Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/test-logitech-powershell-echte-tasten-braucht-das-iphone-1402-104696.html    Veröffentlicht: 22.02.2014 11:53    Kurz-URL: https://glm.io/104696

Test Logitech Powershell

Echte Tasten braucht das iPhone!

Konkurrenz für 3DS und PS Vita: Mit seiner Gaming-Schnittstelle für iOS macht Apple das iPhone zum fast vollwertigen Handheld. Der Powershell von Logitech ist ein typisches Gamepad dafür - wir haben es ausprobiert.

Über 50 Millionen iPhones hat Apple allein im vergangenen Geschäftsquartal verkauft - eine gigantische Hardwarebasis für viele tolle Spiele. Und tatsächlich sind Angry Birds und Candy Crush Saga längst ein Massenphänomen, auch, weil sie ganz einfach per Touchscreen zu bedienen sind.

Aber es gibt auch andere Arten von Spielen. Etwa Actiontitel wie Call of Duty Strike, GTA San Andreas oder Tomb Raider, die eine vergleichsweise komplexe Steuerung im Raum erfordern. Das funktioniert mit einem virtuellen Gamepad oder dem Drehen des ganzen Smartphones zwar so einigermaßen - aber von der Präzision und dem Komfort eines dezidierten Handhelds ist das Spielgefühl weit entfernt.

Um den Herstellern von Peripheriegeräten die Entwicklung externer Gamepads zu erleichtern, hat Apple deshalb zusammen mit iOS 7 einen Standard namens MFi veröffentlicht - das Kürzel steht für "Made for iPhone". Einer dieser Zubehörcontroller ist der Powershell von Logitech, andere stammen von Herstellern wie Steel Series und Moga.

Typisch für MFi: Das iPhone befindet sich in der Mitte des Gamepads, der gesamte Touchscreen und alle wichtigen Knöpfe sind also weiterhin zugänglich. Der Powershell verwendet den Lightning-Connector, was auch bedeutet, dass er nur mit dem iPhone 5, iPhone 5S, iPhone 5C und dem iPod Touch der fünften Generation funktioniert.

iPhone fest in das Gamepad drücken

Um Smartphone und Powershell zu verbinden, wird das Telefon auf den absichtlich beweglich angebrachten Connector gesteckt und dann in den Powershell gedrückt. Dort sitzt das iPhone dann zwar ohne weitere Arretierung, aber trotzdem ziemlich fest. Kratzer oder sonstige Schäden haben wir trotz mehrfachen Hineinsetzens und Herausdrückens - was durch die für Kamera und Blitz ausgesparte Öffnung an der Unterseite erfolgt - an unserem Testgerät nicht festgestellt.

Der Powershell verfügt über ein analoges D-Pad, so dass die Druckstärke eine Rolle spielt, etwa beim Beschleunigen in einem Rennspiel. Dazu kommen vier mit farbigen Buchstaben markierte Knöpfe und zwei lange Schultertasten.

Aus ergonomischer Sicht ist das Gerät durchwachsen. Die Schultertasten sind prima angelegt, und auch die vier Buchstabentasten machen einen recht gelungenen Eindruck. Größter Kritikpunkt ist das D-Pad, das zu klein und zu ungenau ist - schon eine simple Richtungsangabe in einem Spiel wie GTA oder Bastion bereitet damit wenig Spaß.

Mit einem kleinen Schieberegler soll sich der obere Ein/Aus-Schalter des iPhones bedienen lassen, was allerdings nicht richtig funktioniert, weil er zu weich ist und zu viel Spiel hat. Ebenfalls nicht optimal gelöst ist eine Art langer Schacht, über den eine mitgelieferte und etwas wabbelige Kopfhörerstecker-Adapter-Verlängerung an das Smartphone geführt wird - das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau, denn nach ein paar Sekunden Rumfriemelei ist dieses Problemchen fast immer gelöst.

120 Spiele und ein Fazit

Ein anderer Makel ist die Gesamtgröße des Powershells. Das Gamepad liegt zwar gut und satt in den Händen. Allerdings ist es uns etwas zu klein - selbst Probanden mit ausgesprochen kleinen Händen hatten nach längerer Zeit ein leicht krampfiges Gefühl in den Fingern.

Spiele erkennen automatisch, wenn das iPhone in einem Powershell steckt und wechseln dann zu dessen Steuerung. Abgesehen von einer möglichen Bestätigung im Spiel muss der Nutzer nichts machen - es sei denn, er möchte die Bedienung dann noch weiter seinen persönlichen Vorlieben anpassen. Die Steuerung folgt normalerweise gängigen Mustern: In GTA San Andreas etwa fährt ein Auto mit Druck auf die rechte Schultertaste vorwärts und links rückwärts, das Lenkrad wird über das D-Pad bedient.

Rund 120 Spiele unterstützen Powershell

Die von Logitech veröffentlichte Liste mit unterstützten Games umfasst derzeit nahezu 120 Titel. Darunter befinden sich eine Reihe bekannter Games wie Bastion, Limbo, GTA San Andreas, Sonic the Hedgehog 2 und Duke Nukem: Manhattan Project.

Trotz der genannten Kritikpunkte an der Hardware des Powershells fühlt sich das Spielen der meisten getesteten Games unterm Strich deutlich besser an als mit den virtuellen Eingabetasten auf dem Touchpad. Normalerweise ist keine langwierige Eingewöhnung nötig, stattdessen konnten wir fast immer einfach loslegen und mussten nicht lange überlegen, wie welche Aktion zu meistern ist.

Nicht nur für Spieler ist interessant, dass der Powershell über einen eingebauten Akku mit 1.500 mAh verfügt, der die Laufzeit des iPhones (1.440 mAh beim iPhone 5) ungefähr verdoppelt. Das Aufladen des Smartphone-Akkus geschieht automatisch, lässt sich aber durch einen an der linken Seite angebrachten Schieberegler verhindern. Schade: Eine Ladestandanzeige gibt es nicht, so dass der Nutzer raten muss, wie voll der Zweitakku gerade ist.

Der Logitech Powershell ist 20 cm lang, 6,3 cm breit und 2,1 cm hoch, er wiegt rund 120 Gramm. Mitgeliefert werden ein rund 35 cm langes Micro-USB-auf-USB-Kabel sowie der genannte Kopfhörer-Verlängerungsstecker. Das Gerät kostet rund 100 Euro.

Fazit

Der Logitech Powershell ist für mobile iOS-Vielspieler durchaus einen Blick wert. Uns haben die unterstützten Titel mit dem Gamepad jedenfalls mehr Spaß gemacht als mit den virtuellen Eingabetasten auf dem Touchscreen. Trotzdem ist es schade, dass das Zubehörgerät nicht ein bisschen besser ist: Die Oberfläche fühlt sich nicht gut an, die Abmessungen sind etwas zu groß zum Transport und ein bisschen zu klein für gute Griffigkeit.

Dazu kommt dann auch noch das ungenaue D-Pad - es ist die größte Schwachstelle des Powershells. Übrigens: Sonderlich schick sieht das Ding auch nicht aus. Endgültiges KO-Kriterium dürfte für Spieler allerdings der Preis sein: Selbst bei der Hälfte hätten wir im Laden noch ungnädig eine Augenbraue hochgezogen. Mal zum Vergleich: Ein einzelner neuer PS4-Controller kostet 60 Euro - und erscheint schon überteuert.

Trotzdem gefällt uns der grundsätzliche Ansatz der iOS-Spielesteuerung, zumal wir an der Implementierung in den Games keine großen Kritikpunkte haben. Insgesamt haben die Softwareentwickler ihren Job sehr gut gemacht. Wird Zeit, dass die Hardwarehersteller nachziehen.  (ps)


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