Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/openssl-openbsd-mistet-code-aus-1404-105886.html    Veröffentlicht: 15.04.2014 16:24    Kurz-URL: https://glm.io/105886

OpenSSL

OpenBSD mistet Code aus

Entwickler des OpenBSD-Projekts haben begonnen, den Code der Kryptobibliothek OpenSSL zu entrümpeln. Ob ihre Änderungen vom OpenSSL-Projekt übernommen werden, ist aber ungewiss.

Das OpenBSD-Team hat begonnen, zahlreiche Codeteile aus der Kryptografiebibliothek zu entfernen. Die Liste der Änderungen an OpenSSL ist ziemlich knapp gehalten und enthält überwiegend das Wort "Removal". Offenbar sollen nur noch die Kernkomponenten beibehalten werden, die unbedingt nötig sind. Unter anderem wurde das Heartbeat-Modul entfernt, in dem der fehlerhafte Code enthalten war, der für den Heartbleed-Bug verantwortlich war.

Der Entwickler Jcs hat ein Update über die Arbeit des Teams veröffentlicht. Unter anderem wurden als "antik" bezeichnete Codeteile entfernt, die für die Kompilierung von OpenSSL unter Mac OS, Netware, OS/2 sowie Virtual Memory System von DEC (Digital Equipment Corporation) und offenbar älteren Windows-Versionen noch nötig war. Außerdem wurden fast alle Schnittstellen zu Verschlüsselungshardware entfernt, die teilweise nicht einmal eine kompatible Lizenz hatten.

Beschwerden über unübersichtlichen Code

Den bestehenden Code hat das Team ebenfalls aufgeräumt, etwa in dem es die Build-Verzeichnisse von Libcrypto und Libssl getrennt hat. Außerdem wurde der Code der meisten C-Dateien im Programmierstil KNF (Kernel Normalform) formatiert. Nebenbei entdeckte das Team auch zwei Fehler und behob sie.

Nach Bekanntwerden des gravierenden Heartbleed-Bugs gab es abermals viel Kritik an dem OpenSSL-Projekt. Der bekannte Open-Source-Entwickler Poul-Henning Kamp beschwert sich beispielsweise darüber, dass die 300.000 Zeilen Code, die OpenSSL ausmachten, ein einziges Durcheinander seien. Der bereits seit 2012 vorhandene Fehler blieb auch nach einer Überprüfung durch einen weiteren Programmierer unentdeckt. In OpenSSL dürften sich noch weitere Fehler befinden, mutmaßt Poul-Henning Kamp.

Dem will offenbar das OpenBSD-Team entgegentreten. Ob dessen Aufräumaktion aber Upstream im Originalcode landet, ist ungewiss.  (jt)


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