Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/neue-cpu-kuehler-noctua-entwickelt-pluesch-luefter-und-wuerfel-heatpipes-1406-106917.html    Veröffentlicht: 03.06.2014 16:49    Kurz-URL: https://glm.io/106917

Neue CPU-Kühler

Noctua entwickelt Plüsch-Lüfter und Würfel-Heatpipes

Der österreichische Kühlerhersteller Noctua hat's erfunden: Etwas Kunstfaser auf den Lüfterblättern sowie dem Innenrahmen verringert die Lautstärke um jeweils zwei dBA, und eckige statt runde Heatpipe-Enden beschleunigen den Wärmetransport deutlich.

Die größte Innovation von Noctua sind nicht die erstmals schwarzen statt fleischfarbenen Lüfter, sondern mit einer Art Kunststoff-Plüsch überzogene Rotorblätter und eckige Heatpipe-Enden für CPU-Kühler. In Kombination verringern diese auf den ersten Blick kurios anmutenden Ideen die Lautstärke und senken die Temperatur. Noch sind beide Ideen aber nicht marktreif - andere Entwicklungen wie ein kleiner Kühler mit versetzten Lüftern schon.

Seit Jahren wird an der idealen Lösung getüftelt, um Strömungsabrisse an den Lüfter-Rotorblättern, die die Kühlleistung schmälern und den Geräuschpegel erhöhen, weitgehend zu verhindern. Die Ideen reichten hier bisher von Dimpeln wie bei Golfbällen über ausgefeilte Stellwinkel bis hin zu Blattkanten in Schleiereulenfederform.

Plüsch statt Federn

Noctua experimentiert derzeit mit Bonsai-Dimpeln: Auf die Lüfterblätter oder den Innenrahmen ist eine dünne Stoffschicht aus Synthesefasern (Polyamid) aufgebracht, die den Strömungswiderstand durch winzige Verwirbelungen verringert und damit Strömungsabrisse minimiert. Noctua betont allerdings, dass die Technik nur dann funktioniert, wenn der Lüfter nicht auf einem Kühlkörper, sondern frei montiert ist - etwa in der Gehäusefront.

Da das sich plüschig anfühlende Material des Stoffschichtlüfters nicht nur Strömungsabrisse verringert, sondern auch Schall besser absorbieren soll als glatter Kunststoff, sinkt die Lautstärke eines sich langsam drehenden Lüfters laut Noctua um zwei dbA.

Das ist ein sehr guter Wert, den wir jedoch auf dem lauten Messegelände in Taipeh nicht nachprüfen konnten. Ein leiserer Lüfter bedeutet, dass er schneller rotieren kann und somit besser kühlt, ohne lauter zu sein als ein Modell ohne Stoffschicht. Wie der Lüfter klingt, wenn er verstaubt - was laut Noctua recht schnell geschieht - bleibt unklar.



Eckig statt rund und neue Prototypen

Noctua hat mit dem Doppelturmkühler NH-D15 selbst gezeigt, dass mittlerweile eine höhere Kühlleistung meist nur noch durch steigende Drehzahlen oder mehr Oberfläche möglich ist. Daher experimentieren die Österreicher mit quadratischen Heatpipe-Enden, die es den Herstellern ermöglichen, die Wärmerohre enger zusammenzupacken und so den Wärmetransport vom Prozessor zu den Lamellen zu beschleunigen.

Üblicherweise werden diese Heatpipes in U-Form mit der Bodenplatte des Kühlers verlötet, was mehrere Nachteile hat: Je dicker die Wärmerohre, desto weniger passen nebeneinander und je mehr in der Bodenplatte stecken, desto weniger Wärme transportieren die äußeren Pipes ab. Hintergrund sind die meist länglichen Prozessor-Dies, die trotz Metallkappe (Headspreader) nur einen Teil der Wärmerohre aufheizen.

Hintergrund Heatpipes

Wärmerohre - im Englischen Heatpipes - sind geschlossene, mit unter Vakuum eingefüllter Flüssigkeit versehene Röhrchen (dies verringert den Siedepunkt stark). Durch eine externe Hitzequelle verdampft das Kondensat (meist destilliertes Wasser) und steigt gasförmig auf, dadurch gibt es Wärme an die Lamellen des Kühlers ab und verflüssigt sich wieder.

Kapillaren wie Sinter aus kleinen Kupferkügelchen unterstützen den Rücktransport des Kondensats zum Ausgangspunkt, wo der Kreislauf von vorne beginnt. Heatpipes kühlen also nicht, sondern sind Wärmeüberträger.

Neue Kühler und Lüfter

Abseits der Plüsch-Lüfter und der quadratischen Heatpipes hat Noctua wie üblich auch Produkte gezeigt, die in den kommenden Monaten erhältlich sind: Eine asymmetrische Version des NH-D15 blockiert den ersten PCIe-Slot nicht und der L-Type mit einem 80-Millimeter-Lüfter ist der erste CPU-Kühler für den Sockel AM1 mit Kabini-SoCs.

Für flache HTPCs bietet der österreichische Hersteller künftig ein Modell mit zwei seitlich angebrachten 65-mm-Lüftern. Hinzu kommt die neue A-Serie, diese gibt es mit 80, 90 und 200 Millimetern Durchmesser.  (ms)


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