Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fitnesstracker-erst-geliebt-dann-demotiviert-abgelegt-1404-105580.html    Veröffentlicht: 03.04.2014 10:55    Kurz-URL: https://glm.io/105580

Fitnesstracker

Erst geliebt, dann demotiviert abgelegt

Ein Drittel der Käufer nutzt Wearables laut einer Studie schon nach einem halben Jahr nicht mehr. Die Geräte schaffen es oft nicht, langfristig die Motivation hoch zu halten und Verhaltensänderungen zu unterstützen.

Smartwatches, Fitnesstracker und vieles mehr bieten immer mehr Hersteller an, offenbar stellt sich aber nach kurzer Begeisterung über die Wearables bei den Kunden nach kurzer Zeit Ernüchterung ein. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Endeavour Partner hervor, in der das Käuferverhalten untersucht wurde. Doch darin wird auch aufgezeigt, was Hersteller machen müssen, um die Demotivation zu verhindern.

Der britische Guardian berichtet, dass nach einer Erhebung vom September 2013 in den USA einer von zehn US-Amerikanern über 18 Jahre einen Fitnesstracker trägt. Besonders beliebt sind sie bei den jungen Menschen zwischen 25 und 34 Jahren. Die Daten stammen aus einer Internetumfrage.

Langzeitmotivation fehlt

In der Studie zeigt sich aber ein "schmutziges Geheimnis" der Wearables. Mehr als die Hälfte der Käufer verwenden ihren Activity Tracker nicht mehr. Ein Drittel hat das Gerät schon nach einem halben Jahr nicht mehr verwendet. In den Anfangstagen der Smartphones sei es im Vergleich aber eher ungewöhnlich, dass jemand sein Blackberry, Treo, Symbian- oder Windows-Mobile-Gerät nach einiger Zeit links liegenließ, bemerken die Studienautoren.

Bislang sei für die meisten Anwender auch nicht klar erkennbar, was Fitnesstracker und Smartwatches ersetzen oder an zusätzlichem Nutzen bringen - anders als bei Smartphones, wo die Vorteile deutlich waren: Sie ermöglichten den Abruf von E-Mails unterwegs, das Websurfen und das Telefonieren in einem Gerät. Mit den passenden Apps können sie auch als einfacher Fitnesstracker verwendet werden. Nach Angaben der Studie sind 41 Prozent der Jogger sowieso mit ihren Smartphones unterwegs - wieso also ein zweites Gerät umschnallen, das ständig geladen werden muss und sich leicht austricksen lässt - heftige Armbewegungen können durchaus als Schritte erkannt werden.

Um die Geräte dennoch erfolgreich zu machen, schlägt Endeavour Partner vor, neben rein technischen und ergonomischen Aspekten wie einem ansprechenden Design, Haltbarkeit, geringem Einstellaufwand und einer Anbindung an Drittsysteme und langen Akkulaufzeiten auch noch drei andere Kriterien zu erfüllen, die sich aus dem Behaviorismus ableiten.

Fitnesstracker sorgen nicht für langfristige Verhaltensänderungen

Änderungen im Verhalten werden durch ein positiv verstärkendes Ereignis bewirkt. Fühlen wir uns einsam oder erhalten eine Push-Nachricht, während wir in der Bahn sitzen, und öffnen dann Facebook, empfinden wir Freude und geben uns sozusagen selbst die Belohnung. Um nun schlechte Angewohnheiten zu durchbrechen, versuchen gute Fitnesstracker, den Anwender zu motivieren und Zwischenetappen mit kleinen Belohnungen zu versehen.

Als zweites Element sei die soziale Motivation entscheidend. Die starke Triebfeder, sich gegenüber anderen zu beweisen und sich mit ihnen zu vergleichen und auszutauschen, sollten Anbieter von Fitnesstrackern und ähnlichen Wearables bei der Gestaltung ihres Angebots berücksichtigen, raten die Autoren der Studie.

Das dritte Element, das Anbieter von Wearables berücksichtigen sollten, ist die langfristige Motivation - und die ist nur mit einer Zerstückelung großer Ziele (10 kg abnehmen) in kleine Ziele und realistische Unterziele (jeden Tag mindestens 10.000 Schritte tun und im Monat 300 Gramm abnehmen), zu halten. Das richtige Feedback auch bei kleinen Rückschlägen muss den Anwender motivieren.

Die Studie kann in Auszügen kostenlos (PDF) heruntergeladen werden und enthält auch die Bewertung von acht Wearables im Bezug auf den aufgestellten Kriterienkatalog. Bewertet wurden die Basis B1 Watch, das Jawbone Up24, das Nike Fuelband SE, das Fitbit Force, das Polar Loop, Withings Pulse, das Nike Fuelband und das Skechers Go Walk. Der Nachteil der meisten Geräte: Sie helfen dem Nutzer nicht bei der gewünschten Verhaltensänderung und dabei, an neuen Verhaltensweisen festzuhalten.  (ad)


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