Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/internet-unitymedia-kabelbw-kuendigt-200-mbit-s-zugaenge-an-1404-105748.html    Veröffentlicht: 10.04.2014 22:39    Kurz-URL: https://glm.io/105748

Internet

Unitymedia KabelBW bringt 200-MBit/s-Zugänge

Noch in diesem Jahr kommt Unitymedia KabelBW mit einem neuen, sehr schnellen Internetzugang. Auch beim Upload ist im Koaxialkabel sehr viel mehr drin, als bisher angeboten wird. Hier seien bis zu 40 MBit/s möglich.

Der in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg tätige TV-Kabelnetzbetreiber Unitymedia KabelBW wird bis Ende des Jahres 200-MBit/s-Zugänge für Endkunden anbieten. Bislang bietet das schnellste Zugangsprodukt des Unternehmens 150 MBit/s. Auch die Upload-Geschwindigkeit will das Unternehmen erhöhen. Bereits im nächsten Monat wird es eine Option für Privatkunden geben, ihre Upload-Geschwindigkeit auf 10 MBit/s zu erhöhen. "Es ist durchaus vorstellbar, den Upstream im Kabelnetz in den nächsten Jahren auf 20, 30 oder auch 40 MBit/s zu erhöhen", sagte Frank Meywerk, Chief Technology Officer bei Unitymedia KabelBW, im Gespräch mit Golem.de. Preise stünden allerdings noch nicht fest.

Mit Docsis 3.0, einem Standard, der die Anforderungen für Datenübertragungen im TV-Kabelnetz festlegt, seien im Kabelnetz von Unitymedia KabelBW technisch im Moment bis zu 600 MBit/s im Download möglich. Auf die Frage, warum die Upload-Geschwindigkeiten im Kabelnetz eher niedriger ausfallen als bei anderen Infrastrukturen, wies Meywerk auf die besonderen Spezifikationen hin. Bei der Entwicklung des Standards hätten sich die zuständigen Gremien seinerzeit auf den Downstream konzentriert und diesen einem wesentlich größeren Frequenzbereich zugeordnet.

"Docsis 3.0 wurde mit Fokus auf asymmetrische Bandbreiten spezifiziert und implementiert. Mit dem Nachfolgestandard Docsis 3.1 ändert sich dies. Wir arbeiten schon heute mit den relevanten Gremien zusammen, um mit Docsis 3.1, das eine flexiblere Nutzung des Frequenzspektrums bietet, im Kabelnetz zukünftig höhere Bandbreiten realisieren zu können. Wir haben dies auf unserer Roadmap und wir wollen unseren Kunden irgendwann bis zu 40 MBit/s bieten", sagte der Manager. Der Ruf nach höheren Upstream-Geschwindigkeiten werde lauter, das spüre das Unternehmen, und darauf müsse man reagieren. Bis zur Einführung von Docsis 3.1 werde es aber noch dauern, die Standardisierung ist noch nicht abgeschlossen. "Bereits mit Docsis 3.0 lassen sich in unserem Netz bis zu fünf Upstream-Kanäle bündeln, was uns eine effektive Bandbreite von 75 bis 100 MBit/s ermöglicht, die wir im 'Shared Mode' für alle Kunden, die an einem Fiber-Node hängen, anbieten können. Am unteren Ende des Frequenzspektrums gibt es allerdings viel Interferenz und Ingress-Störungen", erläuterte Meywerk. Mit der jetzt eingesetzten Technik ist im Kabelnetz von Unitymedia KabelBW eine Datenrate bis 20 MBit/s im Upstream realisierbar.

Drosselung nicht ausgeschlossen, aber keine konkreten Pläne

Auf Anwendungsszenarien bei den Nutzern angesprochen, erklärte Meywerk, dass beim Endkunden der Upload von Videos und die Nutzung von Videokonferenzen sehr datenintensiv sei. Ab Mitte Mai 2014 sollen Privatkunden eine Uploadrate von 10 MBit/s wahlweise kostenpflichtig zu ihren Produkten hinzubuchen können.

Eine Drosselung der Geschwindigkeit bei Power-Usern gebe es bei Unitymedia KabelBW aktuell nicht. Meywerk verwies aber auf den zunehmenden Traffic: "Es ist sehr wichtig, bei der Traffic-Entwicklung vorauszusehen. Unsere Kunden verbrauchen im Durchschnitt 50 GByte im Monat, das verdoppelt sich jedes Jahr. Ein Prozent unserer Kunden sind Poweruser, die 25 Prozent des Datenverkehrs erzeugen. Einige Nutzer verbrauchen sogar bis zu 1,2 TByte monatlich. Angesichts der exponentiell steigenden Datenmengen halte ich es für legitim, über Abrechnungsmodelle nachzudenken, die stärker die sehr unterschiedliche Nutzungsintensität berücksichtigen." Konkrete Pläne für die Einführung einer Drosselung "haben wir aktuell aber nicht in der Schublade liegen", sagte er.

Auf den Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom angesprochen, sagte Meywerk, dass das auf Koax und Glasfaser basierende Kabel der Kabelnetzbetreiber mit DOCSIS 3.1 eine Datenübertragungsrate von über 1 GBit/s erreichen könne. Beim Kupferkabel der Telekommunikationsbetreiber gehe das nicht. Mit Glasfaser können natürlich auch die Telekomkonzerne die Datenrate erreichen.

Zudem seien, so Meywerk, die versprochenen Datenraten beim Vectoring nur erreichbar, wenn der Kabelverzweiger nahe am Haushalt steht. Sonst bringe die neue Technik nur wenig. So beeindruckend neue Technologien wie Vectoring oder G.fast auch seien: "Die durch Vectoring-Techologie mögliche Maximal-Geschwindigkeit können wir Kabelnetzbetreiber dank Docsis 3.0 bereits heute in die Praxis umsetzen.". Engpässe solle es angeblich nicht geben. Dabei bleibt das TV-Kabelnetz ein Shared-Medium, dessen Datenrate sich die Nutzer teilen müssen.

"Wir führen permanent Netzerweiterungen durch, indem wir durch Hinzufügen neuer Kanäle mehr Übertragungskapazität ins Netz bringen. Zudem führen wir sogenannte Nodesplits an unseren Glasfaserkabeln durch, durch die sich die Übertragungskapazität" erhöhe, sagte Meywerk.  (asa)


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