Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/die-roboter-revolution-wenn-die-maschinen-kommen-1403-105085.html    Veröffentlicht: 12.03.2014 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/105085

Die Roboter-Revolution

Die Maschinen kommen

Es sind nicht nur die kleinen Gadgets, über die in Austin gesprochen wird. Das Tech-Festival South By Southwest entwirft eine Zukunft voller Roboter und intelligenter Autos.

Carl Bass versucht gar nicht erst, drumherum zu reden. Gleich die erste Frage ans Publikum sorgt für wenig Behagen. "Was tun wir, wenn sie unsere Jobs übernehmen?", fragt der Chef der Softwarefirma Autodesk - und lässt die Vorstellung für einen Moment durch den Raum schwingen. Unter dem Titel The Robot Revolution bastelt der Amerikaner an diesem Morgen seine Vision davon, wie wir schon in wenigen Jahren Seite an Seite mit intelligenten Robotern leben werden.

Es sind nicht nur die kleinen Gadgets, über die in Austin in diesen Tagen gesprochen wird. Die SXSW entwirft eine Zukunft, in der unsere Maschinen intelligenter und uns ähnlicher werden. Roboter, die uns den Kaffee reichen und Autos, die uns das Fahren abnehmen: Geht es nach den Tech-Fans in Texas, werden bald immer mehr Aufgaben von Maschinen übernommen. 2050 werde es neun Milliarden Menschen auf der Erde geben, so Bass - "und mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mehr Roboter und intelligente Maschinen".

Roboter sind überall

Staubsauger, 3D-Drucker, Drohnen - schon jetzt ist der Einfluss von Robotern auf unser Leben riesig. Auch, so Bass, wenn wir in vielen Fällen gar nicht wüssten, dass wir es mit Robotern zu tun hätten. Der Film Gravity sei vor allem von Robotern gefilmt worden, auch Chirurgen würden bei ihrer Arbeit längst von ihnen unterstützt. Und der künstliche Maler e-David der Universität Konstanz fertige innerhalb kürzester Zeit Kopien von Gemälden an, die sich vom Original nicht unterscheiden lassen. "Was gibt es eigentlich, das Roboter nicht besser können als Menschen?", fragt Bass. Besonders viel sei das nicht.

Künftig könnten Roboter laut Bass auch in Bereichen eingesetzt werden, in denen wir es heute noch nicht erwarten - etwa in der Altenpflege. "Ganz ehrlich, von wem würden Sie lieber gepflegt werden?", fragt der Amerikaner, und meint auch hier, die Antwort schon zu kennen. Vielen älteren Menschen sei es unangenehm, einen Pfleger oder Angehörigen fragen zu müssen. Ein Roboter könne nicht nur beim Waschen helfen, sondern auch feststellen, wenn der Rücken drückt - und den Patienten wenden. Peinliche Momente ausgeschlossen.

Nicht gegen, sondern mit den Maschinen arbeiten

Die Ideen, mit denen in Austin gespielt wird, sind nicht alle neu, und das Internet hat die Arbeitswelt schon jetzt verändert. Die Marktkapitalisierung der drei großen Unternehmen Google, Facebook und Apple liegt bei rund 790 Milliarden Dollar. Die Autobauer General Motors, Ford und Chrysler kamen vor 24 Jahren auf 36 Milliarden. Und während die Big Three von Detroit 1990 1,2 Millionen Menschen beschäftigten, haben die großen Drei des Silicon Valley gerade mal 130.000 Mitarbeiter.

"Wohlstand ist heute nicht mehr an so viele Menschen verteilt wie damals", sagt Bass dazu. Jobs würden verschwinden, aber gleichzeitig entstünden neue. Wer lerne, nicht gegen, sondern mit den Maschinen zu arbeiten, der werde auch in Zukunft einen Platz finden. Die Jobs, die künftig von Robotern erledigt würden, seien in den meisten Fällen "stumpf, dreckig und gefährlich" - also ohnehin "nicht die Art von Jobs, die wir uns für unsere Kinder wünschen". Die müssten sich stattdessen darauf einstellen, dass das, was sie zu Beginn ihrer Ausbildung lernten, nicht mehr für die gesamte Karriere reiche.

Wird das Auto zum größten Wearable?

Auch beim Straßenverkehr redet die Branche in diesen Tagen viel vom Wandel. Autos, die zu Robotern werden, sollen die Zahl der Verkehrstoten senken und die derzeit rund eine Milliarde Fahrzeuge effizienter nutzen. Bis zum fahrerlosen Auto, da ist man sich trotz allen Optimismus einig, ist der Weg noch weit. Aber das intelligente Auto scheint auf der SXSW zum Greifen nah. Schon jetzt bietet etwa Ford ein Developer Kit an, mit dem Hacker neue Tools entwickeln können. Und der Elektroautohersteller Tesla setzt auf eine Integration von Google Glass. Doch das ist erst der Anfang.

Das Auto, meinen viele, werde schon bald zum größten Wearable, Scheibenwischer sollen dann ebenso Daten sammeln wie Autoreifen. "Das Auto hat mehr Sensoren als je zuvor, das eröffnet ganz neue Möglichkeiten", sagt Jason Torchinsky von Gawker Media. Meteorologen könnten mit Hilfe der Informationen genauere Wettervorhersagen machen, Städte ihre Verkehrslage kontrollieren. Bald soll man sich in Mietwagen einloggen können und das eigene Profil samt Präferenzen einfach mitbringen. Die Musikanlage könnte den nächsten Song danach auswählen, wer gerade am Steuer sitzt. Informationen wie technische Störungen, erklärt Torchinsky, könnten auf der Frontscheibe angezeigt und "in einfachem Englisch erklärt werden, damit wir uns nicht auf den Mechaniker verlassen müssen".

Das vernetzte Auto

Auch Werbekunden hoffen dank der vernetzten Autos auf neue Möglichkeiten. Wenn sie ständig wissen, wo sich der Fahrer gerade aufhält, können sie gezielt den Weg zum nächsten Produkt zeigen. Nicht nur das. Wenn das Auto ständig Daten an die Umgebung funkt, könnten Unfälle in Zukunft leichter analysiert und Versicherungsprämien gesenkt werden, wenn das Fahrverhalten es zulässt. Auch neue Bezahlmodelle werden in Austin angedacht. Eine der Ideen: Man abonniert bestimmte Dienste und bekommt das Auto, genauso wie sein Smartphone, entsprechend billiger.

Langfristig soll das Auto genauso zu einer Plattform werden wie das Smartphone. Schon jetzt hat Apple erste Lizenzverträge mit Herstellern wie Mercedes geschlossen. "Bald", ist Torchinsky sicher, "werden wir unser Auto danach aussuchen, mit welchem Betriebssystem es läuft". Müssen wir uns angesichts dieser Visionen vor Hackern fürchten? Bedenken hört man hier kaum. "Ohne physischen Kontakt wird es nicht möglich sein, einfach per Smartphone die Bremsen abzuschalten", ist Torchinsky sicher. Damit ist das Thema erstmal erledigt.

Die Zukunft gehört den Maschinen

Fragen bleiben nach der Woche in Austin trotzdem. Denn je mehr Autos untereinander kommunizieren und Daten sammeln, desto unübersichtlicher werden die Daten. Viele sehen dringend Nachholbedarf, vor allem vonseiten der Politik. Die wichtigste Frage, die noch immer unbeantwortet ist: Wem gehören die Daten, die das Auto der Zukunft produziert? Dem Fahrer, dem Autobauer, der App?

Verbraucher müssten wissen, welche persönlichen Daten ihre Autos übermitteln, meint Cora Han von der Federal Trade Commission. Es seien klare Grenzen nötig, die bestimmen, welche Informationen mit wem geteilt werden dürfen. Schwierig werde es etwa, wenn Autos auffälliges Fahrverhalten automatisch an die Versicherung meldeten. "Verbraucher brauchen Transparenz, um eine wirkliche Wahl zu haben", fordert die Expertin.

In Austin sind das jedoch Randprobleme. Die Zukunft, da scheint man hier sicher, gehört den Daten und den Maschinen. Was das genau heißt? Catherine Mc Cullough von der Intelligent Car Coalition: "Das werden wir mit der Zeit herausfinden."  (ths)


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