Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/erdbeobachtung-google-haelt-ausschau-nach-der-wolke-1406-107319.html    Veröffentlicht: 20.06.2014 11:57    Kurz-URL: https://glm.io/107319

Erdbeobachtung

Google hält Ausschau nach der Wolke

Google hat kürzlich Skybox Imaging übernommen. Was kann dieses US-Unternehmen und was mag Google bewogen haben, den Anbieter von Satellitenbildern zu kaufen - zumal Googles Hauptlieferant Digitalglobe bald noch deutlich höher aufgelöste Bilder anbieten wird?

Ein Satellit umkreist bereits die Erde, in Kürze will Skybox Imaging seinen zweiten in die Erdumlaufbahn schießen. Das US-Unternehmen ist in der vergangenen Woche für 500 Millionen US-Dollar von Google übernommen worden. Es wird spekuliert, dass sich Google damit ein neues Geschäftsfeld sichern will - aber nicht den Verkauf von Satellitenbildern.

Skybox Imaging ist ein auf Erdbeobachtung spezialisiertes US-Unternehmen, das eine eigene Satellitenkonstellation aufbauen will: Bis 2019 will das Unternehmen 29 Satelliten in der Umlaufbahn haben. Vorteil sei, erklärt Skybox Imaging Golem.de, dass jeder Ort der Erde dann mehrfach am Tag überflogen werde. Unsere Anfrage an das US-Unternehmen war zunächst unbeantwortet geblieben.

Hohe zeitliche Auflösung

Diese hohe zeitliche Auflösung eröffne neue Geschäftsmöglichkeiten, sagt das Unternehmen. Betreiber von Parkplätzen von Einkaufszentren könnten so etwa die Auslastung über den Tag hinweg beobachten, Bauherren könnten die Fortschritte auf der Baustelle verfolgen. Bei Katastrophen, etwa einem Waldbrand, lässt sich die Ausbreitung ebenso beobachten wie die fliehenden Menschen.

Das ist ein Vorteil etwa gegenüber Konkurrent Urthecast, der Kameras an der Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS) hat anbringen lassen: Sie können in Echtzeit nur Bilder von den Orten liefern, die die Station gerade überfliegt.

Leistungsfähige Optik

Damit solche Details auf den Bildern auch erkennbar sind, müssen die Kameras der Satelliten entsprechend leistungsfähig sein. Die Skysats sind 60 x 60 x 80 Zentimeter groß und wiegen etwa 100 Kilogramm. Sie sind mit Ritchey-Chrétien-Teleskopen mit einem CMOS-Chip ausgestattet. Das Teleskop ist 35 Zentimeter groß und hat eine Brennweite von 3,6 Metern.

Die Teleskope von Skysat-1 und -2 machen Bilder mit einer panchromatischen Auflösung von 85 Zentimetern, die multispektrale Auflösung liegt bei zwei Metern. Das bedeutet, ein Pixel auf einer Schwarzweiß-Aufnahme entspricht 85 Zentimeter auf der Erde, auf einem Farbbild sind es 2 Meter. Das gilt jeweils für den Nadir, also wenn die Kamera senkrecht nach unten gerichtet ist.

Skysat-3 mit höherer Auflösung

Die Skysats können zudem Videos aufnehmen, die bis zu 90 Sekunden lang sein können. In den Videos, die als Raw-Dateien im Mp4-Format zur Verfügung stehen, liegt die Auflösung bei einem Meter. Ab Skysat-3 wird die Auflösung noch etwas feiner: Die panchromatische Auflösung soll dann 75 Zentimeter betragen, die Videoauflösung 95 Zentimeter.

Ihren ersten Satelliten haben die Kalifornier im November 2013 in den Orbit befördert. Der Start von Skysat-2 ist - nach mehreren Verschiebungen - für den 8. Juli 2014 geplant. Dann wird der Satellit vom Raketenstartplatz Baikonur in Kasachstan aus an Bord einer Sojus-2-1b-Trägerrakete zu seiner Reise ins All aufbrechen. Auch Satellit Nummer drei wird Anfang 2015 von Baikonur aus starten. Er wird der erste sein, der die Erde in einer Höhe von nur 500 Kilometern umkreisen wird. Skysat-1 ist 590 Kilometer, Skysat-2 640 Kilometer weit über der Erde unterwegs.

Satellitentransporte von Orbital Sciences ...

Weitere Satelliten wird 2015 das US-Raumfahrtunternehmen Orbital Sciences in den Orbit transportieren. Bis Ende 2015 oder Anfang 2016 soll eine Konstellation von sechs Satelliten einsatzbereit sein, die sukzessive ausgebaut werden soll.

Diese Aufgabe wird zum Teil Virgin Galactic übernehmen. Das Raumfahrtunternehmen des britischen Geschäftsmannes Richard Branson hatte 2012 angekündigt, außer kommerziellen Ausflügen ins All auch Satellitentransporte anzubieten.

... und Virgin Galactic

Virgin Galactic wird Satelliten aber nicht auf die herkömmliche Art und Weise in die Erdumlaufbahn befördern. Zwar setzt das Unternehmen auch eine zweistufige Rakete ein, den Launcher One. Sie wird aber nicht von einer Rampe auf der Erde aus starten. Stattdessen wird die Rakete unter dem Transportflugzeug Whiteknight Two befestigt. Das steigt mit dem Launcher One auf und klinkt diesen in einer Höhe von über 15.000 Metern aus. Dann zünden die Triebwerke der Rakete und bringen sie ins All.

Was aber will Google mit einem solchen Unternehmen?

Cloud-Service für Erddaten

Dass Google Skybox Imaging gekauft hat, um künftig sein Angebot von Google Earth selbst zu füllen, ist unwahrscheinlich. Dessen Bilder stammen zum Großteil von dem US-Unternehmen Digitalglobe. Das werde auch so bleiben, sagte ein Vertreter von European Space Imaging Golem.de. Das in München ansässige Unternehmen ist Vertriebspartner für Skybox Imaging für Europa sowie den Nahen und Mittleren Osten. Google werde trotz des Kaufs von Skybox Imaging "auch weiterhin die sonstigen verfügbaren Satellitendaten zusätzlich für seine Anwendungen nutzen und einkaufen müssen."

Digitalglobe wird künftig noch höher aufgelöste Aufnahmen anbieten können: Der Anbieter von Satellitenbildern will demnächst den Satelliten Worldview-3 ins All schießen, der panchromatische Bilder mit einer Auflösung von 31 Zentimetern und multispektrale Bilder mit einer Auflösung von 1,24 Metern aufnehmen soll.

Satellit startet im August

Worldview-3 soll laut Digitalglobe am 13. oder 14. August vom Luftwaffenstützpunkt Vandenberg im US-Bundesstaat Kalifornien aus ins All geschossen werden. Etwa ein halbes Jahr später soll er einsatzbereit sein.

Möglich ist das, weil das US-Handelsministerium (US Department of Commerce) in der vergangenen Woche eine Regelung aus dem Jahr 2000 aufgehoben hat, nach der Satellitenbilder mit einer Auflösung von weniger als 50 Zentimetern nur an die US-Regierung, nicht aber an zivile Kunden verkauft werden dürfen.

Bilder nicht nur für die Regierung

Digitalglobe hatte auf ein Ende dieser Einschränkung gedrängt. Zwar ist die US-Regierung der wichtigste Abnehmer von Digitalglobes Satellitenbildern. Doch das Unternehmen hat eben auch private Kunden wie Google, denen es die hochaufgelösten Bilder aus dem Orbit verkaufen will.

Ob Skybox Imaging künftig auch Fotos mit einer Auflösung von 50 Zentimetern und mehr anbieten werde, sei noch nicht abzusehen, sagt der European-Space-Imaging-Mitarbeiter. Das hänge von Googles langfristiger Planung ab. Zunächst konzentriere sich Skybox Imaging darauf, die komplette Konstellation in den Orbit zu bekommen. Skybox dürfte auch deshalb vorerst kein Druckmittel Googles für bessere Konditionen bei Digitalglobe sein.

Aufbereitete Erddaten

Das US-Magazin The Atlantic spekuliert deshalb über ein anderes Motiv: Skybox Imaging bietet nicht einfach nur Satellitenbilder an, sondern bereitet diese auf - mit Daten aus einer riesigen Datenbank, die das Unternehmen aufgebaut hat. Darin sind Bilder anderer Satelliten, Luftbilder oder Wetterdaten gespeichert, um Kunden bearbeitete Daten liefern zu können, beispielsweise Bilder, die nicht nur einen aktuellen Zustand, sondern eine Entwicklung zeigen.

Skybox Imaging baue einen Cloud-Service für Erddaten auf, erklärt das Magazin. Beim Cloud-Computing sei Google aber weit hinter Konkurrent Amazon zurück. Mit dem Kauf des Erdbeobachtungsunternehmens bekomme Google einen führenden Cloud-Dienst in einem Geschäftsfeld, der sich gerade erst entwickle.  (wp)


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