Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/asus-chromebox-im-test-die-kleine-schwarze-google-kiste-1405-106818.html    Veröffentlicht: 30.05.2014 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/106818

Asus Chromebox im Test

Die kleine schwarze Google-Kiste

Nach Chromebooks kommt jetzt die Chromebox: Wir haben uns den kleinen NUC-ähnlichen Rechner von Asus genauer angeschaut. Uns hat interessiert, ob sich ChromeOS als Desktop und die Chromebox als Multimediagerät eignen.

Neben den Chromebooks werden inzwischen auch kleine Rechner mit Googles ChromeOS angeboten: die sogenannten Chromeboxes. Sie ähneln den NUCs von Intel. Wir haben uns die kleinste von insgesamt drei Varianten von Asus genauer angesehen. Vor allem waren wir gespannt, ob sich die kleine Kiste in Kombination mit dem Chromecast auch als Multimediabox eignet.

Die Chromebox mit der internen Bezeichnung M004U von Asus ist mit 126,5 x 123,7 x 41 mm kaum größer als zwei übereinandergestapelte Canasta-Kartenspiele. Das schlichte schwarze Gehäuse ist anders als bei den NUCs jedoch aus Kunststoff und nicht aus Metall. Es ist dennoch stabil, nur die Oberfläche lässt sich etwas eindrücken.

An einer Seite sind die zahlreichen Anschlüsse verbaut. Dort lassen sich bis zu zwei Bildschirme anstecken, es gibt dafür einen HDMI- und einen Displayport-Anschluss. Daneben befinden sich zwei der insgesamt vier USB-3.0-Anschlüsse. Die Chromebox kann über Gigabit-LAN mit dem Netzwerk verbunden werden, die Buchse befindet sich neben den USB-Steckern. Außerdem gibt es einen Stecker für Kopfhörer und einen Steckplatz für das mitgelieferte Netzteil. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die beiden weiteren USB-3.0-Stecker. Schließlich gibt es noch einen Steckplatz für MMC- beziehungsweise SD-Karten und einen Einschub für ein Kensington-Schloss.

Eng mit Google verdrahtet

In unserer Version der Chromebox läuft eine Celeron-CPU 2955U mit Haswell Architektur, die mit bis zu 1,4 GHz getaktet werden kann. Als GPU kommt eine Intel HD zum Einsatz. In der Grundausstattung sind 2 GByte Arbeitsspeicher beigelegt. Die beiden DIMM-Steckplätze sind aber zugänglich. So lässt sich der RAM auf 8 GByte selbst hochrüsten. WLAN beherrscht die Chromebox nach IEEE 802.11 a/b/g/n und sie funkt im Dualband-Modus. Außerdem ist sie für Bluetooth 4.0 gerüstet. Für persönliche Daten ist eine 16GB Sandisk U110 M.2 (SATA) SSD integriert.

Die Hardware sorgt für einen flotten Systemstart. Um die Chromebox in ihrem vollen Umfang zu nutzen, wird ein Konto bei Google benötigt, das auch über das Anmeldefenster eingerichtet werden kann. Alternativ steht ein Gastkonto bereit. Dessen Funktionalität ist allerdings mangels Zugriff auf die zahlreichen Google-Dienste eingeschränkt; letztendlich kann ein Gast nur surfen. Beispielsweise lässt sich in Gmail kein fremdes Konto hinzufügen, da der Anwender dafür zunächst ein eigenes Gmail-Konto besitzen muss. Das zeigt, wie eng verzahnt Chrome OS mit den Google-Diensten ist. Ohne sie lässt sich ChromeOS kaum sinnvoll nutzen.

Alles läuft im Browser

Wie bisher gibt es nur wenige Anwendungen für ChromeOS, die nicht im Chrome-Browser laufen, etwa den Dateimanager. Die Verwaltung lokal gespeicherter Dateien funktioniert weitgehend wie in anderen Betriebssystemen. Die Steuerung erfolgt aber fast ausschließlich über das Kontextmenü oder Tastatur-Shortcuts. In unserem Test haben wir beispielsweise die für ChromeOS bereitgestellte Dropbox-App installiert. Von dort konnten wir Dateien aber nicht per Drag-and-Drop aus dem Browser in den Dateimanager ziehen.

Die Auswahl an Applikationen für ChromeOS ist inzwischen recht üppig. Diese laufen ausschließlich als Webapps. Das ist für Nutzer anderer Betriebssysteme gewöhnungsbedürftig, denn die Apps werden stets in einem neuen Tab im Browser geöffnet. Über das Kontextmenü des Chrome-Symbols in der Taskleiste lassen sich immerhin neue Fenster des Browsers öffnen, die auch entsprechend verkleinert und gegeneinander verschoben werden können.

Lauter Lüfter

Uns ist aufgefallen, dass der Lüfter mit der Zeit immer lauter wurde. Er war anfangs nicht zu hören, mit zunehmender Betriebsdauer, vor allem beim Abspielen von Multimediainhalten und bei vielen geöffneten Tabs, wird er aber immer hörbarer. Zwar wird nach einiger Zeit der Bildschirm abgedunkelt und dann ausgeschaltet, Einstellungen zu Stromsparfunktionen haben wir in den Optionen aber nicht gefunden. Nach etwa einer halben Stunde wird die Chromebox automatisch in den Standby-Modus versetzt.

In den Einstellungen lassen sich die Bildschirmauflösung und die Ausrichtung anpassen sowie die Verwendung eines zweiten Monitors konfigurieren. Selbstverständlich können in den Einstellungen aber Netzwerkverbindungen sowie Maus und Tastatur konfiguriert werden. Zwar kann ChromeOS auch mit herkömmlichen Tastaturen gesteuert werden, inzwischen gibt es dafür aber angepasste Keyboards mit Spezialtasten.

Chromecast-Anbindung fast nur für Google Play

In Kombination mit Googles Multimediastick Chromecast lässt sich die Chromebox weitgehend problemlos nutzen. Die Konfiguration von Chromecast kann über den kleinen Rechner mit Hilfe der Erweiterung Google Cast konfiguriert werden. Beide Geräte müssen sich aber im selben WLAN-Netz befinden. Einen Zugriff von einer über LAN verbundenen Chromebox mit dem Chromecast-Stick gelang uns nicht, obwohl beide Geräte sich im gleichen Subnetz befanden.

Über ein Symbol im Chrome-Browser oben rechts lassen sich aktive Webseiten auf den Chromecast übertragen, etwa Youtube-Videos sowie bei Google Play erworbene Musik und Filme. Lokal gespeicherte Multimediainhalte mussten wir hingegen explizit im Browser öffnen, um sie dann auf den Chromecast zu übertragen. Dem in ChromeOS integrierten Multimediaplayer fehlt bislang die Option, Inhalte auf Googles Multimedia-Stick zu übertragen.

Schließlich versuchten wir, die Chromebox für einen entfernten Zugriff einzurichten, damit wir auf den angeschlossenen Bildschirm verzichten und den kleinen Rechner ausschließlich als Multimediabox nutzen konnten. Zwar gelang es uns, einen entfernten Windows-Rechner von der Chromebox aus zu steuern, umgekehrt funktioniert das aber noch nicht. Das Plugin Chrome Remote Access tröstete uns mit dem Hinweis, dass diese Funktion noch nicht für ChromeOS verfügbar sei.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Chromebox von Asus gibt es in drei Varianten. Außer der von uns getesteten Version mit dem Celeron 2955U (Chromebox-M004U) für 180 US-Dollar sollen noch eine Variante mit Intels Core i3-4010U (Chromebox-M025U) und Intels Core i7-4600U (Chromebox-M020U) mit jeweils 2 oder 4 GByte RAM zur Verfügung stehen. Die beiden kräftigeren Versionen bringen auch Intels HD-4400-GPU mit. Die Chromebox mit dem Core-i3-Prozessor kostet 370 US-Dollar. Dort liegen noch eine drahtlose Tastatur und eine Maus bei. Einen Preis für die Variante mit Intels Core-i7 nennt Asus noch nicht. Bislang ist die kleinste Chromebox M004U beispielsweise über den Onlinehändler Ebay aus den USA erhältlich. Sie kostet dort etwa 140 Euro. Es kommen aber noch Versandkosten von etwa 50 Euro hinzu. Bei anderen Online-Händlern sind die kleinen Rechner ebenfalls bereits im Angebot. Wann die Chromebox offiziell auch in Deutschland erhältlich sein wird, sagte Asus noch nicht.

Fazit

Auch in der kleinsten Variante ist die Chromebox von Asus ein kräftiger kleiner Rechner, der sich sogar als Multimediakiste gut nutzen lässt. Schade, dass ChromeOS sich einfach noch nicht dafür eignet. Vor allem die fehlende Unterstützung für die entfernte Steuerung des Rechners erfordert, dass die Chromebox stets an einen Monitor angeschlossen bleibt, so dass sie nicht einfach neben dem Fernseher abgestellt werden kann.

Für die neuen Chromebox-Rechner müssen die ChromeOS-Entwickler bei Google deutlich nachbessern, vor allem bei der Nutzung lokaler Inhalte. In Kombination mit dem Chromecast wäre die Chromebox dann eine ideale Ergänzung, um den Minirechner als Multimediabox zu nutzen. Gegenwärtig ist die Handhabung einfach nur fummelig. Denn Googles Betriebssystem ist bisher für die portablen Chromebooks angepasst. Die Chromebox wird hingegen zu Hause verwendet.

Die Verzahnung von ChromeOS mit dem weitreichenden Google-Angebot ist vorbildlich: E-Mail, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und selbst für die Bildbearbeitung stellt Google Webapps bereit. Daten können in Googles Cloud-Speicher abgelegt werden, Anwender haben von überall Zugriff darauf, über Chrome auch von anderen Betriebssystemen aus. Als kleiner Heimrechner ist die Chromebox daher recht gut geeignet, wenn der Nutzer fast ausschließlich mit Google arbeitet. Die Installation weiterer Anwendungen, wie sie Anwender anderer Betriebssysteme gewohnt sind, funktioniert in ChromeOS aber nicht.

Zwar kann das Bios der Chromebox in den Entwicklermodus versetzt und so für die Installation alternativer Betriebssysteme freigeschaltet werden. Es erfordert allerdings etwas mehr Handarbeit als die Installation auf einem herkömmlichen Desktoprechner.

Asus hat mit der Chromebox dennoch einen ordentlichen und leistungsfähigen kleinen Rechner zusammengestellt. Er ist gut verarbeitet und mit genügend aktueller Hardware ausgestattet.  (jt)


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