Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/raumfahrt-kickstarter-minisatelliten-sind-startklar-spacex-nicht-1403-105163.html    Veröffentlicht: 14.03.2014 17:54    Kurz-URL: https://glm.io/105163

Raumfahrt

Kickstarter-Minisatelliten sind startklar - SpaceX nicht

Neben Nahrung für die ISS-Besatzung wird die Falcon 9 des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX einen Kleinsatelliten ins All transportieren, der wiederum viele Minisatelliten aussetzen soll. Der für Sonntag geplante Start verzögert sich allerdings um zwei Wochen.

In Kürze startet das US-Raumfahrtunternehmen Space Explorations Technologies (SpaceX) den dritten regulären Versorgungsflug (Commercial Resupply Service 3, CRS-3) zur Internationalen Raumstation (International Space Station, ISS). Die Trägerrakete Falcon 9 wird nicht nur die Raumfähre Dragon ins All transportieren, sondern auch Minisatelliten. Der Termin für den Flug wurde allerdings kurzfristig um zwei Wochen verschoben.

Kicksat heißt das Projekt, das sich Zachary Manchester und Kollegen von der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York ausgedacht haben. Das Ziel: Raumschiffe zu entwickeln und ins All zu schießen, die sich jedermann leisten kann. 2011 warben die Initiatoren mit einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne für den Start.

Quadratischer Siliziumchip

Sprite heißen die Satelliten, die aus einem quadratischen Siliziumchip mit 3,5 Zentimetern Kantenlänge bestehen. Auf dem Chip sitzen ein oder zwei Mikrocontroller, Solarzellen für Energieversorgung, ein Sensorchip sowie ein Funkmodul und zwei Antennen für die Kommunikation.

Die Sprites senden alle auf der Frequenz 437,24 Megahertz und nutzen das Multiplexverfahren Code Division Multiple Access (CDMA). Der Funkchip hat eine Sendeleistung von 10 Milliwatt. Die Daten werden vom Kontrollzentrum der Sprites an der Cornell Universität empfangen. Die Minisatelliten sind nur funktionsfähig, wenn sie von der Sonne beschienen werden.

Cubesat als Transporter

200 Sprites soll die Dragon mitnehmen. Sie werden in einem Cubesat transportiert, der sie aussetzen wird. Cubesats sind 10 x 10 x 10 Zentimeter groß und wiegen maximal 1 Kilogramm. Die Kleinsatelliten sind standardisiert und können in einer dafür entwickelten Startvorrichtung als Sekundärnutzlast ins All transportiert werden.

Cubesats gibt es auch als 2er- oder 3er-Einheit. Manchester und seine Kollegen werden für ihr Projekt einen Cubesat3 nutzen. Er wird 16 Minuten nach dem Start und etwa 6 Minuten nach der Abtrennung der Dragon von der Trägerrakete ausgesetzt. Auf ein Funksignal von der Erde wird der Cubesat die Sprites ausgeben. Das hätte laut Manchester am 2. April passieren sollen. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.

Die Sprites werden nach spätestens sechs Wochen in der Atmosphäre verglühen, voraussichtlich aber schon früher. Der Cubesat wird etwas länger im Orbit bleiben, bevor ihn das gleiche Schicksal ereilt.

Der Drache fliegt später

Die Dragon sollte am 16. März 2014 an Bord einer Falcon-9-Trägerrakete vom Startplatz Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abheben und zwei Tage später an der ISS andocken. In der Nacht zum 14. März teilte SpaceX jedoch mit, dass die Mission verschoben werde. Der neue Starttermin ist der 30. März. Einen Ausweichtermin gibt es am 2. April.

Einen Grund für die Verschiebung hat SpaceX nicht genannt. "Sowohl Falcon 9 als auch Dragon geht es gut", erklärte das Unternehmen. Angesichts wichtiger Nutzlast und bedeutender Neuerungen an der Dragon werde "durch die zusätzliche Zeit sichergestellt, dass SpaceX auf dem Boden alles macht, was möglich ist, um einen erfolgreichen Start vorzubereiten."

Die Raumfähre wird knapp 2,1 Tonnen an Nutzlast zur ISS bringen. Darunter ist neben Versorgungsgütern für die ISS-Besatzung auch Material für über 150 wissenschaftliche Projekte, die für die ISS-Expeditionen 39 und 40 geplant sind. Auf dem Rückflug wird sie etwa 1,6 Tonnen Nutzlast mit zur Erde bringen.

Test mit Beinen

Die Falcon 9 wird erstmals mit vier Beinen aus Aluminium und Stahl ausgestattet, auf denen die erste Stufe der Trägerrakete künftig landen soll. Allerdings wird die Falcon selbst nicht darauf landen. Geplant ist lediglich ein kontrollierter Abstieg. Die Rakete soll im Atlantik wassern.

SpaceX will seine Trägerraketen künftig senkrecht stehend landen lassen, so dass sie schnell für den nächsten Einsatz vorbereitet werden können. Auf- und Abstieg testet SpaceX mit der experimentellen Rakete Grasshopper. Ende September 2013 testete SpaceX nach einem Satellitentransport den kontrollierten Abstieg mit einer Falcon 9v1.1, einer weiterentwickelten Version der Falcon 9.

Beim Abstieg wurden drei der Triebwerke erneut gezündet, um die Rakete sicher wieder in die Atmosphäre eintreten zu lassen. Kurz vor dem Wassern wurden die Triebwerke noch einmal gezündet. Dabei sollte die Rakete fast vollständig abgebremst werden, um dann sanft in den Pazifik zu fallen. Dabei wurde die Rakete jedoch instabil, weshalb das Triebwerk ausging und die Rakete auf dem Wasser zerschellte.  (wp)


Verwandte Artikel:
Raumfahrt: SpaceX testet die Triebwerke der Falcon Heavy   
(25.01.2018, https://glm.io/132375 )
Boeing und SpaceX: ISS bald ohne US-Astronauten?   
(19.01.2018, https://glm.io/132264 )
Starlink: SpaceX testet Internetsatelliten   
(14.02.2018, https://glm.io/132764 )
Raumfahrt: Sprite - der Satellit für jedermann   
(11.10.2011, https://glm.io/86958 )
Jan Wörner (Esa): Trumps Idee einer ISS-Privatisierung ist unrealistisch   
(13.02.2018, https://glm.io/132751 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/