Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-metal-gear-solid-ground-zeroes-spiele-snack-mit-snake-1403-104969.html    Veröffentlicht: 20.03.2014 14:03    Kurz-URL: https://glm.io/104969

Test Metal Gear Solid - Ground Zeroes

Spiele-Snack mit Snake

Die erste Mission ist auch die letzte: Metal Gear Solid: Ground Zeroes bietet eine gelungene Mischung aus Schleichen und Schießen sowie die ersten Hinweise auf eine potenziell packende Handlung im Anschluss. Für 30 Euro ist das trotzdem zu wenig.

Am 16. März 1975 dringt jemand in ein Gefangenenlager des US-Militärs auf Kuba ein und befreit Geiseln. Woher wir das wissen? Ganz einfach, wir sind es, die in Metal Gear Solid: Ground Zeroes in dieses Lager, Camp Omega, einbrechen. Das machen wir mit dem alten Actionhaudegen Snake, der zwei Weggefährten in Sicherheit bringen muss: den Jungen Chico und eine Frau namens Paz.

Das Lager erinnert überdeutlich an Guantanamo Bay: Die gefesselten und in Käfigen gehaltenen Gefangenen sind in orangegelbe Overalls gehüllt und tragen einen Sack als Sichtblockade über dem Kopf. In Ground Zeroes gibt es die aus Metal Gear Solid bekannte Mischung aus verfremdeter Weltpolitik und der ganz speziellen kleinen Welt von Snake und seinen Freunden und Feinden, inklusive der Gruppen "Fox" und "Xof".

Nicht alles in den glänzend inszenierten Intro- und Schlusssequenzen ist inhaltlich auf Anhieb bis ins letzte Detail verständlich. Aber das war in Metal Gear Solid noch nie kampfentscheidend - und spannend ist es allemal, auch für Serieneinsteiger.

Ground Zeroes besteht aus einer einzigen Mission, die halbwegs erfahrene Spieler in höchstens zwei Stunden durchgespielt haben. Das Ganze soll ein erster Ausblick auf das deutlich größere Metal Gear Solid: The Phantom Pain sein, das laut Serienschöpfer Hideo Kojima 2015 erscheinen und rund 200-mal so umfangreich sein soll.

Nach dem Absolvieren des Auftrags stehen nach und nach fünf weitere Einsätze zur Verfügung. Die sind deutlich kürzer und etwas schwieriger als die Hauptmission. Sie spielen im gleichen Camp Omega, allerdings zu anderen Tageszeiten. Statt in der Nacht ist Solid dann bei Tag oder in einer sehr schick ausgeleuchteten Halbdämmerung unterwegs.

In den Zusatzmissionen muss er zwei US-Marines eliminieren oder eine Kassette mit Informationen finden. In einem der Aufträge fliegt Snake erst lange per Hubschrauber über dem Camp und schaltet mit seiner MG die Verteidiger am Boden aus. Erst dann wird er abgesetzt und bringt einen verletzten Geheimagenten gegen heftigen Widerstand zum rettenden Hubschrauber. All das ist so dramatisch inszeniert, dass es stellenweise kurzweiliger ist als die Hauptmission.

In den meisten Missionen hat Snake die Wahl: Entweder er weicht Suchscheinwerfern und Wachsoldaten aus, oder er schaltet die Marines einen nach dem anderen mit Waffen aus. Schießen funktioniert in Ground Zeroes besser als in früheren Metal-Gear-Solid-Teilen. Es spielt sich dann wie ein klassischer Deckungs-Shooter, sprich: Snake verschanzt sich hinter einer der zahlreichen Barrikaden oder Absperrungen und erledigt aus dieser Stellung heraus mit dem Maschinengewehr einen Gegner nach dem anderen.

Plastik-Grafik und Fazit

Irgendwann ist auch der letzte Marine im aktuellen Teilgebiet des Camps ausgeschaltet. Wir hören per Funk, dass der Gegner die Alarmstufe senkt oder gar aufhebt und können weitermachen. Ganz bugfrei ist das Spiel nicht: Es kann durchaus passieren, dass das US-Militär mitten im Gefecht mitteilt, dass die Lage ruhig und der Alarm aufgehoben ist - was allerdings nicht wirklich störend ist.

Beim Schleichen hat Snake mit diesem Problem natürlich nicht zu kämpfen: Dann bewegt er sich um Wachsoldaten herum und erreicht seine Ziele, ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Die Hauptmission lässt sich ohne einen getöteten Gegner absolvieren, das gilt jedoch nicht für alle Zusatzeinsätze.

Der Schwierigkeitsgrad ist moderat, aber in einem zweiten Durchgang können Spieler in der Stufe "extrem" unter härteren Bedingungen antreten. Eine detaillierte Übersichtskarte des Lagers sowie eine Reihe von Dokumenten, die für Snake im Einsatz mehr oder weniger hilfreich sind, stehen jederzeit auf Tastendruck zur Verfügung. Dabei handelt es sich übrigens vorwiegend um Kassetten - Smartphones gab es in den 80er-Jahren schließlich noch nicht.

Die KI macht keinen erstklassigen, aber ordentlichen Eindruck. Feindliche Soldaten suchen systematisch die Umgebung ab und gehen halbwegs sinnvoll in Deckung. Trotzdem ist es nicht allzu schwierig, hinter sie zu gelangen und sie - durch einen Tastendruck - in den Schwitzkasten zu nehmen. Dann kann Snake per Menü entscheiden, ob er sie zu ein paar vorgegebenen Stichworten befragt. Wahlweise kann er sie bewusstlos schlagen oder sie mit einem Messerstich in den Hals töten.

Das Spiel basiert auf der Fox Engine, die beim Entwickler Kojima Productions zwar in erster Linie für Metal Gear Solid entstanden ist, aber auch in anderen Titeln wie dem Sportspiel PES 2014 Verwendung findet. Die Grafik macht insgesamt einen gelungenen Eindruck. Highlights sind die teils sehr lebensechten Animationen und Teile der Umgebung, etwa eine schöne Steilklippe am Meer. Etwas merkwürdig sehen dagegen einige der Texturen aus, die beispielsweise nasse Kleidung darstellen sollen, aber eher an glänzendes Plastik erinnern.

Metal Gear Solid - Ground Zeroes ist für Playstation 3 und 4 sowie für Xbox 360 und One verfügbar und kostet rund 30 Euro. Die PS4 berechnet die Grafik in 1.080p, alle anderen Plattformen verwenden eine Auflösung von 720p. Weitere technische Details hatte Konami schon früher bekanntgegeben. Das Programm erscheint hierzulande mit englischer Sprachausgabe, wobei Schauspieler Kiefer Sutherland Snake seine Stimme geliehen hat. Inhaltliche Schnitte gibt es nicht, die USK hat eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Es wäre bestimmt ein großer Spaß, nichtsahnende Käufer von Ground Zeroes mit einer versteckten Kamera in dem Moment zu beobachten, in dem sie merken: Mehr als diese eine Mission hat die Handlung nicht zu bieten. Zumal sich der Einsatz wie ein recht guter Auftakt für kommende Highlights anfühlt, aber selbst ohne allzu dramatische Momente oder Überraschungen daherkommt. Da sind die Intro- und Schlusssequenzen schon deutlich aufregender - sie bieten gleich mehrere der besonderen Momente und Wendungen, für die Hideo Kojima zu Recht berühmt ist.

Über Ground Zeroes kann man sich ärgern, weil es etwas Ähnliches früher als kostenlose Demo gab. Oder sich freuen, weil man jetzt schon ein bisschen vom nächsten Metal Gear Solid spielen kann. Und immerhin: Wer als beinharter Fan wirklich alle Details und Feinheiten von Ground Zeroes auslotet, ist eher zehn als nur zwei Stunden mit dem Programm beschäftigt.  (ps)


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