Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/chromium-linux-variabilitaet-verhindert-hardwarebeschleunigung-1403-104941.html    Veröffentlicht: 05.03.2014 13:38    Kurz-URL: https://glm.io/104941

Chromium

Linux-Variabilität verhindert Hardwarebeschleunigung

Der Chromium-Code zur Hardwarebeschleunigung des Video-Decoders solle verschoben werden, was die experimentelle Nutzung vereinfachen könnte. Beteiligte protestieren aber mit Verweis auf den schlechten Linux-Code und den Grafik-Stack, der sehr viele Optionen zulasse.

Derzeit steht die Hardwarebeschleunigung zur Videodecodierung in Chromium zwar für Chrome OS, aber nicht standardmäßig für andere Linux-Distributionen zur Verfügung. Ein Patch soll die Funktion nun in den Bereich der GPU-Blacklist verschieben. Diese Blacklist lässt sich aber leicht über eine Option in chrome://flags oder über die Kommandozeile überschreiben. Einige beteiligte Entwickler vermuten, das könnte die Stabilität des Browsers erheblich gefährden, und widersprechen sehr vehement.

Kein schlechter Code in Chromium

So vermutet etwa Ami Fischman, dass viele Nutzer oder gar Distributionen bestimmte oder auch alle Teile auf der Blacklist deaktivieren, nur um eine Funktion zu erhalten. Darüber hinaus werden wohl früher oder später auch Anleitungen auftauchen, die leicht verständlich erklären, wie die Hardwarebeschleunigung zu nutzen sei, vermutet Fischman. Das mache den Browser unter Linux aber wohl deutlich schlechter.

Auch der Verweis darauf, dass die Aktivierung experimenteller Funktionen und damit einhergehender Probleme nicht in der Verantwortung der Chromium-Entwickler liege, lässt Fischman nicht gelten. Das Projekt veröffentliche nur Code, der irgendwann stabil genug sein werde, aufgenommen zu werden. Die Hardwarebeschleunigung unter Linux sei aber "meistens kaputt".

Linux-Grafik-Stack ein Alptraum

Der Entwickler Jorge Lucangeli Obes bezeichnet die Unterstützung von GPU-Funktionen unter Linux sogar als Alptraum. Auch das Team, das die Hardwaredecodierung unter Chrome OS pflegt, müsse diese Probleme lösen. Allerdings wird in diesem Fall die Hardware von Google kontrolliert und ist entsprechend klar abgegrenzt.

Demgegenüber stehen die vielen verschiedenen Treiber, die die Bibliothek Libva zur Beschleunigung einsetzen. Ebenso variabel seien die tatsächlich eingesetzte Hardware, die Kernelversionen, die Treiberhersteller, verschiedene X-Server sowie Adapter für Libva, wie etwa der VDPAU-Treiber. Dieses Zusammenspiel sinnvoll zu pflegen, erfordere wohl einen Vollzeitentwickler, legt Fischman in einer anderen Diskussion dar.

Bei der aktuell verfügbaren Software unter Linux, die das Chromium-Projekt nutzen könnte, ist der Pflegeaufwand einfach zu hoch, als dass der Browser stabil laufen könnte. So wird es wohl auch zukünftig nicht einfach sein, Videos unter Linux in dem Browser hardwarebeschleunigt darzustellen.

Erfahrene Nutzer, die die Funktion dennoch ausprobieren wollen, können Chromium mit den notwendigen Optionen selbst kompilieren. Eine Anleitung dazu findet sich im Projekt-Wiki.  (sg)


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