Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/router-manipulation-cisco-empoert-ueber-spaehattacken-der-nsa-1405-106493.html    Veröffentlicht: 15.05.2014 11:54    Kurz-URL: https://glm.io/106493

Router-Manipulation

Cisco empört über Spähattacken der NSA

Netzwerkausrüster Cisco wehrt sich gegen "übertriebene" Aktionen der US-Regierung. Es sei nicht hinnehmbar, dass Geräte beim Transport abgefangen und manipuliert würden. Sicherheitslücken müssten in der Regel sofort gemeldet werden.

Der US-Netzwerkausrüster Cisco fordert von Regierungen weltweit einen Verzicht auf die Manipulation ausgelieferter Internet-Hardware. Chefsyndikus Mark Chandler verlangte in einem Blogbeitrag im Namen der Cisco-Führungsspitze zudem die Einführung von Richtlinien, wonach Regierungen entdeckte Sicherheitslücken den Herstellern melden müssten. Ausnahmen davon sollte es nur geben, wenn ein Gericht einen zwingenden Grund für einen zeitweiligen Aufschub nennen könne. Cisco reagiert damit auf Berichte, wonach eine Spezialabteilung des US-Geheimdienstes NSA beim Transport Geräte abfange und mit Spähprogrammen versehe.

Cisco versicherte, mit keiner Regierung weltweit zusammenzuarbeiten, um die Produkte zu schwächen. Dies gelte auch für die US-Regierung. Seine Firma halte sich an Exportverbote für bestimmte Kunden und Länder, schrieb Chandler. Im Gegenzug könne Cisco erwarten, dass die Regierung ihre Finger von den ausgelieferten Geräten lasse. Anderenfalls würden nicht nur die Rechte auf Privatsphäre von Personen und Institutionen weltweit verletzt, sondern auch das Vertrauen in die Industrie gestört. Nach Ansicht von Cisco hat die US-Regierung mit dem Abfangen der Geräte ihre Sicherheitspolitik übertrieben und damit das Ziel einer freien Kommunikation untergraben.

Warnung vor zersplittertem Internet

Darüber hinaus verlangt Cisco "klare Standards", was den Schutz von Daten außerhalb der USA betrifft, die von Niederlassungen US-amerikanischer Firmen gespeichert werden. Die weltweiten Kunden müssten wissen, dass solche Regeln angewendet würden und sie vertrauensvoll mit US-Firmen zusammenarbeiten könnten. Sollte die Einführung solcher Regeln scheitern, führe das zu einem zersplitterten Internet und werde die Meinungsfreiheit sowie das globale Wirtschaftswachstum begrenzen.

In seinem neuen Buch Die globale Überwachung (Original: No place to hide) beschreibt der Journalist und Aktivist Glenn Greenwald, wie der US-Geheimdienst NSA Netzwerktechnik US-amerikanischer Hersteller wie Cisco auf dem Weg zu den Kunden abfängt und präpariert. Greenwald veröffentlichte parallel zu seinem Buch mehr als 100 Dokumente aus dem Fundus von Whistleblower Edward Snowden. Darunter sind auch Fotos, die zeigen, wie die NSA-Spezialisten der Abteilung TAO ein Paket mit Cisco-Routern auspacken. Der SPD-nahe Verein D64 forderte als Reaktion auf die neuen Enthüllungen ein No-Spy-Siegel für Netzwerkprodukte.  (fg)


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