Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bitcoin-geleakte-dokumente-belegen-massiven-diebstahl-bei-mtgox-1402-104774.html    Veröffentlicht: 25.02.2014 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/104774

Bitcoin

Geleakte Dokumente belegen massiven Diebstahl bei Mtgox

Mtgox wurde offenbar über Monate hinweg über eine Schwachstelle in Bitcoin-Transaktions-IDs bestohlen. Dokumente sollen belegen, dass Mtgox darüber Bescheid wusste und ein Ausstiegsszenario plante. Die japanische Regierung wird Investoren in Mtgox nicht helfen.

Über Jahre hinweg ist die Bitcoin-Börse Mtgox über die sogenannte Transaction Malleability bestohlen worden. Insgesamt seien es 744.408 Bitcoins, heißt es in einem internen Dokument, das jetzt an die Öffentlichkeit gelangte. Darin wird auch ein Ausstiegsszenario beschrieben. Mtgox soll demnach als Gox wiederbelebt werden - ohne den bisherigen CEO Mark Karpelès.

Insgesamt habe Mtgox bei einem Wechselkurs von 160 US-Dollar zu einem Bitcoin Schulden in Höhe von fast 200 Millionen US-Dollar, heißt es in dem Dokument. 624.408 der gestohlenen Bitcoins sollen von Kunden stammen, 120.000 sollen im Besitz der Bitcoin-Börse gewesen sein. Außerdem fehlen Mtgox etwa 55 Millionen US-Dollar in Fiat-Geld.

Neuanfang mit bisherigen Vermögen

Allerdings ist Mtgox wohl nicht ganz pleite. 2.000 Bitcoins verbleiben noch in den sogenannten Hot-Wallets, in denen die Kryotwährung für unmittelbare Transaktionen gespeichert werden. Weitere 32,5 Millionen US-Dollar soll die Bitcoin-Börse noch auf verschiedenen Bankkonten haben. Zu den weiteren Vermögenswerten zählt Mtgox seinen Kundenstamm von etwa 550.000 Nutzern sowie das bislang große Handelsvolumen. Dem Neuanfang unter dem Namen Gox soll auch die neue Trading Engine namens Midas sowie die wertvollen Domainnamen wie Bitcoins.com folgen.

Offenbar hatte Mtgox den Wechselkurs zum US-Dollar niedrig gehalten, um selbst Bitcoin günstig einzukaufen. Um den Betrieb der Börse aufrechtzuerhalten, seien etwa 200.000 Bitcoins nötig. Eine schnelle Wiederbelebung der Börse könne nur durch die Unterstützung durch andere große Bitcoin-Investoren und die Community erfolgen.

Rücktritt des CEOs gefordert

Abgesehen von der Schwachstelle in den Transaktions-IDs und regulativen Aspekten seien die Hauptprobleme der Bitcoin-Börse der massive Diebstahl und die schlechte Buchführung. Wenn alles gut laufe, sei die Börse jedoch ein hochprofitables Geschäft, über das langfristig die Verluste wieder ausgeglichen werden können, schreiben die Mtgox-Betreiber.

Der Neuanfang, der unter Umständen auch in einem anderen Land erfolgen könnte, etwa in Singapur, soll mit dem Rücktritt des bisherigen Chefs Karpelès beginnen. Er solle in seinem Rücktrittsschreiben seine Fehler eingestehen. Da in Japan kein CEO zurücktreten darf, solange kein neuer nominiert werden könne, soll eine Gruppe die Geschäfte zunächst weiterführen. Die Übergangszeit soll etwa ein Monat betragen. Nach dem Neustart will Mtgox Kunden auch mit neuen Angeboten locken, etwa der Wallet-Software Bitpockt.

Keine Hilfe von japanischer Finanzaufsicht

Derweil haben Investoren im Falle einer Insolvenz der Bitcoin-Börse von der japanischen Regierung keine Hilfe zu erwarten. "Bitcoin ist keine Währung", sagte ein Sprecher der japanischen Finanzaufsichtsbehörde Financial Services Agency (FSA). Die Kryptowährung sei vergleichbar mit Alternativen wie Gold und falle deshalb nicht unter die Aufsicht der Behörde. Auch ein Sprecher der japanischen Nationalbank sagte dem Wall Street Journal, dass die Bank keinerlei regulatorischen Einfluss auf die Kryptowährung habe.

Seit dem 25. Februar 2014 ist die Webseite der Bitcoin-Börse nicht mehr erreichbar, ohne dass ausstehende Auszahlungen wieder aufgenommen wurden. Der Mtgox-Chef war einen Tag zuvor von seinem Posten im Vorstand der Bitcoin Foundation zurückgetreten.

Nachtrag vom 25. Februar 2014, 18:30 Uhr

Mtgox setze bis auf weiteres sämtliche Transaktionen aus, um sich und seine Kunden zu schützen, schreibt die Bitcoin-Börse jetzt in einer offiziellen Mitteilung. Damit wolle der Handelsplatz auf die "jüngsten Meldungen und dessen Auswirkungen auf Mtgox und auf den Markt im Allgemeinen reagieren." Den Inhalt der geleakten Dokumente kommentiert die Börse nicht.

Nachtrag vom 26. Februar 2014, 9:30 Uhr

Inzwischen hat der Mtgox-Chef bestätigt, dass die Dokumente echt sind. Sie stellten aber nur mögliche Szenarien dar. Die darin erörterten Pläne seien weder beschlossen noch umgesetzt.  (jt)


Verwandte Artikel:
Mtgox-CEO: Mark Karpelès tritt aus der Bitcoin Foundation aus   
(24.02.2014, https://glm.io/104737 )
Bitcoin-Börse: Mtgox möglicherweise bestohlen   
(20.02.2014, https://glm.io/104687 )
Supercomputer: Atomwissenschaftler bei Bitcoin-Mining erwischt   
(10.02.2018, https://glm.io/132700 )
Virtuelle Währung im Alltag: Koofen im Kiez - mit Bitcoin   
(26.02.2014, https://glm.io/104661 )
Bitcoin und Ether: US-Kreditkartenunternehmen sperren Kauf von Kryptowährungen   
(03.02.2018, https://glm.io/132565 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/