Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/planetenforschung-wellen-auf-dem-saturnmond-titan-1403-105252.html    Veröffentlicht: 19.03.2014 17:53    Kurz-URL: https://glm.io/105252

Planetenforschung

Wellen auf dem Saturnmond Titan

Zum Surfen reicht es zwar nicht. Doch sollten sich die Beobachtungen eines US-Planetologen bewahrheiten, hat die Sonde Cassini erstmals Wellen auf einem fremden Himmelskörper fotografiert.

Gibt es Wellen auch auf anderen Himmelskörpern? Die Sonde Cassini hat auf Titan das Glitzern von Sonnenlicht erfasst. Es wären die ersten Wellen, die außerhalb der Erde gesichtet wurden, berichtet die Fachzeitschrift Nature.

Titan ist der größte Mond des Planeten Saturn. Auf Titan gibt es mehrere Seen - auf der Oberfläche von einem, Punga Mare, hat Cassini in den Jahren 2012 und 2013 das verräterische Blinken entdeckt. Dafür seien winzige Kräuselungen verantwortlich, erklärt Jason Barnes.

Leicht gekräuselt

Der Planetologe von der Universität in Moscow im US-Bundesstaat Idaho stellt seine Entdeckung auf der Lunar and Planetary Science Conference vor, die in dieser Woche in The Woodlands im US-Bundesstaat Texas stattfindet. Die Wellen, so berechnete er, seien allerdings sehr niedrig. Vielleicht seien sie nur um die 2 Zentimeter hoch - deutlich zu niedrig, um auf dem Mond zu surfen.

Das Glitzern, das Cassini fotografiert habe, gleiche jenem, das aus einem Flugzeug zu sehen sei, wenn es in der Abenddämmerung über ein Gewässer fliege. Das Glitzern sei auf vier Pixeln heller, als es von einer Sonnenreflexion auf einer glatten Oberfläche zu erwarten sei, sagte Barnes auf der Konferenz. Daraus schließt er, dass es sich um Wellen handele.

Reflexionen auf Ligeia Mare

Im vergangenen Jahr hatten Forscher um den Planetologen Jason Hofgartner von der Cornell Universität in Ithaca im US-Bundesstaat New York schon einmal eine helle Reflexion auf dem See Ligeia Mare entdeckt, das auf später aufgenommenen Fotos nicht zu sehen war. Auch Hofgartners Team spekulierte, ob es sich um Wellen handelte.

Die Seen sind nicht mit Wasser, sondern mit Kohlenwasserstoffen wie Methan oder Ethan gefüllt, die wegen der Temperaturen von -180 Grad Celsius flüssig sind. Cassinis Bilder sind die ersten, die Hinweise auf Bewegungen auf den Seen geben. Bisher hatten diese eher so glatt wie Glasflächen ausgesehen. Ein Grund könnte sein, dass die flüssigen Kohlenwasserstoffe zähflüssiger sind als Wasser.

Wind zu schwach

Ein andere Erklärung könnte sein, dass der Wind auf Titan - der Mond hat eine Atmosphäre - nicht stark genug ist, um die Seeoberflächen deutlicher zu kräuseln. Eine Zusammenhang könnte auch mit der Jahreszeit bestehen: Derzeit herrscht auf Titan noch Winter. Planetologen glauben, dass der Wind mit dem Frühling zunehmen werde.

Stimmt die Annahme, müsste Cassini künftig mehr Glitzern auf den Titan-Seen sehen: Der Frühling auf Titan bricht nämlich nach einem langen Winter an. Ein Jahr auf Saturn und seinen Monden dauert 29 Erdenjahre. Cassini befindet sich seit 2004 im System des Saturn, hat also noch keinen Frühling dort erlebt.

Farbbilder von der Erde

Die Sonde soll noch bis 2017 um den Saturn kreisen und dann auf dem Planeten abstürzen. Allerdings wurde die Mission bereits mehrfach verlängert. Im Juli 2013 nahm Cassini spektakuläre Farbbilder von der Erde und dem Mond aus etwa 1,5 Milliarden Kilometern auf. Auf den hochauflösenden Aufnahmen erscheint die Erde als fahlblauer Punkt, daneben der Mond als kleinerer, heller Punkt.

Unser Planet lässt sich von den äußeren Regionen des Sonnensystems aus nur schwer fotografieren: Von dort aus gesehen ist die die Erde in der Nähe der Sonne. Wird die Kamera eines Raumfahrzeuges auf die Sonne gerichtet, kann das grelle Licht den Sensor der Kamera schädigen. Cassini stand zu dem Zeitpunkt aber so, dass der Saturn die Sonne verdeckt.  (wp)


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