind unter anderem auf der US-Seite Gameinformer.com zu finden.

Viele Spieler und vor allem die Ersteller von Let's-Play-Videos sind wegen der Äußerungen von Fish verärgert. Ein Youtuber namens Ryan Letourneau (Northernlion) etwa schreibt auf Twitter, dass er die Aussagen von Fish enttäuschend finde. Er habe den Entwickler bei früheren kontroversen Äußerungen immer wieder öffentlich verteidigt.

Phil Fish ist allerdings nicht der Einzige, der an den Einnahmen der Let's-Play-Videos mitverdienen möchte. Auch Nintendo hatte im Sommer 2013 verlangt, dass es Werbeerlöse aus Videos mit seinen Spielen anstelle der Youtuber erhalten müsse, diese Maximalforderung aber im Mai 2014 abgeschwächt. Das Unternehmen fordert seitdem lediglich einen Anteil an den Erlösen.

Die meisten anderen Publisher, darunter Ubisoft, EA und Warner Brothers Games, sind um einen möglichst guten Umgang mit Let's-Playern bemüht. Sie stellen den Szenegrößen ihre Spiele teils kostenlos zur Verfügung oder laden sie zu Veranstaltungen ein. Sie sehen die Videos als Teil ihrer PR- und Marketingaktivitäten, für die sie auf anderen Kanälen und Wegen viel Geld für die gleiche verkaufsfördernde Wirkung bezahlen müssten.  (ps)


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