Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/uni-rostock-vorerst-kein-dr-h-c-edward-snowden-1405-106672.html    Veröffentlicht: 22.05.2014 18:43    Kurz-URL: https://glm.io/106672

Uni Rostock

Vorerst kein Dr. h. c. Edward Snowden

Whistleblower Edward Snowden muss vorerst keine neuen Visitenkarten drucken: Der Rektor der Rostocker Universität lehnt die Ehrendoktorwürde für den einstigen Schulabbrecher ab.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden wird vorerst nicht Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der Universität Rostock. Er habe das Verfahren gestoppt, sagte der Rektor der Universität, Wolfgang Schareck, am Donnerstag. Schareck, der als Rektor über die Rechtmäßigkeit des Verfahrens entscheidet, hatte gleich zu Beginn Zweifel an der möglichen Verleihung der Ehrendoktorwürde geäußert. Er sah nicht die notwendigen wissenschaftlichen Leistungen Snowdens.

Nach Recherchen der Fakultät wäre es das erste Mal, dass Snowden in dieser Weise ausgezeichnet würde. Das Verfahren gehe nun zunächst zurück an die Fakultät. Sollte keine Einigung erzielt werden können, werde das Bildungsministerium in Schwerin hinzugezogen, sagte Schareck.

Datenübergabe keine wissenschaftliche Leistung

Nach Ansicht des Rektors kann die Übergabe eines Datenbestandes an Medien mit dem Ziel der Veröffentlichung sowie die Auslösung eines wissenschaftlichen Diskurses über Aktivitäten von Geheimdiensten nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden. Als Rektor müsse er auf die Einhaltung des Landeshochschulgesetzes, der Promotionsordnungen und auf den wissenschaftlichen Ruf der Universität achten, sagte Schareck. Auch könne das wissenschaftliche Ansehen bisheriger Inhaber von Rostocker Ehrenpromotionen in Gefahr geraten.

Der Fakultätsrat hatte vergangene Woche beschlossen, Snowden für die Bekanntgabe der Abhörpraktiken des Geheimdienstes NSA die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Für eine philosophische Fakultät und ihr Wissenschaftsverständnis sei es "von herausragender Bedeutung, dass Edward Snowden in diesem Zusammenhang als ein bedeutender Aufklärer des 21. Jahrhunderts und des digitalen Zeitalters gelten kann", hieß es zur Begründung. Die Funktion eines Aufklärers sei für den Wissenschaftsbegriff aller geisteswissenschaftlichen Fächer von eminenter Bedeutung.

Die Fakultät hatte sieben Gutachten angefordert, darunter von den Soziologen und Politikwissenschaftlern Ulrich Beck und Claus Leggewie, dem Linguisten Noam Chomsky und dem schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert. Die Gutachter hätten einstimmig für dir Ehrung Snowdens plädiert. Für die Philosophen ging es in erster Linie um die wissenschaftliche Leistung Snowdens. So habe er wichtige Datenbestände erschlossen. Er sei methodisch kontrolliert mit Daten umgegangen und habe das Material analytisch durchdrungen.

Snowden selbst hat bislang keinen akademischen Abschluss. Selbst die Highschool schloss er aus gesundheitlichen Gründen zunächst nicht ab. Später bestand er jedoch den Test zur Erlangung der Hochschulreife (GED).  (fg)


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