Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-8-1-update-1-im-test-ein-lohnenswertes-miniupdate-1404-105647.html    Veröffentlicht: 08.04.2014 19:07    Kurz-URL: https://glm.io/105647

Windows 8.1 Update 1 im Test

Ein lohnenswertes Miniupdate

Microsoft geht wieder einen Schritt zurück in die Zukunft. Mit dem Update 1 baut der Konzern erneut Funktionen ein, die vor allem für Mausschubser gedacht sind. Wir haben uns das Miniupdate für Windows 8.1 pünktlich zur Veröffentlichung angesehen.

Microsoft hat mit dem Update 1 für Windows 8.1 erneut auf die Kritik der Anwender gehört. Es gibt vor allem für Mausbenutzer kleine, aber wichtige Neuerungen. Das Update 1 für Windows 8.1 ist nicht groß. Es besteht unter anderem aus zwei Feature Packs und einem kumulativen Sicherheitsupdate für Windows 8.1 und Windows RT 8.1. Angesehen haben wir uns nur die x64-Variante. Die Veränderungen des Update 1 sollten aber auch für die RT-Version gelten, die wir der Einfachheit halber nicht extra erwähnen.

Das Update wird über den regulären Patchday ausgeliefert - ganz im Unterschied zu Windows 8.1, das über den Windows Appstore verteilt wurde und daher unter andere Support-Regeln fällt. Update 1 ist damit in gewissen Grenzen zwingend für alle Nutzer von Windows 8.1, Windows RT 8.1 und Windows Server 2012 R2, die sich Sicherheitsupdates installieren. Vorweg: Von Nachteil ist das Update 1 nicht. Es spricht nichts dagegen, es zu installieren.

Update 1 könnte auch Service Pack heißen

Wir haben das Update 1 auf Grundlage des separaten Update-Pakets für MSDN-Abonnenten getestet. Es besteht aus sieben teilweise sehr kleinen Updates, von denen wir nicht alle installieren mussten, weil einige schon vorhanden waren. Die Installation dauerte auf unserem Testrechner, dem seit jeher für Windows-8-Tests verwendeten HP Elitebook 2740, mit Intels 320er SSD rund eine Stunde und verlangte einen Neustart. Das lag vor allem an dem kumulativen Update KB2919355, das alle bisher veröffentlichten Sicherheitsupdates enthält und entpackt stolze 3 GByte groß ist. Nach alter Microsoft-Terminologie könnte es als Security Rollup eingestuft werden. Zusammen mit den Feature Packs, die die später genannten Neuerungen bringen, könnte das Gesamtpaket durchaus als ein Service Pack bezeichnet werden, auch wenn es für ein Service Pack zu viele Neuerungen für den Benutzer bringt.

Vermutlich wegen KB2919355 erwähnen viele Berichte über das Update 1, dass dieses für weitere Updates zwingend notwendig ist. Microsoft empfiehlt die Installation von KB2919355 für den Erhalt weiterer Sicherheitsupdates. Es ist bei Windows normal, dass diese aufeinander aufbauen, was sich vor allem bei einer Windows-Neuinstallation bemerkbar macht. Erst nach bestimmten Sicherheitsupdates werden weitere darauf aufbauende angeboten. Das Ganze hat also nichts mit den Feature Packs zu tun, sondern ist vielmehr normaler Windows-Alltag.

Wir beachten daher im Folgenden hauptsächlich die Änderungen der Feature Packs, auch wenn Microsoft alle Vorgänge in einem KB-Artikel zusammenfasst.

Die Neuerungen von Windows 8.1 Update 1

Nach der Installation fallen zwei Dinge auf. Wer in den Startbildschirm bootet, bekommt dort eine kleine Ausschalt- und Suchschaltfläche zu sehen. Nutzer, die gerne auf den Desktop booten, finden in der Taskleiste erstmals ein Symbol für Kachel-Apps, nämlich die des Windows App Store. Zum Abschalten oder Neustarten des Geräts soll der Touchscreen-Nutzer nicht mehr über die Charms gehen und Gesten ausführen, sondern kann dies auf dem Startbildschirm machen. Der Desktop-Nutzer hingegen wird auf eine andere Art und Weise auf die Kachel-Apps in Modern UI hingewiesen - und zwar eben von diesem Desktop aus. Microsoft vereinigt sozusagen ein Stück weit Modern UI und Classic UI.

Diese Vereinigung ist aber noch nicht komplett. Die von der Taskleiste aufgerufene App startet wie gehabt im Vollbildmodus und nicht etwa als Fenster. Dafür ist jede Modern-UI-App nun immer in der Taskleiste auf dem Desktop sichtbar und kann dort angepinnt werden. Die Sprunglisten (Jump Lists) der Taskleiste wurden leider nicht erweitert. Es ist also nicht möglich, etwa über diese Liste dem Taschenrechner den Befehl zu geben, nur auf einer Seite zu starten, also ein Windows-Side-by-Side zwischen Modern UI und Classic UI (Windows Snap) durchzuführen. Der Platz für eine solche Aktion in der leeren Liste wäre allemal da. Das muss der Nutzer weiterhin per Maus regeln.

Umschalten auf Apps vom Desktop wird vereinfacht

Mit der ständigen Darstellung von Apps in der Taskleiste muss sich der Anwender nicht mehr mit der Tastenkombination Windows-Tab und Alt-Tab abmühen. Die unterscheiden sich auch mit dem Update 1 noch. Windows-Tab schaltet nur zwischen Modern-UI-Apps um, Alt-Tab ist hingegen global nutzbar. Ein simpler Mausklick in der Taskleiste reicht nun aus, um in die gewünschte App ohne Durchschalten per Tab-Taste zu springen.

In der Kacheloberfläche Modern UI ist die Taskleiste mit dem Update 1 ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Oberfläche, allerdings nur für den Maus- und Tastaturbenutzer. Der Touchscreen-Anwender wird die Taskleiste nicht sehen. Bei einem Stift ist die Sichtbarkeit abhängig von der Stifttechnik.

Die Taskleiste wird im unteren Bereich in Modern UI automatisch eingeblendet, sobald der Cursor dorthin bewegt wird. Auch hier gilt: Komplizierte Gesten oder ihm nicht bekannte Tastenkombinationen entfallen für den regulären Nutzer. Windows lässt sich so einfacher bedienen.

Microsoft entdeckt den Rechtsklick wieder

Eine große Erleichterung für Mausnutzer ist die Wiederentdeckung des Kontextmenüs. Dieses war für alte Windows-Tablets immer wichtig und etwa integraler Bestandteil der Digitizer-Bedienung. Doch mit Modern UI alias Metro wurde das Kontextmenü entfernt - sehr zum Missfallen der Mausnutzer. Jetzt kann der Anwender wieder über jede einzelne Kachel mit einem einfachen Rechtsklick (für Rechtshänder) mehrere Kommandos ausführen: Anpinnen in der Taskleiste, Deinstallieren der App oder die Änderung der Kachelgröße und Live-Tile-Funktion sind schnell möglich. Dazu muss der Nutzer seinen Mauscursor nicht mehr erst in den unteren Bereich führen, wie es noch mit Windows 8.1 notwendig war.

Die Stifttechnik bestimmt den Einsatz des Kontextmenüs

Übrigens unterscheidet Windows weiterhin zwischen zwei Eingaben auf dem Display. Tippt der Nutzer mit dem Finger auf eine Kachel, erscheint kein Kontextmenü. Der Einsatz eines Digitizer-Stiftes zeigt hingegen ein Kontextmenü an. Diese Unterscheidung wurde erst mit Windows 8 eingeführt und gilt auch nur in Modern UI. Als Konsequenz ist ein kapazitiver Stift unter Modern UI etwas anderes als ein Digitizer-Stift. Auf dem Desktop verhalten sich beide hingegen gleich, was das Kontextmenü angeht. Das verwirrt vor allem Anwender, denen der technische Unterschied zwischen den beiden Stiftarten nicht geläufig ist.

Leider gilt das Kontextmenü nicht für alle Windows-Bereiche: Ein Rechtsklick in die Verbindungseinstellungen bleibt weiterhin meist wirkungslos. Bei Windows 8 war er noch da, wurde aber mit Windows 8.1 entfernt. Das macht auch das Update 1 nur teilweise rückgängig. Nur bei einer aktiven oder bekannten WLAN-Verbindung sowie der WWAN-Verbindung gibt es einen Kontexteintrag für das Vergessen von Netzwerken. Bei anderen SSIDs bleibt der Kontextklick wirkungslos.

Etwas Inkonsistenz bleibt also, sowohl bei der Stiftinterpretation als auch bei der Verfügbarkeit der Kontextmenüs. Es ist für den Anwender nicht sofort ersichtlich, warum es auf dem Startmenü ein echtes Kontextmenü gibt, das dann in den Verbindungseigenschaften nicht vorhanden ist und in Modern-UI-Apps als Einblendung vom oberen oder unteren Rand erscheint.

Für den Power-Nutzer, so formuliert es Microsoft, wurde der Strg-Klick in Verbindung mit Aktionen des Kontextmenüs eingeführt. Der Nutzer kann nun mehrere Kacheln anwählen und dann über das Menü direkt deinstallieren, ohne Umweg über die untere Leiste.

Erster Schritt für Fensterleisten für Apps, doch einiges fehlt noch

Im oberen Bereich wird in jeder App jetzt eine schmale Leiste angezeigt, die nach oben verschwindet. Der Einfachheit halber nennen wir sie Fensterleiste, auch wenn Modern-UI-Apps nicht in Fenstern laufen. Wie bei der Taskleiste ist die Anzeige der Fensterleiste abhängig von der Eingabetechnik. Öffnet der Nutzer mit dem Finger eine App, sieht er keine Fensterleiste. Wird die App hingegen mit einem Cursor-Event geöffnet, wird sie kurz eingeblendet. Dort kann die App minimiert, geschlossen oder auch gesplittet werden für Windows-Side-by-Side unter Modern UI. Letzteres ist die Funktion, die wir uns in den Sprunglisten wünschen.

Sehr schön ist übrigens, dass diese Fensterleiste bei allen Apps funktioniert - egal ob es sich um neue Apps von Microsoft oder nicht aktualisierte eines Drittentwicklers handelt. Allerdings fehlt eine Änderung, die uns schon mit Windows 8.1 versprochen wurde und dort hingehört. Geplant war, dass alle Apps in der oberen Bildfläche andeuten, dass es weitere Funktionen gibt - also dass sich ein Rechtsklick in einer App lohnt. Dies sollte in Form dreier kleiner Punkte geschehen, ähnlich wie bei der Menüfunktion von Android.

Microsofts Enthusiast Marketing Manager Windows Boris Schneider-Johne erklärte bereits zum Windows-8.1-Start der Presse die Neuerung mit den drei kleinen Punkten, die dann aber nie umgesetzt wurde. Auch nicht mit dem Update 1. Schneider-Johne machte Golem.de damals sogar darauf aufmerksam, dass es nicht sinnvoll sei, Windows 8.1 ohne diese finalisierten Apps zu testen. Wir taten es trotzdem. Wir gehen mittlerweile davon aus, dass Microsoft diese Hilfsfunktion nicht mehr für alle Apps integrieren wird. Wir vermuten, dass sich das nicht ohne weiteres betriebssystemübergreifend umsetzen lässt. Die Folge: Noch immer muss der Anwender erst in jeder App ausprobieren, ob es eine Art Kontextmenü mit zusätzlichen Schaltflächen gibt.

Die neuen Funktionen kollidieren mit Modern UI

Fensterleiste wie auch Taskleiste sind in Modern UI im Prinzip eine gute Idee. Allerdings sind sowohl der obere als auch der untere Rand belegt. Die jetzige Lösung kollidiert daher mit anderen Modern-UI-Eigenarten. Von oben und von unten werden bereits zwei weitere zusätzliche Schaltflächen eingeschoben, wenn der Anwender etwa die Kontexttaste klickt. Unten ist zudem der horizontale Scrollbalken essenziell für Maus- und Tastaturbenutzer. Die Taskleiste wie auch die Fensterleiste verdecken dann Bedienungselemente. Im oberen Bereich hat das keine negativen Auswirkungen, da die Leiste sehr schmal ist. Unten hingegen kann es schon einmal passieren, dass der Nutzer mit der Taskleiste den Scrollbalken der App überdeckt, sogar auf dem Startbildschirm.

Microsoft hat aber eine kleine Intelligenz eingebaut, die weitgehend ein versehentliches Einblenden der Taskleiste verhindern soll. Es reicht nicht, am untersten Pixel mit dem Cursor anzukommen. Der Anwender muss mit Nachdruck seinen Cursor nach unten bewegen. In der Praxis funktioniert das aber nicht immer: Als Touchpad-Nutzer müssen wir erst doppelt nach unten wischen, damit die Taskleiste erscheint. Als Pointing-Stick-Nutzer reicht es hingegen, etwas zu lange den Stick nach unten zu drücken, um die Taskleiste versehentlich zu öffnen. Mit dem Digitizer schafften wir es gar nicht erst, die Taskleiste anzeigen zu lassen. Der Touchscreen-Nutzer sieht sie ohnehin nicht und muss die Geste durchführen, die das Äquivalent für Windows-Tab ist.

Nach dem Update kommt ein weiteres Update

Die Fensterleiste und die allgegenwärtige Taskleiste für Maus- und Tastaturnutzer zeigen einen Trend: Microsoft tut einiges, um sich der Zielgruppe wieder anzupassen, die mit Modern UI vergrätzt wurde. Mit dem nächsten Update sind schon die nächsten Kompromisse absehbar, auch wenn dieses noch nicht datiert ist. Auf der vergangenen Build zeigte Microsoft schon die Entkettung der Apps vom Modern UI und ein neues Startmenü, das Live-Tiles auch auf dem Desktop nutzbar macht.

Verfügbarkeit und Fazit des Windows 8.1 Update 1

Windows 8.1 Update 1 ist ab sofort über das Windows-Update verfügbar. Es besteht aus mehreren Patches und ist für die 64-Bit-Version von Windows 8.1 etwa 120 MByte als Express-Download (x64) groß. Die Größe variiert je nach Architektur und Status der installierten Sicherheitsupdates. Unser MSDN-Paket ist als vollständiges Update beispielsweise 800 MByte groß. Dieses Paket werden die wenigsten Nutzer sehen.

Fazit

Das Update 1 für Windows 8.1 ist eine lohnenswerte Aktualisierung. Microsoft ist es gelungen, Verbesserungen einzuführen, ohne dabei die Touchscreen-Bedienung deutlich zu verändern. Damit ist das Update eine klare Empfehlung für alle Windows-8.1-Nutzer, denn die Installation hat keine Nachteile.

Wer einen Touchscreen besitzt und nur die Modern-UI verwendet, wird kaum etwas von dem Update merken. Die zusätzliche Positionierung der Ausschaltfläche sehen wir als längst überfällige Verbesserung, insbesondere da der alte Weg über die Charms-Leiste weiter offensteht. Und wer auch als Touchscreen-Nutzer ab und an Modern UI verlässt, um den Desktop zu nutzen, wird sich darüber freuen, nun einfach wieder in die App-Welt zurückzukommen - über die allgegenwärtige Taskleiste. Allerdings stört es, dass die Taskleiste für den Touchscreen-Nutzer in Modern UI nicht zu sehen ist.

Der Maus- und Tastaturnutzer bekommt hingegen sehr viel mehr von den Änderungen mit. Sie erleichtern noch einmal die Benutzung der Modern UI mit diesen klassischen Eingabegeräten, ersetzen aber nicht das klassische Startmenü.

Das Update 1 zeigt einen erfreulichen Trend von Microsoft: Der Konzern hört wieder auf seine Nutzer und setzt kleine Verbesserungen schnell um, ohne ein neues Betriebssystem zu erschaffen. Eines ändern die Neuerungen jedoch nicht: Auch mit dem Update 1 bleibt das Grundproblem zweier Bedienungsparadigmen bestehen. Microsoft gelingt zwar eine Annäherung der Classic UI an die Modern UI. Doch eine echte Vereinigung dieser unterschiedlichen Nutzergruppen gelingt nicht und so bleiben Inkonsistenzen in der Bedienung. Allerdings sind schon die kleinen Verbesserungen des Update 1 eine deutliche Verbesserung für Maus- und Tastaturbenutzer, die sich nun besser mit Windows 8 und 8.1 arrangieren können.  (ase)


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