Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/healthkit-und-heimsteuerung-mit-ios-8-zieht-apple-in-den-haushalt-ein-1406-106887.html    Veröffentlicht: 02.06.2014 21:11    Kurz-URL: https://glm.io/106887

Healthkit und Heimsteuerung

Mit iOS 8 zieht Apple in den Haushalt ein

Apple hat auf dem Entwicklerevent WWDC 2014 mit iOS 8 die neue Version seines mobilen Betriebssystems vorgestellt, mit der die körperliche Fitness und die Heimsteuerung verwaltet werden können. Für Entwickler bringt iOS 8 interessante Neuerungen.

Apple hat mit iOS 8 die neue Version seines mobilen Betriebsystems vorgestellt, das eine Anbindung an Wearables, die Heimsteuerung und Verbesserungen bei der Zusammenarbeit mit der iCloud, eine neue Foto-App sowie Neuerungen für Unternehmenskunden bietet.

Die Notification-Center ist interaktiver geworden. Mit einer Geste kann zum Beispiel auf eine eingehende Nachricht oder ein Facebook-Posting gleich geantwortet werden, ohne dass die passende App erst umständlich geöffnet werden muss. Die Mail-App von Apple kann mit einer Geste zahlreiche Aktionen einleiten und zum Beispiel die Nachricht beantworten, löschen oder markieren. Der Zugriff auf bereits angefangene Texte ist außerdem deutlich einfacher geworden.

Suchen wird einfacher

Die neue Spotlightfunktion in iOS 8 greift unter anderem auf Wikipedia zu und liefert Suchergebnisse des Lexikons und anderer Websites, ohne dass deren Webseiten aufgerufen werden müssen.

Mit Quicktype verbessert Apple seine Texteingabe und blendet Vorschläge ein, was der Nutzer eventuell schreiben will. Die Vorhersagefunktion lernt vom Kommunikationsverhalten des Nutzers mit unterschiedlichen Kontakten und bietet passende Ausdrücke zum Anklicken an. Die eingetippten Texte verbleiben auf dem iPhone und iPad und werden nicht etwa zu Apple geschickt.

Mit Continuity können Inhalte von Apps zwischen iOS 8 und OS X 10.10 ausgetauscht werden. Damit lässt sich zum Beispiel die Arbeit an einem Text am Mac fortsetzen, der auf einem mobilen Gerät begonnen wurde.

Die Gruppennachrichten-Funktion wurde ebenfalls verbessert und erleichtert jetzt auch das Aussteigen aus solchen Chats. Nutzer können ihren Standort über einen festlegbaren Zeitraum mit anderen Nutzern teilen, um sich zum Beispiel mit ihnen treffen zu können.

Verbesserte Chat-App, Healthkit und neue Foto-App

Mit Tap-to-Talk können gesprochene Botschaften oder Videos über die Nachrichten-App verschickt werden. Das klappt fast wie ein Telefonanruf, in dem der Anwender einfach das Telefon ans Ohr nimmt und seine Nachricht einspricht. Wer will, kann alle mit einem Nutzer ausgetauschten Bilder, Audionachrichten oder Videos in einer Übersicht anzeigen lassen.

Die Online-Speicherlösung iCloud Drive wurde nicht nur in OS X 10.10, sondern auch in iOS 8 eingebaut. Damit lassen sich Dokumente zwischen iOS und OS X und mit Windows online austauschen.

Unternehmensnutzer werden von iOS 8 ebenfalls profitieren. S/Mime wird nun nicht mehr zwangsweise generell ein- oder ausgeschaltet, sondern kann pro E-Mail aktiviert werden. Die automatische Antwortfunktion für Exchange wird ebenfalls unterstützt, und wer iCloud als Unternehmenskunde nicht verwenden will, kann auch andere Anbieter nutzen. Welche das sind, verriet Apple noch nicht. Neben Apps können auf Firmengeräten auch iBooks und PDFs zentral verwaltet werden.

Gesund mit iOS 8

Mit Healthkit lassen sich Fitness- und Gesundheitsdaten von Wearables zentral in einer App verwalten und die eigene Fitness kontrollieren. Darauf beschränkt sich die App aber nicht. Die Daten können auf Wunsch auch an einen Arzt weitergeleitet werden, wenn zum Beispiel wichtige Parameter überschritten werden, die eine ärztliche Hilfe erfordern.

Die Familie nimmt unter iOS 8 eine besondere Stellung ein. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine geschlossene Benutzergruppe mit bis zu sechs Nutzern, die gekaufte Apps und Inhalte untereinander teilen dürfen. Kinder können ihre Eltern bei Bedarf auch um Erlaubnis fragen, Apps und Ähnliches zu kaufen. Family Sharing soll auch die Standorte der Geräte der Familienmitglieder ermitteln können.

Die Foto-App unter iOS wurde deutlich aufgewertet und schickt auf Wunsch alle Aufnahmen in die iCloud. Das gilt auch für Videos. Dazu hat Apple die Preise für iCloud gesenkt. 5 GByte sind frei, 20 GByte kosten im Monat rund 1 US-Dollar.

Die Fotofunktion in iOS 8 bietet eine neue Suche an, bei der nach Aufnahmestandorten, Zeitraum, Albennamen und Ähnlichem gesucht werden kann. Interessanter ist da schon die verbesserte Bildbearbeitung in der Foto-App. Damit lassen sich falsch belichtete oder farblich unstimmige Bilder verbessern, ohne dass der Nutzer sich mit zahlreichen Schiebereglern herumquälen muss. Der Nutzer beeinflusst mit einer Geste einfach die Stärke des Effekts, während sich die App im Hintergrund um die zahlreichen Parameter kümmert.

Heimautomatisierung, Programmiersprache

Apple hat auch schon für OS X 10.10 eine neue Photo-Anwendung angekündigt, die aber erst im kommenden Jahr erscheinen soll. Auch hier stehen die gleichen Bearbeitungsfunktionen wie unter iOS 8 und eine neue Suche zur Verfügung.



iOS 8 für Entwickler

Für iTunes bietet Apple jetzt eine Vorschaufunktion an, mit der Entwickler mit Videos in den Appstore einbauen können, um ihre Apps besser beschreiben zu können. Die Funktion Testfly ermöglicht es Entwicklern, Nutzer für kostenlose Betatests einzuladen. Das Software Development Kit (SDK) für iOS 8 ermöglicht es Programmierern, Dienste für Drittanwendungen anzubieten. So kann zum Beispiel die Teilen-Funktion von iOS 8 um weitere Apps erweitert werden.

Widgets können von Entwicklern als Mini-Apps im Benachrichtigungszentrum eingebaut werden. Die Erweiterbarkeit von iOS 8 erstreckt sich auch auf Tastaturen. So kann zum Beispiel eine Swype-ähnliche Softwaretastatur vom Nutzer heruntergeladen und installiert werden.

Apple hat die Fingerabdruckerkennung Touch ID mit dem Sensor des iPhone 5S erweitert. Jetzt können auch Drittanwendungen die Erkennung nutzen. Wer sich als Nutzer korrekt authentifiziert, kann zum Beispiel Logins mit einem Fingerabdruck durchführen.

Heimautomation wird zusammengefasst

iOS 8 fasst nicht nur Gesundheitsdaten, sondern auch die Heimautomation zusammen. So können Schlösser, Lichter, Überwachungskameras, Thermostate und Steckdosen geschaltet werden, wobei Apple wie jede bessere Heimautomatisierungslösung mit Homekit auch ganze Szenarien abbilden kann. So könnte mit der passenden Hardware das Licht gedimmt, der Fernseher eingeschaltet und die Stereoanlage eingeschaltet werden. Die Einstellungen können mit der der Sprachsteuerung Siri vorgenommen werden. Siri kann außerdem wie schon vermutet auch zu Song-Erkennung genutzt werden. Apple nutzt dabei die Kooperation mit Shazam.

Mit Metal hat Apple in iOS 8 ein neues Framework für 3D integriert, das eine deutlich bessere Leistung bieten soll, wenn der Prozessor A7 genutzt wird. Dazu zeigte Apple eine beeindruckende Demo, die schon fast an Desktop-Grafik erinnert.

Neue Programmiersprache Swift

Mit Swift hat Apple außerdem eine neue objektorientierte Programmiersprache für Anwendungen vorgestellt, die einfacher als Objective-C sein soll und nach Darstellung von Apple Buffer Overflows und Memory Leaks verhindern soll. Swift kann direkt aus XCode auf dem Mac heraus genutzt werden. Die Funktion Playground zeigt eine Echtzeit-Vorschau der geschriebenen Algorithmen an, was nicht nur auf Text-, sondern auch auf Grafikausgabe sinnvoll ist. So kann zum Beispiel bei der Spieleprogrammierung getestet werden, wie Kollisionen, Bewegungen und ähnliche Effekte aussehen. Die Vorschau kann auch gleich auf iOS angesehen werden. Eine Einführung zu Swift ist bereits auf iBooks erhältlich.

Entwicklern steht iOS 8 als Betaversion ab sofort zur Verfügung. Im Herbst 2014 soll es veröffentlicht werden und läuft auf Geräten ab dem iPhone 4S beziehungsweise dem iPad 2.  (ml)


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