Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/heartbleed-keys-auslesen-ist-einfacher-als-gedacht-1404-105825.html    Veröffentlicht: 12.04.2014 12:36    Kurz-URL: https://glm.io/105825

Heartbleed

Keys auslesen ist einfacher als gedacht

Zwei Personen ist es gelungen, private Schlüssel mit Hilfe des Heartbleed-Bugs aus einem Nginx-Testserver auszulesen. Der Server gehört der Firma Cloudflare, die mit einem Wettbewerb sicherstellen wollte, dass das Auslesen privater Schlüssel unmöglich ist.

Der Heartbleed-Bug ist möglicherweise gravierender als gedacht. Zwar konnte vielfach gezeigt werden, dass Server Passwörter, TLS-Session-Cookies und andere kritische Daten preisgaben, aber nur wenigen ist es bisher gelungen, private Schlüssel zu extrahieren. Das gelang nur unter Laborbedingungen direkt nach dem Neustart eines Servers. Doch offenbar ist das Extrahieren der privaten Keys einfacher als angenommen.

Die Firma Cloudflare wollte es genauer wissen. Das Unternehmen setzt selbst viele HTTPS-Server mit der Software Nginx und OpenSSL ein. Nach einer Analyse gingen die Sicherheitsexperten von Cloudflare eigentlich davon aus, dass beim Webserver Nginx das Auslesen der privaten Keys extrem unwahrscheinlich oder sogar ganz unmöglich ist. Um das zu prüfen, hat Cloudflare am Freitag einen Testserver aufgesetzt und die Heartbleed Challenge ausgerufen.

Es hat nicht lange gedauert, bis die ersten Erfolge vermeldet wurden. Der Nodejs-Entwickler Fedor Indutny hat als Erster erfolgreich nachgewiesen, dass er im Besitz des privaten Schlüssels des Testservers ist. Er benötigte dafür 2,5 Millionen Anfragen. Kurz darauf gelang es einem zweiten Tester, Ilkka Mattila vom National Cyber Security Centre Finland (NCSC-FI), den privaten Key des Servers zu extrahieren. Er benötigte dafür nur etwa 100.000 Anfragen an den Server.

Damit ist wohl der Beweis erbracht, dass der Heartbleed-Bug das Extrahieren von privaten Keys ermöglicht. Da es bereits Hinweise gibt, dass Heartbleed von einigen Angreifern schon vor Monaten ausgenutzt worden war, dürfte zumindest bei sicherheitskritischen Services für Webadministratoren kaum ein Weg daran vorbeiführen, ihre Zertifikate zu tauschen. Problematisch ist dabei allerdings, dass die alten Zertifikate selbst dann eine Gefahr darstellen. Zwar kann man Zertifikate von der Zertifizierungsstelle zurückziehen lassen, doch von den heutigen Browsern wird die Gültigkeit der Zertifikate entweder gar nicht oder nur unzureichend getestet. Beide für den Rückruf zur Verfügung stehenden Verfahren - CRL (Certificate Revocation List) und OCSP (Online Certificate Status Protocol) - haben in der Praxis einige Probleme.

Details darüber, wie die beiden Entwickler an den privaten Key gelangten, wurden bislang nicht veröffentlicht. Interessant wäre dabei vor allem, ob sich die Angriffe auch auf andere Webserver übertragen lassen und ob insbesondere auch der Marktführer Apache verwundbar ist. Welche Daten ein Heartbleed-Angriff offenlegt, hängt vor allem davon ab, wie Betriebssystem und Serversoftware diese im Speicher ablegen.

Dan Kaminsky schreibt in seinem Blog, dass er davon ausgehe, dass innerhalb der nächste Wochen Software auftauchen werde, die auf einfache Weise das Extrahieren privater Keys von Servern mit der Heartbleed-Lücke ermöglichen werde.  (hab)


Verwandte Artikel:
JoltandBleed: Oracle veröffentlicht Notfallpatch für Universitäts-Software   
(20.11.2017, https://glm.io/131238 )
Trustico/Digicert: Chaos um 23.000 Zertifikate und private Schlüssel   
(01.03.2018, https://glm.io/133077 )
CDN: Cloudflare bietet lokale TLS-Schlüssel und mehr DDoS-Schutz   
(26.09.2017, https://glm.io/130269 )
Crypto-Bibliothek: OpenSSL bekommt Patch-Dienstag und wird transparenter   
(22.01.2018, https://glm.io/132298 )
Apache-Sicherheitslücke: Optionsbleed bereits 2014 entdeckt und übersehen   
(20.09.2017, https://glm.io/130166 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/