Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hands-on-mullins-spieletaugliche-amd-tablets-mit-passiver-kuehlung-1403-104850.html    Veröffentlicht: 03.03.2014 17:02    Kurz-URL: https://glm.io/104850

Hands on Mullins

Spieletaugliche AMD-Tablets mit passiver Kühlung

AMDs APUs haben im Tablet-Bereich noch immer keine Bedeutung. Mit dem nächsten Prozessor mit dem Codenamen Mullins sollen passiv gekühlte Tablets möglich werden, die trotzdem schnell sind und gute Grafik bieten. AMD demonstrierte mehrere Prototypen.

Auf dem Mobile World Congress hat AMD lauffähige Tablets mit neuen APUs (Mullins) gezeigt, die als System-on-a-Chip ausgelegt sind. Viele Details nannte der Chipentwickler nicht, demonstrierte aber die Leistungsfähigkeit des Prozessors, insbesondere bei 3D-Grafik, und das Fehlen eines Lüfters.

AMD sieht sich mit Mullins im Bereich zwischen Atom-CPUs und der neuen Y-Serie der Core-i-Haswells. Wie Intel arbeitet AMD bei Mullins mit der obskuren Scenario Design Power und einer 2-Watt-Angabe. Diese sagt nicht viel darüber aus, was der Prozessor tatsächlich an Wärme abführen muss. Sie ist eine abstrakte Zahl, die für bestimmte Anwendungen gilt, etwa für ein typisches Tablet-Szenario. Was das im Detail bedeutet, ist zwar nicht klar. Wichtig für den Anwender ist allerdings: Tablets mit Mullins kommen ohne Lüfter aus und sollen trotzdem nicht so heiß werden, dass es unangenehm wird, sie zu halten. Auch Intel hat diesen Anspruch bei der Haswell-Y-Serie.

Die APU soll nicht nur ansprechende Grafikleistung bieten, sondern auch ausreichende Rechenleistung. Mullins arbeitet mit einem verbesserten Jaguar-Kern namens Puma und der GCN-Einheit für die Grafik. AMD verspricht, mit den neuen Tablets zumindest bei Lastspitzen die Leistung der bisherigen Kabini-APUs zu erreichen. Dazu taktet der passiv gekühlte Mullins auf einen Wert zwischen 2 und 2,5 GHz hoch, um Wartezeiten auf den Prozessor bei kleinen Aufgaben zu begrenzen. Eine genauere Angabe wollte AMD nicht machen. Dauerhaft erreicht das Tablet die Leistung der Kabini-APUs natürlich nicht.

Die Tablet-Plattform sieht zudem vor, für die thermale Belastung nicht nur am Die zu messen, sondern auch am Gehäuse. Noch vorhandene Temperaturreserven lassen sich so besser einschätzen und der Prozessor länger in einem höheren Takt halten. Die Scenario Design Power liegt bei ungefähr 2 Watt. Für die alte Temash-APU gibt AMD zwischen 3 und 4 Watt an. Außerdem sind im Prozessor zwei bis vier Puma-Kerne mit bisher nicht genannter Taktrate.

Tragekomfort wird bei der Taktauswahl berücksichtigt

AMD will auch Komfortaspekte berücksichtigen und versucht daher, ein Tablet kühler zu betreiben, wenn es in der Hand gehalten wird. Im angedockten Zustand nimmt AMD weniger Rücksicht auf die Temperatur und steigert die Leistung.

Beim Ausprobieren fielen die Tablets, die auf dem MWC-Stand im Dauereinsatz waren, nicht durch erhöhte Temperatur auf. Selbst im gedockten Zustand waren die 10 mm dünnen Demo-Geräte nicht sonderlich warm. Allerdings werden die Geräte nicht in dieser Form auf den Markt kommen. Sie sind nur ein Beispiel dafür, was mit einem Tablet und AMD-Technik prinzipiell möglich ist. Die Hersteller müssen die Designs dafür noch entwickeln. Das Konzept sieht außerdem nur wenige Anschlüsse und ein Dockport vor. Dazu wird der schon bekannte AMD-Dockport verwendet, der verschiedene Signale zusätzlich auf einen Mini-Displayport setzt. So wird darüber Strom in geringem Maße genauso transportiert wie Displaysignale und USB. AMD demonstrierte dies mit externen Monitoren, die an einem Dock angeschlossen waren. Das Kühlkonzept, das AMD auf dem MWC 2013 zeigte, wurde nicht mit dem Prototyp umgesetzt. Damals hatte AMD noch vor, im gedockten Zustand Luft durch das Gehäuse zu drücken.

Grafikleistung liegt auf dem Niveau des Vorgängers

Benchmarks waren an dem Mullins-Tablet nicht erlaubt, und so konnten wir die Spieleleistung nur anhand der Demos begutachten. AMD zeigte unter anderem Dirt Showdown. AMD verwendete das Spiel bereits für die Temash-basierten Tablets. Die Demogeschwindigkeit erschien ausreichend für das eine oder andere grafisch aufwendige Spiel, ohne dass erkennbar war, dass das Gerät heiß wurde. Auch eine Drosselung war nicht festzustellen. Absolut flüssig war die Demo der Spiele jedoch nicht. Dabei sei angemerkt, dass es sich eigentlich um Spiele für den Desktop handelte. Verglichen mit der Demo des vergangenen Jahres hat sich bei der Leistung der Grafikeinheit also nicht viel geändert:

Mullins-basierte Tablets sollen zum Ende des zweiten Quartals 2014 angekündigt werden. Die Wahrscheinlichkeit ist damit hoch, dass AMDs Hardwarepartner auf der Computex in Taiwan erste Modelle präsentieren werden.  (ase)


Verwandte Artikel:
Mullins-APU: AMD zeigt das Gaming-Tablet Project Discovery   
(15.11.2013, https://glm.io/102778 )
Beema und Mullins: Neue APUs für Tablets und Notebooks   
(13.11.2013, https://glm.io/102727 )
Raspad: Raspberry Pi kommt ins Bastel-Tablet-Gehäuse   
(06.03.2018, https://glm.io/133180 )
CPU-Roadmap mit Threadripper: AMDs Monster Truck bekommt Nachfolger   
(09.03.2018, https://glm.io/133238 )
Microsoft: KI-Framework kommt auf Windows-10-Endgeräte   
(08.03.2018, https://glm.io/133217 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/