Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/jugendschutz-altersbewertung-von-apps-soll-vereinfacht-werden-1403-105484.html    Veröffentlicht: 31.03.2014 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/105484

Jugendschutz

Altersbewertung von Apps soll vereinfacht werden

Jugendschutzorganisationen aus verschiedenen Ländern erarbeiten ein System zur Altersbewertung von Apps und Onlinespielen. Künftig soll ein Fragebogen reichen, um die Bewertung länderübergreifend vornehmen zu können.

Mehr Rechtssicherheit für Spieleentwickler: Jugendschutzorganisationen arbeiten länderübergreifend an einem System zur Altersbewertung von Apps und Onlinespielen, das auch die nationalen Besonderheiten berücksichtigen soll. In wenigen Monaten schon soll das Ergebnis präsentiert werden. Das Ziel: Spieleentwickler sollen einen einzigen Fragebogen ausfüllen müssen. Auf Grundlage der Antworten sollen dann die Altersbewertungen für verschiedene Länder generiert werden. Diese sollen die Entwickler dann einheitlich auf verschiedenen Plattformen nutzen können.

Vor wenigen Jahren noch herrschte für den Spielemarkt ein stringentes Jugendschutzsystem, da der Markt nur von wenigen Unternehmen mit einer überschaubaren Anzahl von Plattformen dominiert wurde. Sie konnten es sich leisten, eine Altersprüfung finanziell zu stemmen und das Management für Alterskennzeichnungen in den verschiedenen Ländern zu übernehmen.

Doch mit der Verbreitung des Internets und der mobilen Plattformen hat sich das geändert: Heute können kleine Onlinespiele oder Apps von einzelnen Entwicklern in wenigen Tagen programmiert werden, auch der Veröffentlichungsprozess wurde beschleunigt. Gerade kleine Entwickler könnten sich nicht mit den Prüfgebühren für die weltweiten Bewertungsverfahren belasten, wenn sie gar nicht wüssten, ob sie überhaupt genügend Spiele verkaufen können, erklärt USK-Geschäftsführer Felix Falk in einem Fachbeitrag (PDF). Die USK ist in Deutschland die Selbstkontrollorganisation für Unterhaltungssoftware, die für Computerspiele nach dem Jugendschutzgesetz Alterskennzeichnungen vergibt.

App-Plattformen arbeiten mit unterschiedlichen Altersbewertungen

Google und Apple haben für ihre App-Plattformen deshalb jeweils eigene Bewertungssysteme eingerichtet. Die Entwickler füllen einfach einen von den Firmen entwickelten Fragebogen für den internationalen Markt aus. So kommt es, dass eine Software im Google-Play-Store eine ganz andere Altersbewertung haben kann als im App Store von Apple.

Tatsächlich muss die Software jedoch den Vorgaben des gesetzlichen Jugendschutzes in den Ländern, in denen sie angeboten wird, entsprechen. Laut Felix Falk tun sie dies in vielen Fällen jedoch nicht. Denn die Bewertung in Apples oder Googles Stores entspreche keinem der nationalen Jugendschutzstandards. Sie sei "häufig nicht nachvollziehbar und teilweise schlicht unzutreffend", stellt Falk fest. Noch prekärer sei die Situation bei Plattformen, bei denen es häufig überhaupt keine Altersbewertungen gebe.

Ein Fragebogen reicht zur Bewertung

In den USA gelten ganz andere Bewertungsregeln als in Deutschland. "Während Gewalt und Krieg im Vergleich zu Deutschland im Rest Europas oder auch in Nordamerika als weniger risikoreich gesehen werden, führen andere Kriterien wie 'Sex und Erotik' zu höheren Bewertungen", erläutert Felix Falk. Eine einheitliche Bewertung, so wie sie jetzt Google oder Apple vornehmen, könne daher nicht in allen Ländern legal sein.

Gleichwohl gelten die Kriterien, die für eine Bewertung abgefragt werden, in den unterschiedlichen Ländern als vergleichbar. Verschiedene staatliche und private Jugendschutzorganisationen aus Australien, Brasilien, Deutschland, Japan, Korea, Südafrika und den USA tauschen sich im Rahmen des International App Rating Council (IARC) deshalb seit einigen Jahren über eine mögliche Lösung aus. Auf Initiative der amerikanischen Jugendschutzorganisation ESRB entwickelten diese Organisationen in den vergangenen drei Jahren ein weltweit anwendbares Altersverwertungssystem auf Basis eines Klassifizierungsverfahrens: Mit einem einzigen Fragebogen können alle relevanten Kriterien abgedeckt werden. Ausgewertet werden dann die Antworten nach den verschiedenen nationalen Regelungen. "So kann beispielsweise beim Kriterium Sexualität/Erotik der Fall eintreten, dass nach Beantwortung der gleichen Fragen im Ergebnis sowohl eine ESRB 17+ für Nordamerika als auch eine PEGI 12+ für Europa ausgegeben werden", weiß Falk. Auf den App-Plattformen wird dann je nach Ländereinstellung des Smartphones nur das jeweils gültige nationale Kennzeichen angezeigt. Die USK ist jedenfalls dabei.

Die USK hat das letzte Wort

Was aber ist bei fehlerhaften Angaben des Entwicklers? Hier greifen Kontrollmechanismen der USK, die beispielsweise bei bestimmten Alterseinstufungen, wie etwa 18er Inhalten, zur Anwendung kommen. Stichproben und Nutzerbeschwerden sollen ebenfalls für Qualität sorgen. Anbieter und Kontrollbehörden sollen zudem Berufungsverfahren initiieren können. Korrekturen können jedenfalls durch die Partnerorganisationen der IARC organisiert werden.

In wenigen Monaten soll das fertige System der Entwicklergemeinde präsentiert werden. Zuvor soll das System zur Reife gebracht und Details der Organisation geklärt werden. Auch sollen noch weitere Partnerländer und Plattformen dazukommen.  (csh)


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