Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oculus-vr-wir-haben-nicht-so-viele-morddrohungen-erwartet-1403-105478.html    Veröffentlicht: 31.03.2014 10:26    Kurz-URL: https://glm.io/105478

Oculus VR

"Wir haben nicht so viele Morddrohungen erwartet"

Nach der Übernahme durch Facebook müssen sich die Macher hinter Oculus Rift viel Kritik aus der Community gefallen lassen. Cheftechniker John Carmack geht auf einige der Punkte ein.

"Wir haben kurzfristig mit negativen Reaktionen gerechnet, aber nicht so viele Morddrohungen und beleidigende Anrufe sogar bei unseren Familien", schreibt Palmer Luckey, einer der Chefs und Gründer von Oculus VR, auf Reddit.com nach der Übernahme seiner Firma durch Facebook für rund zwei Milliarden US-Dollar.

Neben aggressiven Äußerungen auch in Foren gibt es mittlerweile tatsächlich viel substanzielle Kritik auch und gerade von Fans der VR-Brille. Auf der offiziellen Kickstarter-Seite hatten insbesondere direkt nach Bekanntgabe der Akquisition viele Unterstützer ihren Anteil an den 2,44 Millionen US-Dollar zurückgefordert.

Viele Nutzer schreiben, dass Facebook als Nicht-Spiele-Anbieter wohl kaum zu Oculus Rift passe, und machen sich Gedanken wegen möglicher Werbeeinblendungen in den künftigen virtuellen Welten. Inzwischen ist der Ton dort sogar wieder etwas gemäßigter geworden, einige Unterstützter haben sich sogar positiv geäußert. "Wir wollen, dass Virtual Reality richtig groß wird, und das Geld und der Hype rund um den Verkauf werden das sicherstellen", so ein Kommentator.

Carmack hat Mark Zuckerberg die Technologie erklärt

In einer längeren Antwort an einen US-Blogger hat sich auch John Carmack zu Wort gemeldet. Der frühere Chefprogrammierer und Mitgründer von id Software arbeitet inzwischen als Chief Technical Director bei Oculus Rift. Auch Carmack räumt ein, dass ihm andere Firmen als Facebook einfallen würden, mit denen es "mehr offensichtliche Synergien" geben würde. Allerdings "habe ich Gründe zu glauben, dass sie das große Ganze ähnlich sehen wie ich, und dass sie eine starke Kraft dabei sein werden, es umzusetzen".

Carmack selbst habe im Vorfeld nichts von der Übernahme gewusst. "Ich habe einen Nachmittag lang mit Mark Zuckerberg über die Technologie gesprochen, und in der nächsten Woche höre ich dann, dass sie Oculus gekauft haben", schreibt er. Carmack selbst habe sonst keinerlei Bezug zu Facebook.

Auf den Wunsch von Nutzern, dass sich Oculus VR ähnlich wie Valve einfach selbstständig hätte weiterentwickeln sollen, geht er ausführlich ein. Valve habe mit Steam eine Art von Produkt gehabt, das von großen Konzernen nicht ganz ernst genommen worden sei, weswegen sie ihre Nische für sich gehabt hätten.

Bei Virtual Reality ist das nach Auffassung von Carmack grundlegend anders. VR als Erfahrung sei zu überwältigend, und "bei Kontakt werde man zum Konvertierten", sprich zum Anhänger der Technologie, was zu schnell wirklich große Firmen auf den Plan rufe - was mittlerweile mit Sony und Project Morpheus ja tatsächlich geschehen ist.

Neuer Chefforscher Michael Abrash

Carmack hat übrigens seit einigen Tagen einen ehemaligen Kollegen wieder an seiner Seite. Michael Abrash, der lange Jahre bei id Software gearbeitet hat und dann bei Valve unter anderem für Virtual Reality zuständig war, ist ab sofort neuer Chief Scientist bei Oculus VR. Dort soll er sich unter anderem um Grundlagenforschung kümmern. "Die Ressourcen und die langfristige Unterstützung von Facebook geben Oculus die Möglichkeit, einige der großen Herausforderungen von VR zu lösen - und einige sind tatsächlich sehr groß", so Abrash.

Eher unerwartet hat sich übrigens noch ein weiterer Branchenprominenter zu Wort gemeldet: Cliff Bleszinski, ehemals Chefdesigner bei Epic Games, hat sich in seinem Blog zu der Angelegenheit geäußert, ebenso wie Markus Persson (der seinen Stopp der Minecraft-Version für Oculus Rift nachträglich per Blog ausführlicher erklärt hat). Bleszinski schreibt nun zu Persson, der "Minecraft-Rückzug lässt dich wie ein trotziges Kind aussehen, das seinen Ball nimmt und nach Hause geht."  (ps)


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