Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/battlefield-hardline-angespielt-intimer-kugelrausch-1406-107004.html    Veröffentlicht: 09.06.2014 21:47    Kurz-URL: https://glm.io/107004

Battlefield Hardline angespielt

Räuber und Gendarm statt Soldaten

In Battlefield Hardline, dem nächsten Egoshooter von Electronic Arts und Visceral Games, dürfen Spieler die Bank ausrauben und Tresore knacken. Wir konnten die Entwickler in San Francisco besuchen, den Multiplayermodus anspielen und Gameplay mitschneiden.

"Wenn Battlefield draufsteht, muss auch Battlefield drin sein." Deshalb fühlten sich die ersten Mehrspielerpartien von Battlefield Hardline so vertraut an, sagt der Creative Director von Visceral Games, Ian Milham, im Interview mit Golem.de. Die Entwickler haben viel Input von Dice (Battlefield 1942 bis Battlefield 4) bekommen und nutzen für ihr erstes eigenes Vollpreis-Battlefield auch die in Schweden programmierte Frostbite-Engine 3.

Cops and Criminals

Lange Zeit hat sich Battlefield den Schlachtfeldern realer und fiktiver Kriege gewidmet, Visceral Games will das Squad-basierte Gameplay nun intimer machen. Das bedeutet in erster Linie, dass die Maps weniger weitläufig sind und es mehr Innenräume gibt. Die Squad-Taktiken sollen sich grundlegend von denen in Battlefield 4 unterscheiden. Die Entwickler haben deshalb interessante Gadgets wie einen Enterhaken oder ein Polizeischild integriert.

Die Kulisse für Hardline sind Großstädte wie New York oder Los Angeles mit ihren Finanzvierteln. Diese kann die Frostbite Engine problemlos schick rendern. Sonnenstrahlen reflektieren an Fensterscheiben, künstliche Lichtquellen erhellen unterirdische Durchgänge oder Inneneinrichtungen. Viele - wenn auch nicht alle - Objekte sind zerstörbar. Besonders gut hat uns gefallen, wie ein paar Bürostühle in Tausende Holzsplitter zersprangen, als wir sie mit der Shotgun anschossen.

Bankraub in Los Angeles

"Damit ein großer Heist funktioniert, muss er erst gut geplant sein, dann schiefgehen, worauf der Held dann doch noch einen Plan hinter dem Plan hat", sagt Ian Milham. Dieser Fantasie möchten die Entwickler Rechnung tragen, indem sie den Spielern mehrere Wege zum Ziel eröffnen. Auf der von uns angespielten Karte nähern wir uns dem Objekt der Begierde, dem Safe, aus der Luft mit dem Fallschirm, direkt durch den Vordereingang von der Straße, durch den Lift des Nachbarhochhauses oder den Personaleingang.

Als Wahrzeichen der Stadt erkennen wir sofort den U.S. Bank Tower von Los Angeles in der Umgebung. Wie in der Battlefield-4-Map Siege of Shanghai können die Spieler auch in Hardline viel zerstören. Auf der High Tension genannten L.A.-Map ist es zum Beispiel möglich, einen riesigen Baukran in das daneben liegende Hochhaus zu stürzen. Das Levolution genannte Konzept aus Battlefield 4 greift dann auch hier. War Los Angeles zu Beginn der Partie noch glänzend und sauber, liegt die Stadt nach dem Einsturz in Schutt und Asche, neue Wege eröffnen sich, andere sind von nun an verschlossen.

Räuber mit Fallschirmen

Als Fahrzeuge stehen selbstverständlich keine Panzer oder Kampfflugzeuge zur Verfügung. Spieler nehmen stattdessen zu viert in einem Polizeiwagen Platz, schwingen sich zu zweit auf ein Motorrad, fliegen im Einsatzhubschrauber oder nehmen in einem größeren Truppentransporter mit Maschinengewehr auf dem Dach platz. Den Bankräubern stehen klassische Sedans und ebenfalls Hubschrauber zur Verfügung.

Die Einsatzgebiete sind hermetisch abgeriegelt und evakuiert, Passanten konnten wir nicht finden und daher auch keine Geiseln nehmen. Es stehen aber zahlreiche zurückgelassene Vehikel in der Stadt herum. Sie lassen sich aber nicht knacken und benutzen, laut Milham eine Designentscheidung, über die viel diskutiert wurde: "Wir müssen auf die Balance achtgeben. In Tests hat sich gezeigt, dass Spieler witzige und coole Dinge anstellen, wenn ihnen 30 Autos zur Verfügung stehen: Sie haben beispielsweise Tunnel zugestellt, so dass niemand mehr hindurch konnte und so die Polizisten an ihrem eigenen Startpunkt eingebunkert waren. Der Bildrate war es aber nicht besonders zuträglich, als die Polizisten danach versucht haben, alle Autos auf einmal in die Luft zu sprengen."

Spezialisten gesucht

Spieler können aus vier verschiedenen Klassen wählen: Der Operator ist ein Alleskönner, der sich als Gadget eine heilende Spritze kaufen kann, um gefallene Kollegen wieder ins Leben zurückzuholen. Der Mechanic hat schweres Geschütz und kann Fahrzeuge reparieren. Mit Patronentaschen in der Hand rennt der Enforcer durch die Stadt und verteilt damit Munition. Die auf den Fernkampf spezialisierte Sniper-Klasse heißt in Hardline Professional.

Verfügbarkeit und Fazit

Battlefield Hardline soll für Xbox 360, Xbox One, Playstation 3, Playstation 4 und den PC erscheinen. Electronic Arts plant die Veröffentlichung für den 21. Oktober 2014.

Ausblick

Battlefield Hardline hat uns bereits mit der einen tollen Karte in Los Angeles zwei Stunden lang sehr gut unterhalten. Die Spielmodi Heist und Blood Money sind zwar nur für das Battlefield-Universum neu. Das Wichtigste ist aber: Sie machen richtig viel Spaß. Sich durch vertraute Umgebungen ballern, zum Safe vorkämpfen, so viel Geld wie möglich in die Taschen stopfen und dann über das Dach mit dem Helikopter fliehen, das hat uns spontan deutlich besser gefallen als die altbekannten Modi von Battlefield 4.

Aktuell wirkt der Multiplayermodus von Hardline trotzdem noch nicht eigenständig genug. Menüs, Klassenauswahl, Upgradesystem und auch das Schießen und Laufen fühlen sich zu vertraut an, als dass wir wirklich lange in der Bankräuber-Fantasie verweilen. Die großen Teams von 32 Spielern passen auch nicht so recht zu dem gewünschten intimeren Szenario. Obwohl die von uns gespielte Karte kleiner als die in bisherigen Battlefield-Teilen ist, war sie trotzdem sehr weitläufig. Wüssten wir nicht, dass Visceral Games auch an einer Solokampagne für Hardline arbeitet, wäre es auf dem Weg, "nur" eine sehr gute Multiplayer-Erweiterung zu werden.

Wir hoffen, dass die Entwickler mutig sind und sich an kleine Kartenlayouts sowie noch mehr individuelle Gadgets herantrauen. Optional sollte es außerdem möglich sein, alle Fahrzeuge in der Stadt zu nutzen. Sandbox-Elemente wie diese funktionieren auch im Mehrspielermodus von GTA 5 gut und könnten Hardline noch mehr Eigenständigkeit bringen.  (mw)


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