Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/shitstorm-shell-veraergert-kindle-interessenten-1405-106231.html    Veröffentlicht: 03.05.2014 12:44    Kurz-URL: https://glm.io/106231

Shitstorm

Shell verärgert Kindle-Interessenten

Shells Bonusprogramm mit der Möglichkeit, ein Kindle Paperwhite günstig gegen Prämienpunkte zu tauschen, hat in einem Shitstorm geendet, weil die Server dem Ansturm nicht standgehalten haben. Schließlich hieß es, dass der E-Book-Reader vergriffen sei. Die Aktion wurde ein PR-Desaster für Shell.

Im Rahmen des Karten- und Prämienprogramms Shell Clubsmart hat der Mineralölkonzern seinen Kunden den Kindle Paperwhite kostenlos angeboten, wenn sie 999 Punkte sammeln. Dafür hätten die Autofahrer eigentlich 999 Liter Benzin oder Diesel tanken müssen, doch auch mit Schokoriegeln im Wert von 15 Euro konnte die Punktezahl erreicht werden. Der Paperwhite kostet bei Amazon regulär 129 Euro.

Angesichts der enormen Ersparnis lockte das Angebot deutlich mehr Interessenten an, als ursprünglich von Shell erwartet: Die Schokoriegel waren nach Erfahrungen von Golem.de in einigen Shell-Tankstellen restlos ausverkauft. Das große Echo auf die Aktion blieb Shell nicht verborgen - das Unternehmen bestellte nach eigenen Angaben Kindles nach, so dass 10.000 Geräte zur Verfügung standen, die am 2. Mai ab 10 Uhr online gegen die Punkte eingetauscht werden konnten. Ursprünglich war geplant, dass die Kindles in den Tankstellen abgeholt werden können.

Dem Ansturm auf die Webserver des Bonusprogramms hielt die Infrastruktur nicht stand: Selbst wenn es Interessenten schafften, die Prämie in den Warenkorb zu legen, konnten sie in vielen Fällen die Bestellung nicht abschicken. Drei Stunden später war laut Shell die bestellte Menge vergriffen. Shell zufolge wurden 40-mal mehr Zugriffe verzeichnet als üblich.

"Spott und Häme im Netz"

Die enttäuschten Schnäppchenjäger machten ihrem Ärger auf Twitter und Facebook Luft und überschütteten den Konzern mit Spott und Häme: So stellt Dirk O. sich vor, wie die Shell-Meldung bei einem Zwischenfall auf einer Bohrinsel lauten könnte: "Diese Erdölbohrung war so erfolgreich, dass wir gar nicht so viel auffangen und in Schiffe verladen konnten." Shell bezeichnet die Aktion als "außerordentlich hohen Erfolg".

Shell hatte empfohlen, auch einen Blick auf die anderen Prämien zu werfen. Helga K. meint dazu: "Wozu sollte ich einen Blick in den Prämienkatalog werfen? Für 999 Punkte bekomme ich 3 Flaschen Wasser und eine Bockwurst".

Richard T hat besonders viel Zeit investiert, um einen Kindle zu bekommen: "Ich hab mir heute den ganzen Vormittag freigenommen und 4,5 Stunden dagesessen und aktualisiert. Wenn man dadurch nicht mal 1 läppischen Amazongutschein bekommt, ist das traurig ..." Shell bot neben dem Kindle auch einen Einkaufsgutschein an.

Dirk S. sieht die Aktion nüchtern: "In der Größenordnung, in der die Aktion beworben wurde, ist aus meiner Sicht (a) die Technik entsprechend vorzubereiten und (b) anhand der Bestands- und Neukunden ein Ansturm zu erwarten gewesen." Und Shell? Die reagierten auf Facebook vergleichsweise spät. Ein gefährliches Manöver im Social-Media-Bereich. Das Unternehmen entschuldigte sich: "Es tut uns sehr leid, dass nicht jeder zum Zuge kommen konnte."

Doch längst nicht alle Kommentare bei Facebook richten sich gegen Shell. Einige schießen auch gegen diejenigen, die sich über die verpassten Kindles aufregen: "Und was ist, wenn wirklich mal was Ernstes ist? Leute, ihr macht euch lächerlich", meint Volker S. beispielsweise, und Tobi G. erwidert einem Nutzer, der leer ausging: "Du kannst auch einfach akzeptieren, dass du kein 100-Euro-Geschenk bekommst, 10.000 andere aber schon."  (ad)


Verwandte Artikel:
Ionity: Shell beteiligt sich am Aufbau einer Ladeinfrastruktur   
(27.11.2017, https://glm.io/131350 )
Amazon: Preis des Kindle Paperwhite um rund 23 Prozent gesenkt   
(07.04.2014, https://glm.io/105659 )
Streit mit Google: Amazon löscht Chromecast-Eintrag wieder   
(09.03.2018, https://glm.io/133237 )
Musikstreaming: Amazons Alexa streamt Musik von Deezer   
(06.03.2018, https://glm.io/133158 )
Bank: Amazon plant eigenes Bankkonto-Angebot   
(06.03.2018, https://glm.io/133155 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/