Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lg-g3-im-hands-on-scharfes-display-und-eingebauter-laser-1405-106773.html    Veröffentlicht: 28.05.2014 07:34    Kurz-URL: https://glm.io/106773

Hands on LG G3

Scharfes Display und eingebauter Laser

Mit dem G3 hat auch LG sein neues Oberklassesmartphone vorgestellt. Die Basishardware ähnelt der Konkurrenz, das G3 hat jedoch auch einige Alleinstellungsmerkmale: neben dem schnellen Infrarot-Fokus vor allem das 1440p-Display.

LG hat mit seinem neuen Smartphone G3 konsequent die im vergangenen Jahr mit dem G2 begonnene Linie fortgeführt. Neben der verbesserten Hardware hat LG beim G3 aber auch einige Details am Gehäuse geändert. Zudem gibt es bei der Software neue Funktionen, einige bisherige Funktionen sind hingegen nicht mehr vorhanden.

LG ist der erste der größeren Hersteller, der ein hochauflösendes 1440p-Display verbaut. Dieses zeigt Bildschirminhalte absolut scharf an, selbst bei sehr feinen Details sind einzelne Pixel mit bloßem Auge nicht auszumachen. Im direkten Vergleich ist der Unterschied auch zu einem guten 1080p-Bildschirm zu erkennen: Dank der höheren Pixeldichte wirkt das 5,5-Zoll-Display des G3 noch eine Spur feiner als beispielsweise das des Oneplus One.

Die Farben des G3-Displays sind kraftvoll, aber natürlich und nicht übertrieben. Dank einer automatischen Optimierung des Stromverbrauchs soll der Akku des G3 trotz des 1440p-Displays um bis zu 20 Prozent länger halten als bei Konkurrenzgeräten. Einen Ultra-Stromsparmodus wie das Galaxy S5 oder das HTC One (M8) hat das G3 nicht, lediglich einen normalen Stromsparmodus.

Gehäuse aus Kunststoff

Das Gehäuse ist aus Kunststoff, der Rückdeckel ist abnehmbar. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist dieser nicht aus Metall, einige Farbvarianten glänzen aber metallisch. Auch beim G3 hat LG den Einschaltknopf auf der Rückseite eingebaut, er steht aber weniger auffällig aus dem Gehäuse hervor als beim G2 und ist jetzt rund. Dies sieht deutlich edler aus.

Neben dem Standarddeckel bietet LG mit dem Quick-Circle-Cover ein Klapp-Cover an, das in einem runden Fenster auf der Vorderseite Informationen anbietet und Interaktionen ermöglicht. Tippt der Nutzer zweimal in das Fenster, erscheint zunächst eine Uhr; das Design des Ziffernblattes ist wählbar. Wird die Uhr weggewischt, erscheinen mehrere Icons - neben der vorinstallierten Fitness-Software ist unter anderem auch ein direkter Zugriff auf die Kamera möglich. Diese wird direkt in dem kleinen runden Fenster gestartet, der Nutzer kann Fotos machen, ohne das Cover aufzuklappen. Das funktioniert zuverlässig und ist praktisch. Allerdings müssen die einzelnen Icons etwas länger gedrückt werden, was den durch das fehlende Aufklappen entstehenden Zeitvorteil etwas vermindert.

Schneller Autofokus dank Infrarot

Die Hauptkamera des G3 hat eine Auflösung von 13 Megapixeln. Mit einem verbesserten Bildstabilisator und einem lichtempfindlichen Sensor sollen auch in dunkleren Umgebungen gute Fotos entstehen. Tatsächlich sehen die im nur mäßig beleuchteten Präsentationsbereich gemachten Fotos zumindest auf dem Display des G3 gut aus, auch wenn feine Details etwas zu verschwommen scheinen. Ein abschließendes Urteil kann aber erst ein ausführlicherer Test bringen.

Neben der Kamera ist auf der Rückseite des G3 ein Infrarot-Sender eingebaut, der mit Hilfe von gesammelten Tiefeninformationen einen schnellen Autofokus ermöglichen soll - von LG als "Laser" bezeichnet. Dadurch sollen Fotos schneller scharf gestellt werden - laut LG in 0,3 Sekunden. In der Praxis fokussiert das G3 tatsächlich sehr schnell: Selbst wenn wir unsere Hand vor die Kamera halten und wieder wegnehmen, findet das Smartphone den neuen Fokus in Sekundenbruchteilen. Dank der lichtunabhängigen Infrarottechnologie klappt das auch bei schlechter Beleuchtung gut.

Spartanische Kamera-App

Die Kamera-App des G3 ist übersichtlich und bietet die nötigsten Funktionen - mehr aber auch nicht. Anders als bei den Top-Geräten von Samsung findet der Nutzer beim G3 keine Vielzahl an Motivprogrammen, neben dem Automatik-Modus stehen ein HDR- und ein Panorama-Modus zur Verfügung. Zudem kann der Nutzer Bilder machen, bei denen im Nachhinein der Fokus verändert wird. Dies wird wie bei zahlreichen Apps durch mehrere Einzelaufnahmen mit verschiedenen Fokuspunkten realisiert.

Die Frontkamera des G3 hat 2,1 Megapixel und bietet nützliche Extrafunktionen für Selbstpotraits. So kann das Sucherbild verkleinert und ein weißer Rahmen eingeblendet werden, der als Aufhelllicht arbeitet. Dabei ist der Farbton eher ein rötliches Weiß - was in unseren Versuchen zu deutlich natürlicher aussehenden Bildern führt als beim Huawei Ascend P7, das eine vergleichbare Funktion mit einem reinweißen Display bietet.

Praktisch ist auch die Möglichkeit, die Frontkamera nicht nur durch einen Sprachbefehl, sondern auch mit einer Geste auslösen. Dafür hält der Nutzer seine Hand in das Bild und wartet, bis die Kamera sie erkennt. Ballt er dann die Hand zur Faust, wird ein dreisekündiger Countdown gestartet und das Bild aufgenommen. Gerade wenn das Smartphone weit vom Körper entfernt gehalten wird, ist diese Funktion nützlich. Der Nutzer muss so nicht mehr mit der das Smartphone haltenden Hand auf den Auslöser drücken.

Android 4.4.2 mit überarbeiteter LG-Oberfläche

Das G3 wird mit Android in der Version 4.4.2 alias Kitkat ausgeliefert, worauf LG seine überarbeitete Benutzeroberfläche installiert. Deren Design wurde nochmals vereinfacht: Anstelle der sehr bunten Icons des G2 wirken die Piktogramme jetzt simpler und unauffälliger. Bereits beim G Flex hatte LG das Design der Oberfläche etwas weniger bunt gestaltet. Mit an Bord sind wieder die Qslide genannten Mini-Apps, die der Nutzer parallel zur aktuell genutzten Anwendung verwenden kann. Mit dem Dual-Window-Modus kann der Nutzer zudem zwei beliebige Apps gleichzeitig nutzen.

Nicht mehr eingebaut ist die Möglichkeit, Apps mit einer dreifingerigen Wischgeste in einer Art Zwischenspeicher abzulegen, um sie später einfach wieder aufzurufen. Dies ist jedoch nicht weiter dramatisch: Im Test des G Pad 8.3 fanden wir die Funktion nicht hilfreich, da die Apps nicht pausiert wurden.

Tastatur mit praktischen Extras

Die Bildschirmtastatur hat LG deutlich verbessert. So können jetzt Wortvorschläge durch Wischgesten der Daumen nach oben ausgewählt werden - der linke Daumen wählt den ersten Vorschlag, der rechte Daumen den zweiten Vorschlag aus. Um den Cursor innerhalb eines Textes zu bewegen - beispielsweise um einen Tippfehler zu korrigieren - muss der Nutzer beim G3 nicht mehr mit dem Daumen im Text herumklicken. Eine Wischgeste auf der Leertaste bewegt den Cursor im zuletzt geschriebenen Satz. Das funktioniert in der Praxis sehr gut und ist hilfreich.

Mit Smart Notice hat LG einen eigenen persönlichen Assistenten eingebaut. Dieser kann beispielsweise den Nutzer an Rückrufe erinnern, wenn vorher ein Anruf abgewiesen und per SMS ein Rückruf versprochen wurde. Zudem weist der Assistent auf Speicher- und Akkuoptimierungen hin und bietet Wetter- und andere lokale Informationen an.

Eingebauter Kill Switch macht gestohlenes G3 unbrauchbar

Smart Security bietet dem Nutzer Schutz im Falle eines Diebstahls oder anderweitigem Verlust seines G3. Neben der bereits bekannten Bildschirmentsperrung Knock Code verfügt das G3 auch über einen sogenannten Kill Switch: Damit kann der Nutzer das Gerät aus der Ferne löschen und dauerhaft unbrauchbar machen. Auf diese Weise sind Daten und Zugänge zu Onlineshops vor Missbrauch geschützt. Mit Content Lock werden gesperrte Fotos, Videos und andere Daten verschlüsselt und dauerhaft versteckt. Wie gut das funktioniert, konnten wir vor Ort nicht ausprobieren.

Das G3 läuft in der Benutzung absolut flüssig, die Menüs lassen sich ohne erkennbare Ruckler durchblättern - LGs Benutzeroberfläche scheint das System nicht auszubremsen. Auch bei mehreren geöffneten Apps kommt das Smartphone nicht ins Stocken: Mit 2 beziehungsweise 3 GByte Arbeitsspeicher beim 32-GByte-Modell sind ausreichend Leistungsreserven vorhanden. In den Benchmarktests dürfte das G3 dank des Snapdragon-801-Prozessors ähnlich gut abschneiden wie die Konkurrenzgeräte von HTC, Oneplus, Samsung und Sony.

Fazit

Mit dem G3 ist LG ein gut aussehendes, leistungsfähiges und mit interessanten Zusatzfunktionen ausgestattetes Smartphone gelungen. Im ersten Hands On konnten wir keine wirklichen Schwachstellen bei dem Gerät feststellen - im Gegenteil: Der schnelle Autofokus, die Sicherheitsfunktionen und der hervorragende Bildschirm platzieren das G3 als starke Konkurrenz zu den anderen aktuellen Top-Smartphones.

Beim Design ist sich LG treu geblieben - der Einschaltknopf auf der Rückseite bleibt Geschmackssache. Insgesamt wirkt das Design des Smartphones aber schlüssig und edel. Auch die Verbesserungen der Benutzeroberfläche gefallen uns: Weniger nützliche Funktionen sind weggefallen, dafür sind neue wie die Sicherheitsoptionen und die gute Tastatur hinzugekommen. Dass LG seine Oberfläche weiter vereinfacht und weniger bunt gestaltet hat, finden wir ebenfalls gut.

Bei einem Preis von 550 Euro für die 16-GByte-Version kommt das LG G3 zu einem etwas günstigeren Listenpreis in den Handel als die Geräte der Konkurrenz. In der Reihe der aktuellen Topgeräte sehen wir das G3 nach dem ersten Anfassen weit vorne.  (tk)


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