Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gnome-3-12-angesehen-wayland-laesst-weiter-auf-sich-warten-1403-105396.html    Veröffentlicht: 26.03.2014 18:58    Kurz-URL: https://glm.io/105396

Gnome 3.12 angesehen

Wayland lässt weiter auf sich warten

Neben einer fortschreitenden Unterstützung für das Wayland-Protokoll bietet Gnome 3.12 vor allem Design-Anpassungen der Anwendungen Totem oder Gedit sowie kleinere Verbesserungen.

Bereits in dem vor einem halben Jahr erschienenen Gnome 3.10 konnten interessierte Nutzer die Gnome-Shell unter Wayland benutzen. Dafür mussten die notwendigen Dateien noch selbst kompiliert werden. Ursprünglichen Plänen zufolge sollte Gnome 3.12 das Wayland-Protokoll voll unterstützen, doch diesen Plan mussten die Entwickler wegen zu vieler Fehler verwerfen. Deshalb steht die Verwendung von Wayland in Gnome 3.12 als technische Vorschau bereit.

Gnome lässt sich aber nur wenig einfacher als bisher unter Wayland benutzen. So ist etwa der Wayland-Zweig der Fensterverwaltung Mutter noch nicht offiziell integriert. Außerdem kann die Gnome-Shell zwar als Wayland-Compositor genutzt werden, allerdings sind nur Grundfunktionen auf Wayland portiert, wie etwa die Nachrichtenleiste oder die Konfiguration des Displays.

Probleme haben die Entwickler mit verschiedenen Eingabemöglichkeiten. So werden etwa Zeichentablets oder auch Drag-and-Drop noch nicht unterstützt. Darüber hinaus sind auch noch nicht alle Bestandteile des Protokolls implementiert, die Vollbild-Anwendungen betreffen. Zum Testen einer Wayland-Session sollte es ausreichen, den entsprechenden Menüpunkt bei der Anmeldung auszuwählen. Das funktioniert derzeit aber nur mit freien Treibern und auch dann nicht immer zuverlässig.

Apps in neuem Gewand

Dem Gnome-3-Design folgend ist die Oberfläche der aktuellen Version des Mediaplayers Totem komplett neu gestaltet worden und heißt jetzt Videos. Neben einer übersichtlichen Auflistung der auf dem Rechner vorhandenen Filme, lassen sich mit dem Player auch einige Webressourcen benutzen, welche über den Tab "Channels" verfügbar sind. Darin sind etwa die Filmangebote des britischen Guardian, Blip.tv oder auch die von Apple bereitgestellten Filmtrailer integriert.

Als "radikalste UI-Änderung der vergangenen Jahre" beschreibt der Entwickler Ignacio Casal Quinteiro die Veränderungen an dem Editor Gedit. Dieser folgt nun ebenfalls dem Gnome-3-Design. Die Oberfläche soll dadurch moderner und durchdachter wirken und zudem weniger Platz auf dem Bildschirm verschwenden, so dass sich die Programmierer besser auf ihre Arbeit konzentrieren können.

Neu im Portfolio der Gnome-Anwendungen ist ein kleines Werkzeug, das darauf ausgelegt ist, das Systemd-Journal einfach darzustellen. Logs, so der Name der Software, teilt die Nachrichten in die Kategorien Anwendungen, System, Hardware oder auch Wichtig ein.

Browser, Appstore und andere Kleinigkeiten

Neu gestaltet ist auch die Oberfläche des Gnome-Browsers. Die Kopfleiste der Anwendungen zeigt nun den Titel sowie die Adresse der besuchten Seite an. Erst nach einem Klick in den Bereich, verändert sich die Leiste zu einer tatsächlichen Adressleiste, in der die URL wie gewohnt bearbeitet werden kann. Die Übersicht der geöffneten Seiten wird nun durch eine dynamische HTML-Seite umgesetzt und das Team hat auch viele der Dialoge des Browsers leicht verändert. Wie aus Chrome bekannt, läuft nun auch jeder Tab in einem eigenen Prozess.

Der mit Gnome 3.10 erstmals hinzugefügte Appstore Software bietet nun für fast alle gelisteten Anwendungen auch Screenshots und darüber hinaus eine autogenerierte Bewertung, die mit Hilfe von Sternen ausdrückt, wie gut die gelistete Anwendung in die Gnome-Desktop-Umgebung integriert ist. Das mag zwar hilfreich sein, ist aber nicht intuitiv umgesetzt, da die Sterne stark an Nutzer generierte Bewertungen erinnern.

Mit Software können Nutzer ab sofort auch ihre Paketquellen verwalten und manuell nach Updates suchen. Die Update-Übersicht zeigt in der neuen Version eine Zusammenfassung der Aktualisierungen einzelner Pakete an, sofern die Metadaten in den Quellen dafür vorhanden sind. Dazu zählen neben den obligatorischen Versionssprüngen auch veränderte Abhängigkeiten oder grundlegende Informationen. Über den Knopf mit dem kleinen Häckchen lassen sich die installierten Anwendungen zumindest teilweise für die Übersicht in der Gnome-Shell in Ordner sortieren.

Weitere Kleinigkeiten

Auf Basis einer von Intel durchgeführten kleinen Nutzerstudie ist das Initial Setup von Gnome verändert worden. Es wurden Anpassungen am Wortlaut der Tafeln vorgenommen, die Erstnutzer von Gnome zu sehen bekommen, um Einstellungen vorzunehmen. In Gnome 3.10 als Vorschau enthalten war die neue Musik-Anwendung. Dieser fehlte aber unter anderem noch eine Playlist um gut benutzbar zu sein. Eine solche haben die Entwickler nun implementiert.

Der Geolokationsdienst verwendet nicht mehr nur die IP-Adresse, sondern auch die Informationen von Mobilfunkmasten bei der Verwendung eines UMTS-Moduls sowie den Mozilla Location Service bei WLAN-Nutzung. Greift eine Anwendung auf den Lokationsdienst zu, wird dies über ein Status-Icon dargestellt. Die Bluetooth-Einstellungen hat das Team ebenfalls überarbeitet.

Das Toolkit GTK+ beinhaltet nun ein Modul für den Cloud-Print-Dienst von Google, Dialog-Fenster erlauben jetzt ebenfalls die neuen Header-Bars, Anwendungen können leicht Popover in ihre Menüs integrieren und auch die Tabs wurden angepasst.

Weitere Änderungen finden sich in den Release-Notes von Gnome 3.12. Die Desktop-Umgebung steht ab sofort zum Download im Quellcode bereit. Für Fedora 20 stehen Pakete in einem Repository von Entwickler Richard Hughes bereit.  (sg)


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