Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-phone-8-1-cortana-arbeitet-nicht-mehr-nur-fuer-den-master-chief-1404-105571.html    Veröffentlicht: 02.04.2014 19:47    Kurz-URL: https://glm.io/105571

Windows Phone 8.1

Cortana arbeitet nicht mehr nur für den Master Chief

Microsoft hat auf der Build in San Francisco die neue Windows-Phone-Version vorgestellt. Neben einem Benachrichtigungscenter ist der persönliche Assistent Cortana eines der auffälligsten Merkmale der neuen Version.

Wie auf dem Mobile World Congress 2014 angekündigt, hat Microsoft eine neue Version seines mobilen Betriebssystems Windows Phone veröffentlicht. Windows Phone 8.1 bringt zahlreiche von Nutzern bereits länger gewünschte Verbesserungen wie ein Benachrichtigungscenter. Einen Großteil der Präsentation von Windows-Phone-Chef Joe Belfiore nahm allerdings der neue persönliche Assistent Cortana ein. Cortana ist ursprünglich die virtuelle Assistentin des Master Chiefs aus der Spieleserie Halo.

Bei der Entwicklung von Cortana hat sich Microsoft an der Arbeit echter persönlicher Assistenten orientiert. So gibt es eine Art Notizbuch, in dem persönliche Daten erfasst werden - wie beispielsweise besuchte Orte, Freundschaften und Interessen. Basierend auf diesen Angaben soll Cortana in zahlreichen Situationen bessere Vorschläge machen.

Ähnlichkeiten mit Google Now

Cortana sammelt Nutzerdaten und verwendet diese, um dem Anwender im Alltag zu helfen. In dieser Hinsicht ähnelt der Assistent eher Google Now als Apples Siri. Zahlreiche Funktionen finden sich bereits jetzt bei Google Now: So kann Cortana erlaubt werden, die E-Mails des Nutzers zu durchsuchen und dementsprechende Vorschläge zu machen. So erkennt Cortana beispielsweise Flüge.

Über Cortana kann der Nutzer natürlich auch Begriffe im Internet suchen - dabei basiert der Assistent auf Microsofts Suchmaschine Bing. Cortana versteht auch komplexe Suchanfragen und reagiert auf Nachfragen. So hat Belfiore während seiner Präsentation eine Wetteranfrage durch Nachfragen von Fahrenheit in Celsius umrechnen lassen. Auch auf dem Smartphone installierte und unterstützte Apps können mit Cortana durchsucht werden - der neue Assistent ersetzt die bisherige Suche komplett.

Über die Sprachwahl von Cortana kann der Nutzer auch Funktionen des Smartphones verwenden. So können Termine oder Erinnerungen gesetzt oder Telefonate begonnen werden. Bei Erinnerungen ist es möglich, einen Ort oder auch einen Gesprächspartner als Auslöser zu bestimmen. So kann sich der Nutzer anhand eines Kontaktnamens an bestimmte Dinge erinnern lassen, sobald er wieder mit der betreffenden Person telefoniert oder ihm eine Nachricht schreibt.

Stimme klingt noch etwas blechern

Die Stimme von Cortana klingt im aktuellen Stadium der App noch künstlicher als die von Siri oder Google Now. Cortana muss zudem nicht nur per Stimme aktiviert werden. Befehle für den Assistenten lassen sich auch per Tastatur eingeben.

Durch die Integration von Drittanbieter-Apps will Microsoft den Umfang von Cortana erweitern. Für App-Entwickler steht App Voice Commands zur Verfügung, mit dem Cortana in eigene Apps eingebunden werden kann. Bereits jetzt ist unter anderem das Bewertungsportal Yelp integriert. Eine Integration mit Apps wie Facebook und Skype ist ebenfalls vorgesehen. Während der Demo hatte Joe Belfiore hin und wieder Schwierigkeiten bei manchen Suchaufträgen. Er forderte die Entwickler auf, bei der Weiterentwicklung zu helfen. Cortana soll in Kürze als Beta erscheinen - einen genauen Zeitplan nannte Belfiore nicht.

Action Center zeigt aktuelle Benachrichtigungen an

Mit dem neuen Benachrichtigungscenter namens "Action Center" erhalten Windows-Phone-Nutzer erstmals einen zentralisierten Ort, an dem Benachrichtigungen und bestimmte Funktionen direkt zugänglich sind. Action Center ähnelt dabei dem Benachrichtigungsmenü von Android: Wie dort wird es vom oberen Display-Rand aus heruntergezogen. Grundfunktionen wie WLAN oder Bluetooth sind über Schaltflächen wählbar, darunter finden sich die Benachrichtigungen verschiedener Apps. Entwickler können bei der Implementierung selber entscheiden, wie Benachrichtigungen ihrer App im Action Center dargestellt werden sollen.

Neu in Windows Phone 8.1 ist auch ein erweiterter Grad an Personalisierung. So stehen für den Sperrbildschirm jetzt unterschiedliche Designs zur Verfügung, die deutlich interaktiver als bisher sind. Für die Programmierung hat Microsoft mit Rudy Huyn zusammengearbeitet, der bereits beliebte Windows-Phone-Apps für Vine und Instagram programmiert hat.

Auch bei älteren Windows-Phone-Smartphones können Nutzer mit der neuen Version mehr Spalten für den Kachelbildschirm wählen. So können mehr Informationen dargestellt werden. Neu ist auch die Möglichkeit, ein Hintergrundbild für den Kachelbildschirm zu wählen. Da die Kacheln den ganzen Bildschirm einnehmen, wird das Bild als Hintergrund für die Kacheln verwendet - das komplette Bild ergibt sich aus den einzelnen Bausteinen. Die Tastatur wird künftig Swype-Eingaben unterstützen.

Windows Phone mit Geschäftskundenausrichtung

Microsoft will sich mit Windows Phone 8.1 stärker an Geschäftskunden wenden. Eine VPN-Anbindung wurde als Neuerung vorgestellt. Außerdem beherrscht das Betriebssystem nun das Signieren von E-Mails. Selbst eine Verschlüsselung der Nachrichten ist vorgesehen.

Als Besonderheit gibt es eine Reset-Funktion, die das Gerät nur von Unternehmenseinstellungen befreit. Damit verschwinden etwa VPN-Einstellungen und Unternehmens-Apps, nicht aber die persönlichen Einstellungen. Das lässt sich auch zentral von der IT-Abteilung aus steuern. Microsoft hofft, mit den neuen Funktionen Windows Phone für Unternehmen attraktiver zu machen.

Genaues Veröffentlichungsdatum noch nicht bekannt

Windows Phone 8.1 soll laut Joe Belfiore in den nächsten Monaten für den Consumer-Markt verteilt werden, einen genaueren Zeitplan nannte er nicht. Auf neuen Windows-Phone-Geräten soll das Betriebssystem ab März 2014 bereits vorinstalliert sein. Alle Lumia-Geräte mit Windows Phone einschließlich des günstigen Lumia 520 sollen das Update erhalten. Für Entwickler soll noch im April 2014 eine weitere Vorschau erhältlich sein.  (tk)


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