Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-dark-souls-2-sterben-im-minutentakt-1403-105090.html    Veröffentlicht: 12.03.2014 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/105090

Test Dark Souls 2

Sterben im Minutentakt

Ein sehr hoher Schwierigkeitsgrad, durchschnittliche Optik, eine nicht immer nachvollziehbare Story: Auf den ersten Blick verspricht Dark Souls 2 wenig Spaß. Wer das Abenteuer eines Untoten aber als Herausforderung sieht, kommt ganz auf seine Kosten.

Ein Untoter, der alles verloren hat, zieht ins Gefecht, um möglichst viele Seelen zu sammeln und der eigenen Verdammnis zu entgehen: Das ist die Hintergrundgeschichte von Dark Souls 2. Was es allerdings genau mit der Spielwelt Drangleic auf sich hat, was die anderen Bewohner umtreibt, wer Schuld an der düsteren Lage hat und was überhaupt die nächste zu lösende Aufgabe ist, will sich zu Beginn nicht so recht erschließen - das muss der Spieler schon selbst herausfinden.

Das Rollenspiel von From Software beginnt mit der Wahl der Spielklasse. Zur Auswahl stehen etwa Krieger, Ritter und Zauberer mit jeweils eigenen Stärken und Schwächen. Dem Spieler ist es aber trotz der anfänglichen Entscheidung weitgehend selbst überlassen, die Hauptfigur im weiteren Verlauf in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Danach geht es los mit Erkunden und Kämpfen, ein Tutorial führt in die grundlegende Spielmechanik ein. Schon früh wird dabei klar: Auch diesmal ist der eigene Tod eines der am häufigsten vorkommenden Spielereignisse.

Wer gehofft hatte, die Entwickler von From Software würden den Schwierigkeitsgrad des Vorgängers spürbar senken, sieht sich bald enttäuscht. Auch in Dark Souls 2 wird fast wie am Fließband gestorben. Ein bestimmtes Gebiet mit zu niedrigem Level betreten oder einmal nicht auf die Umgebung geachtet: Schon steckt ein Dolch oder ähnlich tödliches Equipment im Körper des Protagonisten. Frustmomente sind somit an der Tagesordnung, zumal mit jedem Tod auch seine Energieleiste kleiner wird und nur mit viel Mühe wieder vergrößert werden kann, was den Erkundungstrieb gerade zu Beginn merklich dämpft.

Dark Souls 2 gelingt es allerdings wie schon dem Vorgänger, den Spielablauf so spannend und das eigene Vorgehen so offen zu gestalten, dass trotz regelmäßiger Misserfolge die Motivation nicht verloren geht. Dabei ist das Spielprinzip zunächst genretypisch angelegt: Es gilt immer wieder, neue Gebiete zu bereisen, Kontrahenten zu erledigen, Seelen einzusammeln und die dann wiederum zu investieren, etwa in Ausrüstung und Waffen oder Charakterwerte.

Aber es gilt eben auch: In wenigen anderen Spielen ist die Anspannung vor dem nächsten Gegner, die Entscheidung über das nächste zu bereisende Gebiet und die freudige Erwartung vor dem nächsten Bereich so groß und aufregend wie hier.

Das Start-Dorf Majula ist noch recht beschaulich, obwohl auch hier schon die im ganzen Spiel herrschende Beklemmung das Szenario bestimmt. Der Spieler kehrt an diesen Ort auch immer wieder zurück - nur in Majula kann der Charakter aufgelevelt werden. Von dort aus geht es in düstere Wälder, finstere Dungeons, an einen Piraten-Kai und in Höhlen. Es wird durch Wasser gewatet und durch Verließe geschlichen, am Himmel kreisen Drachen, am Horizont tauchen beeindruckende Schlösser auf, überall künden Ruinen und Artefakte von den einstigen Geschehnissen, die erst nach und nach durch Hinweise und Anekdoten von Kartographen, mysteriösen Frauen, Hexen und Rittern rekonstruiert werden können.

Einfallsreiche Gegner und das Fazit

Die Kulisse liefert einen Spannungspunkt nach dem anderen. Wer sie erfolgreich durchwandern möchte, muss die Umgebung nahezu auswendig lernen. Erst, wenn wirklich bekannt ist, was in einer bestimmten Kiste lauert, hinter der nächsten Ecke wartet, die Treppe runterstürzt, sich in der Höhle versteckt oder eine geschickt getarnte Falle ist, besteht die Chance auf ein erfolgreiches Vorankommen.

Die Gegner überbieten sich erneut in Ideenreichtum - vom einfachen Zombie bis hin zum mächtigen Koloss, vom mumifizierten Ritter bis zum schwabbligen Dickwanst muss ein Boss nach dem anderen niedergestreckt werden. Das Kampfsystem ist ähnlich wie im Vorgänger gestaltet und äußerst vielseitig: Der Spieler muss blocken, ausweichen, Ausdauer im Auge haben, Gegner anvisieren und mit Hieb- und Stichwaffen attackieren oder aus der Distanz mit Armbrust oder Zauber ins Korn nehmen.

Die Möglichkeiten - natürlich in Abhängigkeit von Level und Ausrüstung - sind vielfältig, wollen aber auch im Schlaf beherrscht werden. Je größer der Kontrahent, desto fordernder das Gefecht; unfair werden die Angriffe zwar nie, wer aber nicht genau die Verhaltensweisen und Angriffsmuster der Gegner ausmacht, Fallen und Waffen geschickt einsetzt, um die wenigen sich ergebenden Schwächen zu nutzen und genau im richtigen Moment ausweicht, hat kaum eine Chance.

In ein paar Punkten ist Dark Souls 2 allerdings tatsächlich einfacher als der Vorgänger. Das Aufleveln geht schneller, bessere Ausrüstung steht früher im Spiel zur Verfügung, und das Reisen zwischen einzelnen Spielpunkten ist komfortabler. Der Held in Dark Souls 2 darf von Beginn an und nicht erst später im Spiel an Lagerfeuern von Ort zu Ort reisen. Bereits besuchte Gebiete sind zudem ab einer bestimmten Anzahl von eigenen Toden von Kontrahenten befreit und damit relativ ungefährlich zu bereisen.

Optisch macht Dark Souls 2 gegenüber dem Vorgänger kaum Fortschritte. In dem Spiel steckt zweifellos viel Liebe zum Detail, trotzdem könnten Texturen, Kollisionsabfragen und Lichteffekte überzeugender sein. Zudem ähneln einige Schauplätze und Figuren denen aus dem Vorgänger - trotz anderer Namen für Gebiete und Personen sind Parallelen immer wieder deutlich, Drangleic ist in mancher Hinsicht Lordran doch sehr ähnlich.

Der Onlinemodus war zum Testzeitpunkt noch nicht zugänglich, er soll aber dem des ersten Dark Souls ähneln - insofern wird es auch hier wieder keine klassischen Multiplayergefechte geben. Wer beim Spielen online ist, sieht dafür aber die Geister gefallener Spieler und läuft diesmal noch leichter Gefahr, von menschlichen Kontrahenten besucht und attackiert zu werden.

Dark Souls 2 erscheint am 14. März 2014 für Xbox 360 und Playstation 3. Die PC-Version folgt am 25. April 2014. Das Spiel hat von der USK eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit

Angst, Frust, Wut und Begeisterung - Dark Souls 2 ist ein Titel, der ständig Emotionen beim Spieler hervorruft, positive wie negative. Kalt lässt dieses Werk niemanden. Die zahlreichen Fans des Vorgängers könnten ein paar Details kritisieren: Der Überraschungseffekt ist nicht mehr so groß, die spielerischen und inhaltlichen Parallelen sind offensichtlich, die etwas größere Zugänglichkeit wird manchen Puristen zudem stören.

An der Qualität des Titels ändert das aber kaum etwas: Wer traditionelle Actionrollenspiele schätzt und es nicht als Bestrafung, sondern als Herausforderung versteht, mächtige Bossgegner immer und immer wieder herauszufordern, bis sie dann doch endlich besiegt sind, wird in Dark Souls 2 Hunderten eigenen Toden zum Trotz die spielerische Erfüllung und eine würdige, wenn auch nicht wirklich bessere Fortsetzung finden.  (tw)


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