Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/basic-goto-50-1405-106183.html    Veröffentlicht: 01.05.2014 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/106183

BASIC

GOTO 50

Vor fünfzig Jahren spuckten zwei parallel laufende Programme gleichzeitig zwei identische Antworten aus. Die Programmiersprache BASIC war geboren. Sie revolutionierte die Computerwelt.

Der Großrechner stand im Keller des Dartmouth College in Hanover im US-Bundesstaat New Hampshire. Der Mathematiker und Informatiker Professor John Kemeny und ein Student saßen an zwei der 11 Teletype-Terminals und gaben gleichzeitig den Befehl "RUN" ein. Wenige Augenblicke später erhielten sie die identische Antwort, die der GE-225 von General Electric zuvor berechnet hatte. Der erste Test der neuen Programmiersprache BASIC war erfolgreich absolviert. Es war kurz nach vier Uhr morgens am 1. Mai 1964.

<#youtube id="ncykt-YJO1M"> BASIC - eigentlich Dartmouth BASIC - war nicht die erste Programmiersprache und wurde auch nicht aus dem Nichts erfunden. Zuvor hatten Kemeny und sein Kollege Thomas Kurtz an den beiden Sprachen Darsimco (Dartmouth Simplified Code) und DOPE (Dartmouth Oversimplified Programming Experiment) gearbeitet. Sie wollten damit ihren Studenten einen möglichst einfachen Einstieg in die Programmierung ermöglichen.

PRINT Teletypes

Daher der Name: BASIC ist die Abkürzung für Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code. Aber BASIC sollte nicht nur einfach zu erlernen sein, es sollte auch allen zur Verfügung stehen. Deshalb war die Programmiersprache von Anfang an kostenlos, im Gegensatz zu anderen Sprachen wie etwa Fortran. Allerdings entwickelten die beiden Professoren BASIC zunächst nur für ihre Studenten an ihrer Universität.

Teile von BASIC entliehen Kemeny und Kurtz aus Formular Translator (Fortran) und ALGOL. Für die Verarbeitung der BASIC-Programme standen ihnen damals vergleichsweise üppige 16 KByte mit einer Wortlänge von 20-Bit zur Verfügung. Damals wurden die programmierten Befehlszeilen jedoch nicht einzeln abgearbeitet, sondern zunächst kompiliert. Das sorgte für eine verhältnismäßig flotte Ausgabe: Mit einem einfachen Programm errechnete der GE-225 eine Antwort in etwa einer Sekunde. Die Teletypes brauchten mit ihren 10 Zeichen pro Sekunde deutlich länger, um das Ergebnis auszudrucken. Mit BASIC sollten Studenten auch gleichzeitig einen Großrechner nutzen können.

LIST 1964

Davon gab es damals noch nicht besonders viele und sie kosteten ein Vermögen. 1964 präsentierte das Unternehmen Control Data Corporation (CDC) den CDC 6600 mit einem Mega-FLOPS. Er war bis 1969 der schnellste erhältliche Rechner und wurde ab 1965 im CERN verwendet. 1964 kam erstmals IBMs Reservierungssystem Sabre zum Einsatz. 2.000 Terminals in 65 Städten wurden über Telefonleitungen mit zwei IBM 7090 verbunden und konnten sämtliche Flugdaten in weniger als drei Sekunden ausliefern.

Allerdings nahm der Einsatz von Rechnern auch in Büros immer mehr zu. Cobol war bereits weit verbreitet. 1964 kam noch das längst vergessene JOSS (Johnniac Open Shop System) hinzu. Die Programmiersprache sollte ebenfalls möglichst einfach sein und auch von Laien bedient werden können.

GOTO 70er

BASIC überlebte JOSS nicht nur um einige Jahrzehnte, sondern spielte bei der Verbreitung und Entwicklung von PCs eine außerordentliche Rolle. Vor allem, weil es kostenlos war, aber auch so modifiziert werden konnte, dass es auf den aufkommenden Micro-, Bastel- und Heimcomputern mit wenig Speicher lief. In den 1970ern lernten Tausende mit Basic das Programmieren, sehr zum Leidwesen vieler Professoren, die die inzwischen aufgetauchten Hochsprachen lehrten. Ihren Studenten seien die Fehler, die sie bei BASIC gelernt hätten, nicht mehr auszutreiben.

Inzwischen auch zu einer Interpretersprache mutiert, konnte BASIC auf fast allen Rechnern genutzt werden, die damals populär waren, etwa dem Sinclair ZX80, dem Schneider CPC, auf Rechnern von Atari und auf dem legendären Commodore 64. Auch auf dem Apple II gab es einen BASIC-Interpreter.

RENAME BASIC *BASIC*

Bill Gates - damals noch Student an der Washington State University - schrieb zusammen mit Paul Allen für den Altair 8800 einen BASIC-Interpreter namens Altair BASIC. In seinem legendären Open Letter to Hobbyists beklagte sich Gates darüber, dass Altair BASIC zwar großes Lob und eine noch größere Verbreitung erlebe, aber die Verkaufszahlen vergleichsweise gering seien. Gates hatte zuvor mit Allen seine Firma Microsoft gegründet. Gates lizenzierte später seinen inzwischen als Microsoft BASIC bezeichneten Interpreter 1981 an IBM. BASIC lief damals im ROM der ersten IBM-PCs.

Mit den zunehmend komplexeren Aufgaben, die ein Rechner bewältigen konnte, wurde auch der ursprünglich aus nur 14 Befehlen bestehende Befehlssatz immer wieder erweitert. In MS-DOS folgte GW-BASIC und später ab MS-DOS 5.0 QuickBASIC. Wer erinnert sich noch an Gorilla.bas, Money.bas, Nibbles.bas und Remline.bas? Später folgte noch Visual BASIC, mit dem auch grafische Oberflächen programmiert werden können.

CAT *BASIC*

Aber nicht nur Microsoft entwickelte BASIC weiter. Es gab unzählige Abwandlungen und verschiedene Dialekte, die teils nur für bestimmte Rechner oder Aufgabenbereiche entworfen wurden. Auf Wikipedia haben Fleißige eine ergiebige Liste zusammengestellt. Ein Kollege legte für die Recherche zu diesem Artikel ein Handbuch für Maxon BASIC 3 für Amiga vor, das "professionelle BASIC-System der 90er". Dort gibt es weit über hundert inzwischen in BASIC gängige Funktionen.

Die beiden ursprünglichen Entwickler Kurtz und der inzwischen verstorbene Kemeny schrieben 1985 das Buch mit dem vielsagenden Titel "Back To Basic: The History, Corruption, and Future of the Language" (Zurück zu Basic: Die Geschichte, Verfälschung und Zukunft der Programmiersprache). Sie gründeten die Firma True Basic, um ihre Version von BASIC zu vermarkten - ohne großen Erfolg. Denn inzwischen waren die Programmiersprachen Pascal und C populär geworden, die den aktuellen Anforderungen an Programmierung entsprachen. Längst wird BASIC nicht mehr an Universitäten gelehrt.

GOODBYE

BASIC ist seinen Ruf als Programmiersprache für Spagehtticode nie losgeworden, Code der entsteht, wenn ungebremst die berühmt-berüchtigte GOTO-Anweisung benutzt wird. Die war bereits in der ersten Version 1964 dabei. Trotzdem ist BASIC nicht tot, nur eher selten geworden, was ein Blick in die Softwarequellen vom aktuellen Debian verrät. Auch wenn QBASIC aus Microsofts Betriebssystemen nach Windows ME verschwunden ist, so mancher Dialekt führt noch ein Eigenleben in der Nische, wie beispielsweise DarkBASIC im Spielebereich - und der Toasterindustrie.  (jt)


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