Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-tropico-5-diktator-im-wandel-der-epochen-1405-106700.html    Veröffentlicht: 23.05.2014 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/106700

Test Tropico 5

Diktator im Wandel der Epochen

Wahlen fälschen, Volk bei Laune halten, eigene Macht ausbauen: Auch in Tropico 5 erlebt der Spieler den typischen Tagesablauf eines Diktators. Zahlreiche Neuerungen wie mehrere Epochen und ein Multiplayermodus gestalten das Leben als Alleinherrscher diesmal abwechslungsreicher.

Erfahrene Tropico-Spieler können sich gleich auf das freie Spiel stürzen - und werden feststellen, dass es zahlreiche Parallelen zum Vorgänger gibt. Die ersten Gebäude auf der Insel errichten, Straßen bauen, den Rohstofffluss in Gang bringen, nach und nach für Entertainment und wirtschaftlichen Aufschwung sorgen und so das eigene Land zu einem Erfolgsmodell machen: so weit, so bekannt.

Einsteiger hingegen sollten mit der in mehrere Missionen aufgeteilten Kampagne beginnen. Die führt nach und nach in die spielerischen Möglichkeiten ein, spielt sich durch ständige Events und neue Benachrichtigungen deutlich abwechslungsreicher als frühere Tropico-Teile und hält zudem einige Überraschungen bei der Handlung und Zwischensequenzen bereit.

Am auffälligsten ist dabei die zeitliche Komponente: Es geht darum, den eigenen Staat von der Kolonialzeit durch die Weltkriege und den Kalten Krieg bis in die Moderne zu führen. Wer will, baut so eine eigene Dynastie auf und setzt Familienmitglieder und Nachfahren auf Schlüsselpositionen. Um voranzukommen, muss der Spieler, zum Beispiel durch den Bau von Bibliotheken, kontinuierlich forschen - mehr oder weniger hilfreiche Erfindungen und neu freigeschaltete Gebäudetypen sind die sichtbarsten Fortschritte. Gebäude lassen sich mit der Zeit verbessern, indem etwa Fabriken mit effizienteren Produktionsmethoden ausgestattet und Manager für deren Organisation bestimmt werden.

Auch die Weltpolitik spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle: Wer seine Unabhängigkeit erklärt und sich somit von der Krone lossagt oder später im Zweiten Weltkrieg eine der Großmächte herausfordert, darf sich nicht wundern, wenn plötzlich Soldaten am sonnigen Strand aufmarschieren und es zum Gefecht kommt. Da machen sich dann umfangreiche Investitionen in Militäranlagen bezahlt.

Die militärische Komponente von Tropico 5 ist allerdings sehr überschaubar. Zwar dürfen Spieler eigene Truppen ins Gefecht schicken und ihnen ein paar Befehle mit auf den Weg geben. Die Kämpfer handeln aber weitgehend autonom, Gefechte laufen über weite Strecken automatisch ab, auch wenn die Wegfindung häufig zu wünschen übrig lässt. Dafür können die Truppen losgeschickt werden, um neue Inselteile zu erkunden - hilfreich, um etwa neue Mienen für Bodenschätze ausfindig zu machen.

Kopierschutz und Fazit

Etwas umfangreicher ist da schon der Wirtschaftsteil ausgefallen. Ressourcen wie Eisen und Kohle wollen gefördert und weiterverarbeitet, die eigene Flotte muss immer stärker ausgebaut werden. Parallel gilt es, Handelsrouten aufzusetzen und über bestimmte Zeiträume gebundene Verträge auszuhandeln, um so Geld in die Staatskasse zu spülen. Wer will, lässt sein Volk am Wohlstand teilhaben und vergibt kostenlose Mahlzeiten oder zeigt sich bei den Steuern gnädig. Ob es eine gute Idee ist, das Wahlrecht offen zu gestalten, will wohl überlegt sein.

Natürlich setzt auch Tropico 5 wieder auf Humor. Wenn per Mausklick Verfassungen geändert werden können oder Einfluss auf die Gesundheitsversorgung genommen werden kann, ist das immer mit einem Augenzwinkern inszeniert. Trotz vieler Ereignisse stellt sich dennoch mit zunehmender Spieldauer eine gewisse Monotonie ein; der Spielablauf wiederholt sich, und die Produktionsketten sind nicht tiefgründig genug, um erfahrenen Spielern auch auf längere Sicht ausreichend Herausforderungen und Motivation zu bieten. Der neue, recht rudimentäre Multiplayermodus mit der Möglichkeit, gegen menschliche Mitspieler eine Insel zu besiedeln, schafft da kaum Abhilfe.

Das von Kalypso Media entwickelte Tropico 5 ist für Windows-PC ab sofort im Handel verfügbar, kostet etwa 40 Euro und hat eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten. Die deutsche Handelsversion wird ausschließlich mit dem Kalypso Launcher ausgeliefert, der eine einmalige Anmeldung erfordert; es gibt also keinen dauerhaften Onlinezwang. Das Gleiche gilt für eine per Download vom Kalypso Launcher erworbene Version; die Steam-Fassung ist natürlich untrennbar mit dem Portal verbunden. Umsetzungen von Tropico 5 für Mac OS, Steam OS und die Xbox 360 sollen im dritten Quartal 2014, eine Fassung für die Playstation 4 im vierten Quartal 2014 folgen.

Fazit

Erfahrenen Strategiespielern bietet Tropico 5 auf lange Sicht zu wenig; dafür sind die spielerischen Möglichkeiten trotz überraschend vieler neuer Ideen nicht tiefgründig genug. Für Neueinsteiger ist Tropico 5 allerdings der bislang beste Teil der Serie: Abwechslung, Humor und Bedienung sind spürbar verbessert, und die neuen Epochen und die gelungene Kampagne machen deutlich mehr Spaß, als viele dieser Serie noch zugetraut haben.  (tw)


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