Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/langzeittest-manche-ssds-ueberleben-1-petabyte-schreibvolumen-1406-107241.html    Veröffentlicht: 17.06.2014 11:48    Kurz-URL: https://glm.io/107241

Langzeittest

Manche SSDs überleben 1 Petabyte Schreibvolumen

Der seit Monaten laufende Test von Techreport nähert sich seinem Ende: Drei von sechs 2,5-Zoll-SSDs sind defekt. Zuvor wurden alle Laufwerke kontinuierlich beschrieben und gelöscht, alle erreichten 700 Terabyte. Das ist weit mehr, als die Hersteller den Geräten selbst zutrauen.

In einem Langzeittest von Techreport macht die US-Site das, was man mit Standard-SSDs für Desktop-PCs und Notebooks eigentlich nicht tun sollte: Die Laufwerke werden kontinuierlich mit Daten gefüllt, diese werden dann wieder gelöscht. Dieses Verfahren erzeugt enormen Stress für die Flash-Zellen und die Algorithmen, die über das sogenannte "wear levelling" eine möglichst lange Lebensdauer sicherstellen sollen.

Bereits seit August 2013 läuft der Test, und insgesamt wurden nun auf drei Laufwerken über 1.024 Terabyte geschrieben. Den Wert von 1 Petabyte erreichten eine Corsair Neutron GTX mit 240 GByte, eine Samsung 840 Pro mit 256 GByte und eine Kingston HyperX 3K mit 240 GByte. Letztere SSD war zweimal vertreten, und überstand den Langzeittest nur, wenn sie mit komprimierbaren Daten beschrieben wurde. Der Sandforce-Controller der HyperX machte aus dem vom PC angelieferten Petabyte 716 Terabyte. Das zweite Exemplar der Kingston-SSD, das mit nicht komprimierbaren Inhalten gefüllt wurde, gab nach 728 TByte auf.

Mit komprimierten Daten längere Lebensdauer

Während des Tests wurden regelmäßig die Smart-Daten der Laufwerke ausgelesen; an diesem Mechanismus, der noch aus der Festplatten-Ära stammt, orientieren sich auch Sata-Treiber und Betriebssysteme. Daher meldete das verwendete Windows 7 auch 3 TByte vor dem Ableben der Kingston-SSD einen Datenträgerfehler. Danach war das Laufwerk nicht mehr ansprechbar.

Das galt auch für die Samsung 840, die anders als die Pro-Version das Petabyte nicht erreichte. Diese SSDs quittierte ihren Dienst mit einem Absturz des verwendeten Testprogramms Anvil, das Laufwerk war danach im Gerätemanager nicht mehr sichtbar, und auch das SSD-Tool Magician von Samsung fand es nicht mehr. Eigentlich, so Techreport, hätte das Laufwerk laut einer vorherigen Besprechung mit Samsung auch Warnmeldungen abgeben sollen. Warum das nicht geschehen ist, klärt der Hersteller derzeit anhand der defekten SSD.

Sehr konsequent zeigt sich das Wear Levelling der Intel 335 mit 240 GByte. Dieses Laufwerk gab nach 700 TByte auf. Über diese gesamte Kapazität zählte die Firmware den Intel-spezifischen "media wearout indicator" (MWI) kontinuierlich von 100 auf null herunter. Solche Werte lassen sich in der Regel mit den herstellereignen Tools auslesen, im Falle von Intel heißt das Programm SSD Toolbox.



Die Intel-SSD meldet sich kontrolliert ab

Als der MWI den Wert 0 erreichte, meldete sich auch die Intel-SSD ab und war nur noch als Laufwerk mit 0 GByte Kapazität vom Sata-Treiber erkennbar und gar nicht mehr von der SSD-Toolbox. Wie Intel Techreport sagte, ist dies auch das vorgesehene Verhalten: Wenn die SSD als nicht mehr zuverlässig gilt, meldet sie sich ab, um einem Datenverlust vorzubeugen. Einen Hinweis des Betriebssystems erwähnt Techreport nicht, so dass man bei älteren Intel-SSDs wohl regelmäßig einen Blick in die SSD-Toolbox werfen sollte.

Das gilt aber zumindest nach einem Einzelgerät aus der Redaktion von Golem.de zu urteilen nur bei extremen Belastungen. Seit vier Jahren verwenden wir eine täglich genutzte Intel 320 mit 300 GByte als Systemlaufwerk unter Windows, auf dieser SSD werden auch regelmäßig Updates durchgeführt und Programme installiert und wieder gelöscht. Der MWI steht noch auf 100, und insgesamt wurden 8,35 TByte auf das Laufwerk geschrieben. Im Langzeittest von Techreport fiel die Intel-SSD - bei der es sich aber um ein anderes Modell handelt - erst nach mehr als 83-mal mehr geschriebenen Daten aus.

Da alle getesteten Laufwerke mehrere hundert TByte überlebten, kann man die Angaben zur Lebensdauer von PC-SSDs durch die Hersteller nur als sehr konservativ bezeichnen. Typischerweise sind von der Garantie 20 bis 40 GByte Schreibvolumen pro Tag abgedeckt, die über einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren ständig ausgeschöpft werden dürfen. Das ergibt im günstigsten Fall bei 40 GByte und fünf Jahren gut 71 TByte, im Test von Techreport kamen alle SSDs fast auf das zehnfache Datenvolumen.

Wie die Tester selbst anmerken, sind die Ergebnisse ein Worst-Case-Szenario und selbst für exakt die gleichen Laufwerksmodelle nicht repräsentativ - vor allem, weil je nur ein einziges Exemplar geprüft wurde. Sie geben jedoch viele gute Anhaltspunkte zur tatsächlichen Lebensdauer von SSDs. Neben dem aktuellen Stand bei 1 Petabyte hat Techreport das eingesetzte Verfahren im ersten Artikel zum Langzeittest ausführlich beschrieben.  (nie)


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