Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/netzneutralitaet-netflix-warnt-vor-willkuergebuehr-durch-provider-1403-105302.html    Veröffentlicht: 21.03.2014 13:06    Kurz-URL: https://glm.io/105302

Netzneutralität

Netflix warnt vor "Willkürgebühr" durch Provider

Netflix-Chef Hastings fordert eine "starke Netzneutralität", damit Streamingdaten seine Kunden in hoher Qualität erreichen. Für bessere Interconnection sollten nur Provider zahlen.

Netflix-Chef Reed Hastings will die Provider auf Dauer nicht für eine bessere Streamingqualität bezahlen. In einem ausführlichen Blogbeitrag forderte der Chef des Videoportals eine "starke Netzneutralität", damit Kabelnetzbetreiber wie Comcast oder AT&T die Vorlieben ihrer Kunden nicht "einschränken, beeinflussen oder sich auf andere Weise darin einmischen". Nach Ansicht des Netflix-Chefs verhindert eine starke Netzneutralität, dass die Serviceprovider eine "Mautgebühr für Verbindungen mit Diensten wie Netflix, Youtube oder Skype oder Vermittlern wie Cogent, Akamai oder Level 3 verlangen, um die von den Kabelnetzkunden gewünschten Dienste und Daten zu liefern".

Netflix hatte vor einigen Wochen eine Kooperation mit Comcast abgeschlossen, die den Netflix-Kunden innerhalb des Comcast-Netzes einen besseren Zugang zu den gestreamten Videos garantieren soll. Hintergrund sind Streitigkeiten zwischen den Kabelnetzanbietern und den großen Backbone- und CDN-Betreibern über Ausgleichszahlungen für Ungleichgewichte beim Datenaustausch. Da sich Comcast zudem weigerte, kostenlos mit dem Content Delivery Network (CDN) von Netflix zu peeren, sah sich das Portal offenbar gezwungen, einen kostenpflichtigen Deal einzugehen. Der Netflix-Chef warnt davor, dass auch kleinere Anbieter in Zukunft von dieser "Willkürgebühr" betroffen sein könnten.

Provider sollen Übertragungsrate immer garantieren

Hastings setzt in seinem Beitrag die Interconnection der Netzwerke mit der Netzneutralität gleich. "Einige größere ISPs, wie Cablevision, praktizieren bereits eine starke Netzneutralität und für ihre Breitbandkunden ist die Qualität von Netflix und anderen Streamingdiensten hervorragend." Mit anderen Worten: Wer sich wie Cablevision am kostenlosen Open-Connect-Programm von Netflix beteiligt, steht nach Ansicht Hastings für eine starke Netzneutralität. Dabei räumt Hastings selbst ein, dass Netflix bei Comcast keinen bevorzugten Zugang gegenüber Wettbewerbern erhält, sondern lediglich für das Peering bezahlt.

Netzneutralität ist jedoch vor allem dadurch definiert, dass der Traffic eines jeden Anbieters gleichbehandelt und bestimmte Inhalte nicht bevorzugt durchgeleitet werden. Für Streamingportale wie Netflix soll Netzneutralität laut Hastings bedeuten, dass die Provider ihren Kunden einen bestimmten Datendurchsatz in jedem Fall garantieren müssen, ganz gleich, von welchem Diensteanbieter die Daten angefordert werden. "Wenn ein ISP einem Nutzer eine Verbindung mit 10 oder 50 Mbit/s verkauft, sollte der Nutzer diese Rate auch bekommen, egal, wo die Daten herkommen."

Hastings dreht in seinem Beitrag sogar den Spieß um: "Netflix schüttet das Netz nicht mit Daten zu. Es befriedigt Bedürfnisse von Kabelnetzkunden, die viel Geld für ein schnelles Internet ausgeben. Netflix sendet erst dann Daten, wenn ein Kunde einen Spielfilm oder eine Fernsehsendung abruft." Da die Netzbetreiber Netflix nicht an ihren Umsätzen beteiligen würden, sei es auch nicht sinnvoll, dass Netflix sich an deren höheren Kosten wegen des gestiegenen Datentraffics beteiligen müsse.

In nächster Zeit werde Netflix wohl nicht vermeiden können, "widerwillig" große Netzbetreiber für einen besseren Zugang zu bezahlen, räumte Hastings ein. Aber sein Unternehmen werde weiter für ein Internet kämpfen, das die Welt brauche und verdiene.  (fg)


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