Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/stanford-experiment-metadaten-verraten-intimste-details-des-privatlebens-1403-105253.html    Veröffentlicht: 19.03.2014 18:13    Kurz-URL: https://glm.io/105253

Stanford-Experiment

Metadaten verraten intimste Details des Privatlebens

Zwei Wissenschaftler der Universität Stanford haben die Verbindungsdaten von freiwilligen Teilnehmern einer Studie gespeichert. Zusammen mit anderen, öffentlich zugänglichen Informationen konnten sie Rückschlüsse auf privateste Dinge ziehen.

Die Studenten Jonathan Mayer und Patrick Mutchler von der Stanford-Universität bereichern die Debatte um die Speicherung von Metadaten mit einem eindrucksvollen Experiment. Seit Jahren wird darüber gestritten, ob Informationen darüber, wer mit wem wie lange gesprochen hat, eher unverfänglich sind oder ob mit ihrer Hilfe Bürger tatsächlich ausspioniert werden können. In Deutschland steht dafür seit Jahren die Vorratsdatenspeicherung in der Kritik, und auch in den USA regt sich durch die NSA-Spähaffäre inzwischen Widerstand.

Mit den Methoden eines Geheimdienstes, aber stets mit Wissen der Beteiligten, gingen auch die beiden Stanford-Wissenschaftler vor. Dazu haben sie im November 2013 das Programm Metaphone bei Google Play veröffentlicht. Die Android-App speichert Metadaten von Anrufen, Chats und auch vom Facebook-Profil des Nutzers. Die Inhalte der Kommunikation würden ausdrücklich nicht gespeichert, so die Forscher auf der Projektseite. Die ersten Ergebnisse der Studie liegen nun vor, worauf die Süddeutsche Zeitung hinweist. Weitere Details sind zudem bei Stanford selbst einsehbar.

Wie schnell große Personenkreise einer solchen Überwachung wie durch Metaphone betroffen sein können, zeigt schon eine einfache Zahl: Nur 546 Teilnehmer hat die Studie nach dem Bericht bisher, diese riefen jedoch bei knapp 34.000 Nummern an. Gut 6.100 dieser Nummern ließen sich durch Nutzung öffentlicher Verzeichnisse wie Google Places oder Yelp einer bestimmten Einrichtung zuordnen.

Die Wissenschaftler machten sich damit gezielt auf die Suche nach sehr persönlichen Informationen, die sich durch die Verknüpfung von Metadaten mit anderen Quellen finden lassen.

Ein langes Telefonat mit dem Schwesterherz

Dazu hier nur zwei Beispiele: Eine Teilnehmerin telefonierte morgens lange mit ihrer Schwester. Zwei Tage danach rief sie mehrere Stellen für Schwangerschaftsberatung an, und zwei Wochen danach noch einmal. Einen Monat später tätigte sie einen letzten Anruf bei einer der Stellen. Dieses Verhalten legt nahe, dass es sich um eine ungewollte Schwangerschaft und möglicherweise um einen Abbruch handelte, die Wissenschaftler verzichteten aber darauf, diese These zu überprüfen.

Ein anderer Proband kontaktierte im Zeitraum von drei Wochen einen Baumarkt, einen Schlosser sowie Firmen, die Hydrokulturgeräte vertreiben und einen Fachhändler für Drogenzubehör. Auch hier ist der Schluss leicht zu ziehen: Offenbar wollte sich da jemand eine eigene Marihuana-Plantage anlegen. Auch hier überprüften die Forscher ihre Mutmaßungen nicht. Sie weisen zudem darauf hin, dass die erfassten Daten "mit verhältnismäßigem Aufwand gesichert und gespeichert" werden sollen. Die Studie soll im Juni 2014 enden. Ob die Daten danach gelöscht werden, ist nicht bekannt.

Während die Forscher den politischen Schlussfolgerungen der Debatte um Metadaten nicht vorgreifen wollen, stellen sie schon jetzt fest: "Die Wissenschaft zeigt eindeutig: Die Metadaten von Telefonen sind hoch sensibel."  (nie)


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