Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kleine-spiele-auf-der-e3-acht-aussenseiter-zum-aufmerken-1406-107223.html    Veröffentlicht: 17.06.2014 09:14    Kurz-URL: https://glm.io/107223

Kleine Spiele auf der E3

Acht Außenseiter zum Aufmerken

Die E3 ist die Messe der großen Ankündigungen. Aber jedes Jahr kämpft eine ganze Schar kleiner, aber ungewöhnlicher Spiele um ein bisschen Aufmerksamkeit.

Früher sind die großen Pressekonferenzen der E3 ganz selbstverständlich von Blockbustern dominiert worden. Schon letztes Jahr hat Sony vorgemacht, wie man mit Indie-Spielen Eindruck schindet, aber erst in diesem Jahr haben alle verstanden: Ohne einen möglichst bunten Mix kleiner Spiele ist keine Plattform komplett. Kleine Konferenzen wie Horizon und Sammelstände wie der Indiecade E3 Showcase haben viel Neues präsentiert. Hier eine kleine Zusammenstellung:

White Night

Schon auf den ersten Blick sieht White Night anders aus als andere Spiele: Man sieht wenig. Es ist dunkel. Zwar spielen viele Horrortitel mit Licht und Schatten, hier aber bleibt der ganze Bildschirm schwarz. Immer nur kleine Teile der Welt tauchen grellweiß auf, wenn Licht brennt. Mathieu Frémont, Chef des Entwicklers Osome Studio, weiß, wie wichtig der erste Eindruck ist: "Wir sehen markant aus, anders als viele andere Indie-Spiele. Und das ist ein großer Vorteil für ein Spiel mit kleinem Marketing-Budget. Aber auch das Spiel selbst ist anders - ein einfaches Adventure, inspiriert von Alone in the Dark, ohne Gemetzel, ohne Waffen, aber voller Bedrohungen."

Die Spieler erkunden ein verlassenes Herrenhaus auf der Suche nach einem Ausweg und Lichtquellen. Sie weichen Gefahren aus und lösen einfache Rätsel - legen beispielsweise Schalter um und verrücken Möbel. Voraussichtlich im September erscheint das Spiel für Windows-PC, Mac und Linux. Später in diesem Jahr soll es für Xbox One erhältlich sein.

Cuphead

Grundsätzlich erfüllt Cuphead ein Klischee bei Indie-Spielen: Es ist ein traditioneller zweidimensionaler Plattformer mit genau einer ungewöhnlichen Idee. Bemerkenswert ist aber, wie detailgetreu sie umgesetzt wird.

Cuphead soll an Cartoons der 1930er Jahre erinnern. Die Charaktere wurden per Hand gezeichnet und animiert, Hintergründe mit Wasserfarben gemalt und der Jazz-Soundtrack wurde live eingespielt. Chad Moldenhauer vom Entwickler Studio MDHR freut sich über das positive Echo von der E3: "Offenbar lieben viele Menschen den Stil der 30er genauso wie wir!"

Aber Cuphead soll auch als altmodisch schweres Run-and-Gun-Spiel reizen, wenn man die Effekte in- und auswendig kennt. Cuphead und sein Freund Mugman können nicht nur laufen und schießen, sie verfügen auch über verschiedene Waffen, können in bestimmte Richtungen zielen, ausweichen, parieren, Waffen wählen und Spezialattacken ausführen. Das Spiel soll 2015 für Windows-PC und Xbox One erscheinen.

Nova-111

Bemerkenswert sind an Nova-111 schon die Entwickler - bei den japanischen Funktronic Labs sind Veteranen des Pixeljunk-Teams untergekommen. Und wie bei den Pixeljunk-Spielen setzt auch Nova-111 eine altmodische Spielidee neu in Szene. Programmierer Eddie Lee erklärt: "Wir lieben Rogue-Likes, aber wir wollten andere Spielmechanismen ausprobieren als immer nur simple, rundenbasierte Dungeon Crawler. Das Hinzufügen von Echtzeitmechanismen schien uns interessant."

Nova-111 setzt diese Idee konsequent in der Geschichte des Spiels um: Die Spieler suchen in einer rundenbasierten Welt nach Wissenschaftlern, die in einen Echtzeitstrudel geraten sind. Nach und nach führt das Abenteuer damit von einer Spielart in die andere. Noch in diesem Jahr soll Nova-111 für Windows-PC, Mac und Linux erscheinen.

Lovers in a Dangerous Spacetime und Choice Chamber

Das Spiel Lovers in a Dangerous Spacetime macht es sich in keiner Beziehung einfach. Schon der lange Titel ist in Zeiten von Twitter ein Nachteil, wie Adam Winkels, Mitbegründer des kleinen kanadischen Studios Adteroid Base, zugibt: "Erst haben wir viel über den Namen diskutiert. Aber er trifft die Stimmung, Ästhetik und das Konzept des Spiels so gut, dass wir ihn trotzdem genommen haben." Und auch ein kurzes Video reicht nicht aus, um Lovers... zu verstehen. Was aussieht wie ein Shooter, steuert sich wie ein altmodisches Jump 'n' Run.

Zwei Spieler kämpfen an Bord eines Raumschiffs gegen die Überforderung, teilen ihre Arbeitskraft vom Geschützturm bis zum Maschinenraum zwischen acht verschiedenen Stationen. Nur mit klaren Prioritäten und guter Kommunikation können sie zusammen im Weltall überleben. Statt von einem Freund kann sich der Spieler auch von einem loyalen Roboterhund helfen lassen. Lovers in a Dangerous Spacetime hat noch keinen Erscheinungstermin. Als Plattform ist neben Windows-PC und Mac auch die Xbox One bestätigt worden.

Choice Chamber

Kürzlich geisterte der seltsame Twitch-Plays-Pokemon-Stream durch das Netz. Über den Twitch-Chat können die Zuschauer des Live-Streams das laufende Pokemon-Spiel steuern. Das ist originell, wenn auch völlig sinnlos. Eine deutlich sinnvollere Idee hatte Michael Molinari.

Der Entwickler aus Kalifornien schuf mit Choice Chamber einen eigentlich äußerst simplen Plattformer - wenn da nicht der Twitch-Chat wäre. "Der Hauptspieler versucht einfach zu überleben und so weit wie möglich zu kommen. Die anderen Spieler, egal wie viele es sind, können das Spiel in Echtzeit ändern."

Mit einfachen Kommandos im Chat können Zuschauer es dem Hauptspieler einfacher oder schwerer machen, Gegner erscheinen lassen oder über das nächste Power-up abstimmen. Wie lange das Spaß machen wird, ist unsicher. Aber schon jetzt zeigt Choice Chamber, dass in der Verbindung von Livestreams und Spielen neue Ideen auf ihre Entdeckung warten. Erscheinen soll es voraussichtlich gegen Ende des Jahres für Windows-PC und Mac.



Fru, Night in the Woods, Close Castles

Nur wenige Spiele liefern ein echtes Argument dafür, was die Xbox One mit dem Kinect-Sensor anfangen soll. Eine neue Idee präsentiert Fru: Der Plattformer holt seine Spieler in den Level. Bei dem Entwicklerteam Through Games machen auch die Programmierer Christian Kokott und Designer David Oppenberg mit und erklären das Spielprinzip so: "Der Körper des Spielers wird in das Spiel projiziert. Der Bereich innerhalb der Silhouette enthält eine zweite Ebene mit anders angeordneten Plattformen und anderen Spielelementen. Der Spieler muss also seinen Körper bewegen, um bestimmte Elemente der ersten Level-Ebene zu verdecken oder Elemente der dahinterliegenden Ebene aufzudecken."

Gleichzeitig mit dem Geturne muss der Spieler einen Charakter durch den Level bewegen. Die Idee ist interessant, das Spiel aber noch lange nicht fertig. Aktuell wird Ende 2015 als Erscheinungstermin anvisiert. Vorerst soll Fru für die Xbox One erscheinen, andere Plattformen werden in Betracht gezogen.

Night in the Woods

Mae hat gerade das College abgebrochen und ist zurück in ihre alte Heimat gezogen, eine zerfallene alte Bergbaustadt. Sie will eigentlich gar nichts tun und mit ihren alten Freunden herumhängen, aber alles ändert sich.

Selten hat der Plot für ein Indie-Spiel so sehr nach einem Indie-Film über die Ziellosigkeit geklungen wie Night in the Woods.

Das Adventure in der Gestalt eines Plattformers mit seinem Fokus auf Geschichte, Charaktere und Erkundung wird den Spieler zwar vor keine großen Herausforderungen stellen. Aber mit seinem kuriosen Tierensemble, dem sehr charmanten Look und einer schwermütigen Stimmung bleibt dieses Spiel im Gedächtnis. Das muss es auch, denn erscheinen wird es erst 2015. Als Plattformen sind Windows-PC, Mac, Linux und die Playstation 4 bestätigt. javascript:void(0)

Close Castles

Der Entwickler beschreibt Close Castles als "schnelles Aufbauspiel, das sich wie ein Prügelspiel anfühlt". Und der Entwickler ist immerhin Asher Vollmer, der mit dem Puzzlespiel Threes einen großen Hit auf iOS-Plattformen gelandet hat. Auch Vollmers neues Konzept setzt auf gut durchdachten Minimalismus. Bis zu vier Spieler bekriegen sich auf einer winzigen Rasterkarte. Zum Bau stehen nur defensive Türme, offensive Städte, Marktplätze und Straßen bereit.

Einfache taktische Entscheidungen stehen im Vordergrund, keine hektischen Knopfdrücke. Erste Spielberichte vom Indiecade-Stand der E3 sind euphorisch. Aber bis Close Castles erscheint, kann es noch dauern. Weder Plattformen noch Termine stehen fest, auch eine Webseite hat das Spiel noch nicht.  (jbn)


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