Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/steam-in-home-streaming-remote-gaming-im-wohnzimmer-fuer-fortgeschrittene-1405-106706.html    Veröffentlicht: 26.05.2014 09:50    Kurz-URL: https://glm.io/106706

Steam In-Home Streaming im Test

Remote-Gaming im Wohnzimmer für Fortgeschrittene

Egal ob Macbook, HTPC am Fernseher oder Windows-Tablet: Valves In-Home Streaming überträgt Spiele von einem Gaming-PC per Netzwerk an ein zweites Endgerät. Uns hat die Streaming-Technik überzeugt, noch stören aber einige Probleme.

Seit dem 22. Mai 2014 ist Valves In-Home Streaming nicht mehr nur für ausgewählte Beta-Teilnehmer, sondern für alle Steam-Nutzer verfügbar. Die Streaming-Technik überträgt Bild und Ton eines Spiels von einem als Host dienenden Gaming-PC an ein weiteres Gerät im selben Netzwerk.

Valve sieht einen flotten Spielerechner im Arbeitszimmer vor, der einen Spiele-Stream an einen HTPC oder ein Notebook mit angeschlossenem Fernseher im Wohnzimmer schickt, wo per Gamepad gespielt wird. Das Beste: Das Spiel muss nicht von Steam sein und auf dem Endgerät kann nahezu jedes Betriebssystem laufen.

Host und Client werden eins

Die Voraussetzungen für In-Home Streaming und seine Einrichtung sind theoretisch simpel, jedoch müssen viele Details beachtet werden: Die ideale Basis bildet ein sehr schneller Spielerechner mit gestartetem Steam im Online- oder Offlinemodus. Als ausführendes Betriebssystem muss Vista oder eine neuere Windows-Version installiert sein.

Windows XP, Mac OSX sowie alle Linux-Distributionen einschließlich Valves SteamOS werden als Host (noch) nicht unterstützt. Der Computer muss zudem per Kabel oder drahtlos mit einem lokalen Netzwerk verbunden sein, über das er die Bild- und Toninformationen per H.264- und Ogg-Vorbis-Codec überträgt. Auch Informationen wie ein On-Screen-Display oder eine Fps-Anzeige werden mitgeschickt.

In dasselbe Netzwerk wird nun ein zweites Gerät eingeklinkt, das als Client dient und den Stream in Empfang nimmt. Neben Windows XP oder neueren Windows-Versionen werden Mac OSX und Linux inklusive SteamOS unterstützt, sprich: Das Betriebssystem muss kompatibel zum Steam-Client sein. Prinzipiell ist zudem jeder Computer, jedes Notebook oder jedes Tablet mit einem passenden OS als Client für In-Home Streaming geeignet.

Da die Bildinformationen per H.264-Codec übertragen werden, sollte jedoch eine Grafikkarte oder -einheit mit entsprechender Dekodierfunktion vorhanden sein. In-Home Streaming nutzt laut den Beta-Updates die Hardware-Einheiten von AMD (VCE, Video Codec Engine), Intel (Quicksync) und Nvidia (NVENC, Nvidia Encoder).

Die Steuerung des gestreamten Spiels erfolgt parallel mit den Eingabegeräten am Host oder am Client: Das bedeutet, wenn am Client ein Gamepad angeschlossen ist, kann zugleich jemand anderes am Host per Maus und Tastatur das Spiel bedienen. Das ist teilweise sogar notwendig.

1080p mit 60 fps in Stereo

Sind die Grundvoraussetzungen erfüllt, geht es los: Steam erkennt automatisch, dass derselbe Account an zwei Systemen parallel eingeloggt ist, und Spiele werden per In-Home Streaming auf dem Client-PC gestartet. Ein Blick in die Optionen schadet jedoch nicht, da sich hier wichtige Einstellungsmöglichkeiten verbergen und die Geräte aufgelistet werden, die mit dem Host verbunden sind.

Wichtig: Dies können durchaus mehrere Geräte sein, jedoch immer nur ein Client darf ein Spiel per Stream empfangen. Dafür kann der Client spontan und nahezu ohne Verzögerung gewechselt werden. Ist ein Titel auf dem Host wie dem Client installiert, so startet das Spiel entweder lokal auf dem Client oder es wird gestreamt.

Es gibt in der Listen- und Rasteransicht von Steam keine Option, dies zu ändern, was wir ärgerlich finden. Nur in der Detailansicht und im Big-Picture-Modus ist per Tastendruck auswählbar, ob gestreamt oder lokal gestartet werden soll.

Im Big-Picture-Modus zeigt Steam zudem, ob ein Spiel per Gamepad gesteuert werden kann - Maus und Tastatur sind im Wohnzimmer nicht sonderlich populär. Ist ein Spiel nicht auf dem Host installiert, so wird es per Klick heruntergeladen. Die häufig vor dem ersten Spielstart laufenden Installationen wie DirectX starten im Hintergrund auf dem Host, auf dem Client erscheint die Einblendung "Der Streaming-Server führt die Ersteinrichtung durch".

Bis zu 1080p mit 60 fps fürs Wohnzimmer

In den erweiterten Host-Optionen ist die Hardware-Encodierung per Standard eingeschaltet, die Priorisierung des Netzwerkverkehrs hingegen ist deaktiviert - wir raten dazu, sie zu nutzen. Die erweiterten Client-Optionen sind auf Automatik gestellt, Hardware-Encodierung inklusive. Neben einer Begrenzung der Bandbreite kann die Auflösung des empfangenen Streams auf 1080p, 720p oder 480p limitiert werden.

Mit welcher Auflösung der Host rechnet, hat spürbare Auswirkungen: 2.560 x 1.440 Pixel mit Supersampling-Kantenglättung fordern das Netzwerk deutlich mehr als 1.920 x 1.080 mit FXAA, wir raten daher zu Letzterem für eine schnellere Übertragung der Daten. In-Home Streaming sendet bis zu 60 Bilder pro Sekunde, das geht allerdings zulasten der Bandbreite.

Gerade wenn auf einen HTPC oder ein Notebook gestreamt wird, das im Wohnzimmer an einen Fernseher angeschlossen ist, und das Spiel per Gamepad gesteuert wird, empfehlen wir eine Bildrate von 30 fps beziehungsweise 30 Hz. Einige Titel wie Borderlands 2 bieten entsprechende Optionen im Menü an, alternativ ist eine solche Bildratenbegrenzung im Treiber (Nvidia) oder mit Tools wie dem MSI Afterburner einstellbar.

Das Audiosignal wird nur stereo übertragen, wer also auf Mehrkanalsound im Wohnzimmer hofft, muss derzeit darauf verzichten. Ebenfalls noch nicht möglich ist das Streaming von Mikrofonton am Client, Gespräche während des Spielens klappen also nicht (Skype vom Client bietet sich als Workaround an).

Etwas holprig in der Praxis

Die Spielerfahrung von In-Home Streaming ist in der Praxis stark von den Hardware-Eigenschaften des Hosts, des Clients, dem Netzwerk und dem gespielten Titel abhängig. Am besten hat bei uns die Kombination aus einem High-End-PC mit einer Radeon R9 290X und einem Core i7-3770K mit Windows 8.1 und einem Ultrabook mit Ivy-Bridge-Technik funktioniert, die per Gigabit-Ethernet verbunden waren.

Die Streaming-Latenz betrug laut dem per F6-Taste aufrufbaren Performance-Overlay weniger als ein oder zwei Millisekunden. Mit einem Gamepad sind so eher gemächliche Titel wie Lego Der Hobbit in 1080p gut spielbar. Schnelle Shooter wie Wolfenstein The New Order steuern sich etwas schwammig, aber immer noch so, dass Spaß aufkommt - wir haben testweise einen Level ins Wohnzimmer gestreamt.

Mit n-WLAN im 2,4 GHz wurde es hakeliger: Die Latenz und die (eher geringen) Kompressionsartefakte erhöhten sich leicht, da die Bitrate sank. Sowohl Lego Der Hobbit als auch Wolfenstein The New Order waren allerdings immer noch passabel spielbar. Um die Latenz zu verbessern, haben wir die Client-Stream-Auflösung bei Lego Der Hobbit von 1080p auf 720p reduziert. Hier wird die Bildqualität sichtlich schlechter (Stichwort Aliasing), die Eingabeverzögerung aber verringert sich deutlich.

Nervig: Hin und wieder erkennt Steam zwar, dass der Account auf zwei Systemen parallel eingeloggt ist, eine Verbindung für In-Home Streaming stellt Steam aber nicht her. Hier hilft oft nur ein Neustart des Client-Programms.

5 GHz und Tablet

Gerade in Mehrfamiliengebäuden oder Büros, in denen das 2,4-GHz-Frequenzband stark genutzt wird, raten wir dazu, auf 5 GHz zu wechseln - sofern dies der Router und der Client unterstützen. Wird das Netzwerk jedoch auch hier stark beansprucht (etwa, weil ein großer Download läuft), so kommt wenig Spaß beim Spielen auf.

Zusätzlich haben wir In-Home Streaming auch mit dem Windows-Tablet Toshiba Encore ausprobiert: Per USB-OTG-Adapter haben wir ein Gamepad angeschlossen und per Micro-HMDI-Adapter unseren Fernseher. Borderlands 2 läuft in 720p mit 30 fps einwandfrei, in 1080p mit 60 fps ist der Bay-Trail-Prozessor aber stellenweise überfordert und die Meldung "Slow decoding" erscheint.

Auch der Host-Computer darf nicht zu schwach sein: Bei einem Testlauf erwiesen sich ein Phenom II X4 940 und eine Radeon HD 5850 - vor drei Jahren noch ein ziemliches flottes System - als unbrauchbar. Steam blendete ständig "Slow encoding" ein, Hintergrund dürfte die fehlende Video Codec Engine mit H.264-Unterstützung sein.

Spieleunterstützung: mal hui, mal pfui

Theoretisch sollte sich jedes Spiel per In-Home Streaming auf einen Client übertragen lassen. Bei den meisten Steam-eigenen Titeln klappte das auch problemlos. Bei Spielen, die mit einem Launcher versehen sind (etwa Borderlands 2 und Skyrim), werden diese auf Vollbild hochskaliert. Das sieht zwar hässlich aus, ist aber gut bedienbar.

Im Test klappten unter anderem Borderlands 2, Call of Juarez Gunslinger, Dead Space, Dishonored, The Elder Scrolls Skyrim, Lego Der Hobbit, Mirror's Edge, Next Car Game, Project Cars, Tomb Raider und Wolfenstein. Call of Duty Ghosts startet zwar, überträgt aber nur Ton und kein Bild - schade.

Im Idealfall sollte das zu streamende Spiel auf dem Host bereits einmal gestartet worden sein, da es sonst bei der Ersteinrichtung zu Problemen kommen kann: Für Hawken etwa muss das Epic Redist Package installiert werden, das klappt aber nur am Host selbst und nicht am Client.

Ebenfalls problematisch sind Spiele, die weitere Accounts benötigen, beispielsweise Trials Fusion. Der Titel benötigt Uplay, nur wenn hier Auto-Login aktiviert ist, klappt das Streaming.

Steam-externe Titel und Fazit

Offiziell unterstützt In-Home Streaming nur Steam-Spiele. Da aber auch Steam-fremde Spiele per Klick der Bibliothek hinzugefügt werden können, bot es sich an, das auszuprobieren. Bei alten Titeln, die per CD oder DVD installiert werden, klappt In-Home Streaming: Sowohl Halo als auch Starship Troopers starten problemlos im korrekt gestreamten 4:3-Format (1.600 x 1.200 Pixel), sofern die Disc eingelegt ist.

Deutlich problematischer sind aktuelle Titel, die meist einen Launcher mitbringen: Da bei Battlefield 4 der Multiplayer nur über den Web-Server-Browser erreichbar ist, haben wir Origin in den Offlinemodus versetzt. So startet Battlefield 4 direkt in die Einzelspielerkampagne; streamen lässt sich der Shooter aber mittlerweile nicht mehr, mit einer früheren Version klappte es noch.

Bei Star Citizen und Diablo 3 hilft ein kleiner Trick: Statt des Launchers wird die eigentliche Ausführungsdatei mit der Steam-Bibliothek verknüpft. Damit das Weltraumspiel gestreamt wird, muss es auf dem Host im Fenstermodus laufen, der per Grafikmenü erreichbar ist - auch per Gamepad.

Diablo 3 startet auch bei direkter Verknüpfung der Ausführungsdatei den Battle.net-Launcher, Abhilfe schafft die Erweiterung des Ziels in den Eigenschaften (siehe Screenshot in der Galerie). Ohne Zusatzprogramme ist die PC-Version von Diablo 3 aber leider nicht mit Gamepad, sondern nur mit Maus und Tastatur steuerbar.

Detail am Rande: Wird beispielsweise der Borderlands-2-Launcher minimiert, ist der Host-Desktop per Remote fernsteuerbar, offiziell vorgesehen und unterstützt wird das von In-Home Streaming aber nicht.

Fazit

Das Steam In-Home Streaming ist eine interessante Möglichkeit, Spiele von einem Windows-PC an ein nahezu beliebiges Endgerät mit Steam-Client zu schicken, und funktioniert prinzipiell gut. Egal, ob der Spielerechner den Stream an ein Macbook, eine Steambox, einen Linux-HTPC oder ein Windows-Tablet überträgt - es klappt meistens.

Die Bildqualität und die Latenz sind stark vom eingesetzten Kabel- oder Drahtlosnetzwerk abhängig. Selbst mit einem 2,4-GHz-n-WLAN war beides bei uns im Test zwar nicht so schlecht, als dass es den Spaß beim Spielen nennenswert beeinträchtigt hätte, je nach Netzwerk oder Frequenzband kann die Spielerfahrung aber deutlich leiden. Wichtig sind zudem ein möglichst schneller Host und ein Client mit H.264-Hardware-Decoder.

Neben Steam-eigenen Spielen sind auch externe Titel per In-Home Streaming übertragbar, in diesem Fall ist die Einrichtung aber noch holpriger. Das Performance-Overlay spricht passend dazu auch von einer "Streaming Beta" statt von einer finalen Softwarelösung.  (ms)


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