Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hearthstone-im-test-warcraft-helden-durchgemischt-und-ausgespielt-1403-105141.html    Veröffentlicht: 14.03.2014 14:02    Kurz-URL: https://glm.io/105141

Hearthstone im Test

Warcraft-Helden durchgemischt und ausgespielt

Free-to-Play von Blizzard - das ist neu! Während die Entwickler für World of Warcraft noch immer monatlich zur Kasse bitten, bieten sie ihren Kartenspielableger Hearthstone sogar kostenlos an. Unser Test erklärt, welche Spieler dennoch die digitale Brieftasche zücken sollten.

Die finale Version von Hearthstone - Heroes of Warcraft kam durch einen Patch über Nacht. Mit dem Update 1.0.0.4944 brachte Blizzard das Sammelkartenspiel aus den Tiefen der offenen Beta ans Free-to-Play-Tageslicht. Wären wir nicht über den Werbeschriftzug "Willkommen zum Hearthstone-Start" im Battle.net-Launcher gestolpert, hätten wir die offizielle Veröffentlichung wohl verpasst. So still und heimlich dürfte noch nie ein Blizzard-Spiel seit The Lost Vikings gestartet sein.

Wie es der Untertitel verrät, treten in Hearthstone zwei Spieler in Gestalt eines von neun Warcraft-Helden gegeneinander an. Das Sammelkartenspiel ähnelt von seiner Mechanik bekannten Genregrößen wie dem Klassiker Magic - The Gathering. Analogien zu Solforge oder Scrolls sind ebenfalls offensichtlich.

Jeder Spieler startet mit 30 Lebenspunkten. Mit Hilfe von Kreaturen und Zaubersprüchen versuchen Spieler das Lebenspunktekonto des Gegners rundenweise auf 0 zu bringen. Karten kosten Mana. Der Mana-Pool eines jeden Spielers startet bei 1 und erhöht sich mit jedem vergangenen Spielzug um ein Mana, bis auf maximal 10. Das eigene Deck besteht aus 30 Karten. Eine typische Partie dauert zwischen 7 und 15 Minuten.

Alle Karten stammen aus dem Warcraft-Universum - World of Warcraft im Speziellen. So verwandelt sich Druide Malfurion Stormrage gerne mal in einen Bär, um selbst in den Kampf einzugreifen, Schamane Thrall haut heftig mit seinem Doomhammer zu. Alle Karten in Hearthstone sind in der einen oder anderen Form auch in World of Warcraft zu finden und umgekehrt.

Das kostet Eintritt!

Das Herzstück von Hearthstone ist die Arena. In diesem intelligent erdachten Modus dürfen Spieler erst dann antreten, wenn sie eine Eintrittsgebühr bezahlt haben. Ein Ticket für die Arena kostet 1,79 Euro oder 150 Goldmünzen, der Spielwährung.

Das Motivierende an Arenakämpfen sind die zufällig und individuell erstellten Decks, mit denen alle antreten. Im Deck-Builder werden dem Spieler 30-mal drei Karten angeboten, aus denen er eine für sein Deck auswählen darf. Oft sind seltene und sehr seltene Karten mit im Angebot. Diese auszuspielen ist natürlich eine besondere Freude.

Blizzard kennt die guten Decks

Doch viel wichtiger, als ein paar Lieblingskarten in petto zu haben, ist natürlich ein gut austariertes Deck. Blizzard wertet alle Spiele aus und kennt gute Decks. Deshalb sind die Kartenvorschläge in der Regel so intelligent, dass Spieler zum Beispiel mit einem Rush-Deck samt zahlreicher Murlocs oder einem mächtigen Heilungs- und Verteidigungsdeck an den Start gehen.

Mit diesen spontan erstellten Decks sind die Partien angenehm unberechenbar und sehr fair. Das Deck behält der Spieler so lange, bis er damit drei Mal verloren hat. Je nachdem, wie viele Siege er erspielt hat, gibt es am Ende mehr oder weniger Prämien wie Boosterpacks (Karten), Staub (zum Erstellen von Karten) und Gold (für den Erwerb von Boosterpacks oder den erneuten Eintritt in die Arena).

Geld ausgeben oder nicht?

Solange wir die Wahl unserer Gegner Blizzard überlassen, haben wir einen stetigen Wechsel aus Siegen und Niederlagen erlebt - eine kleine Serie war ebenfalls drin. Dass es aber doch deutliche Unterschiede in der Stärke der Karten gibt, merken wir, wenn wir mit einem simplen Starter-Deck gegen einen Freund antreten, der bereits etliche Stunden oder viel Geld in Hearthstone investiert hat.

Es ist nicht unmöglich, mit den Starter-Decks gegen Veteranen zu gewinnen, allerdings benötigt es dann viel Glück beim Kartenziehen.

Genau wie bei anderen gut designten Free-to-Play-Titeln ist es auch bei Hearthstone motivierend zu versuchen, so wenig Geld wie möglich auszugeben und trotzdem den maximalen Spaß herauszukitzeln. Nachdem aber drei, vier Helden aufgelevelt waren und wir ein gutes Gefühl dafür entwickelt hatten, wie andere Decks funktionieren könnten, wollten wir diese auch bauen. Ohne Einsatz von Echtgeld stellten wir uns das kreative Basteln dieser Decks aber sehr schleppend vor.

Nach dem Erwerb von 15 Boosterpacks für 18 Euro sah das schon anders aus. Goldene Karten, die wir nicht brauchten, wandelten wir in Staub um. Mit dem Staub erschufen wir uns die fehlenden Karten für ein "IT-News-Deck", das selbstverständlich hauptsächlich aus zahlreichen Golem.de-Kreaturkarten bestand.

War uns das 18 Euro wert? Ja. Spieler, die wissen, wie anfällig sie für diese Art von Sammelkartenspielen sind, dürften sich über die Investition von 45 Euro ebenfalls nicht ärgern. Wer nur ab und an in der Arena zu fairen Bedingungen antreten will, schafft das auch, ohne einen Cent zu investieren. Tägliche Missionsziele und Siege im Casual-Modus bringen genügend Gold für ein paar Züge in der Arena pro Woche.

Schöne digitale Karten

An der Balance hat Blizzard seit der Beta nicht mehr viel geschraubt. Zwei Karten wurden leicht abgeschwächt, ansonsten gab es nur Bugfixes und kleinere optische Verbesserungen. In seltenen Fällen blieben auf Macs in der Beta beispielsweise Karten am Bildschirmrand hängen. Minimale Grafikfehler wie diese traten in unserem Test allerdings auch jetzt noch auf.

Abgesehen von solchen Kleinigkeiten wirkt Hearthstone aber sehr rund und ausgereift. Die Artworks auf den Karten sind wunderschön und auf seltenen Goldkarten sogar schick animiert. Auch beim Sounddesign überzeugt der Titel: Wer einen mächtigen Angriff landet, bekommt auch einen kräftigen Rumms aus seinen Lautsprechern zu hören. Einzig die Musik fängt an, uns nach circa 20 Spielstunden etwas auf den Nerv zu gehen, da wären ein paar mehr Musikstücke in der Zukunft angebracht.

Kaum grafische Unterschiede

Hearthstone ist nicht besonders hardwarehungrig. Die Leistung eines aktuellen Ultrabooks reicht für den mittleren Detailgrad in den Einstellungen. Grafische Unterschiede sind nur zwischen niedrigen und mittleren Einstellungen offensichtlich. Auf minimalen Details sind die Artworks auf den Karten grob aufgelöst. Auf maximalen Details wirken die Partikeleffekte dezent aufwendiger und die Kantenglättung wird erhöht.

Ein Chat steht den Spielern während ihrer Partie nicht zur Verfügung. Sie können sich allerdings alle paar Sekunden Emotes schicken. Die werden unserer Erfahrung nach sehr gut von der Community angenommen und genutzt. Clevere Spielzüge werden häufig mit einem "Gut gespielt" gelobt. Auch der Todesstoß wird gerne per "Sorry" oder "Ich werde dich vernichten" angekündigt. Wem die Sprüche auf die Nerven gehen, darf sie aber auch stumm schalten.

Verfügbarkeit und Fazit

Hearthstone setzt eine Registrierung im Battle.net voraus und ist kostenlos. Das Spiel ist komplett auf Deutsch lokalisiert. Wer den Titel im Original oder anderen Sprachen spielen möchte, muss den Battle.net-Client in der jeweiligen Sprache herunterladen.

Fazit

Hearthstone macht so gut wie alles richtig und fesselt Freunde von Sammelkartenspielen wie Magic: The Gathering stundenlang an den Computer (und hoffentlich auch bald ans Tablet). Der größte Coup ist Blizzard mit der Arena gelungen. Hier treffen ständig interessante Zusammenstellungen von Decks aufeinander. Dank des ausgewogenen Matchmakings wird es auch nicht frustig oder zu leicht. Das Taktieren in der Arena gefällt uns mit Abstand am besten in Hearthstone - und das nicht nur, weil es da die besten Belohnungen zu gewinnen gibt.

Zu kritisieren gibt es wenig: Bei der Musikauswahl sollte Blizzard noch ein paar weitere Stücke nachschieben. Ein lokaler LAN-Modus ohne Onlinezwang wäre ebenfalls wünschenswert. Ansonsten spricht eigentlich nur eine absolute Warcraft-Phobie dagegen, Hearthstone eine Chance zu geben.  (mw)


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