Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/far-cry-classic-im-vergleich-gameplay-klassisch-technik-antik-1402-104559.html    Veröffentlicht: 14.02.2014 16:31    Kurz-URL: https://glm.io/104559

Far Cry Classic im Vergleich

Gameplay klassisch, Technik antik

Far Cry Classic für Playstation 3 und Xbox 360 bringt eine überarbeitete Grafik, bessere Zwischensequenzen und Änderungen an der Spielmechanik. Die Neuauflage der PC-Version entspricht Far Cry von 2004, sieht aber nicht so gut aus.

Die am 11. Februar angekündigte Spielesammlung Far Cry The Wild Expedition soll alle bisherigen Veröffentlichungen der Franchise abgesehen von den Instincts-Teilen enthalten. Für Fans des ersten Teils erscheint Far Cry Classic besonders reizvoll: Ubisoft verspricht eine verbesserte Grafik, überarbeitete Zwischensequenzen, eine neue Oberfläche und Änderungen an der Spielmechanik.

Die Pressemitteilung beschreibt die Classic-Neuauflage als "die Konsolenversion des ersten Far-Cry-Spiels", die "als eigenständiger Downloadtitel" für die Playstation 3 und die Xbox 360 sowie - als Teil von The Wild Expedition - für den PC verfügbar ist. Auch der Launch-Trailer suggeriert, Far Cry Classic würde in der generalüberholten Version für alle drei Plattformen erscheinen. Das ist allerdings offensichtlich nicht der Fall.

Original statt Classic am PC

Bei der uns vorliegenden PC-Version von The Wild Expedition fehlt ein Hinweis auf Classic sowohl auf der Hülle als auch auf der DVD selbst. Die erwarteten Verbesserungen fehlen: Es handelt sich vielmehr eins zu eins um das originale Far Cry. Die Patch-Version 1.31 ist nicht einmal die aktuelle: Der Patch 1.40 würde Far Cry um neue Waffen und Maps für den Mehrspielermodus erweitern. Er funktionierte bei uns zumindest im Internet aber nicht, da keine Verbindung zu den Servern aufgebaut werden konnte. Theoretisch sollte unser Uplay-Account kompatibel sein, ein Klick auf "Konto erstellen" führt auf die Uplay-Webseite.

Das Spiel erfordert nirgends die Eingabe des beiliegenden Keys. Einmal installiert, startet es auch ohne eingelegte DVD. Die Zwischensequenzen sind identisch mit denen von 2004, da es sich um die gleichen Dateien handelt. Zudem sieht Far Cry Classic auf dem PC schlechter aus als das Original mit allen Patches. Ubisoft hat es versäumt, das Exclusive Content Update (ECU) beizulegen. Dieses funktioniert auch ohne den 64-Bit-Patch, der die Texturen aufwertet und deren Auflösung sowie die Sichtweite erhöht.

Die Konsolenversionen ist so gesehen neu, da Far Cry nie zuvor für die Playstation 3 und Xbox 360 veröffentlicht wurde. Bei Instincts Predator handelt es sich nicht um das gleiche Spiel, sondern um eine spezielle Version mit anderen Leveln. Far Cry Classic für die Last-Gen-Konsolen hingegen entspricht dem Original, hat jedoch anders als die PC-Version diverse Änderungen erhalten.

PC-Version hübscher als Konsolen-Neuauflage

Beide Systeme berechnen das Spiel nur in 720p bei 30 fps, wodurch sich Far Cry Classic vergleichsweise zäh spielt. Die Levels laden wenig überraschend viel länger als auf einem aktuellen PC, vor zehn Jahren dauerte es ähnlich lange wie heute auf den Konsolen. Die Sättigung und der Kontrast sind bei Far Cry Classic stark überzogen, die Rendermodi wie "Kalt" oder "Paradies" fehlen.

Das überarbeitete Wasser von Classic erinnert uns stark an das Pixelnass aus Instincts Predator. Dieses sieht schlechter aus als das Wasser des ursprünglichen Far Cry, die neue Ubisoft-PC-Version hat Grafikfehler: Das Meer sieht aus wie gekachelt, flimmert stark und weist harte Übergänge zum Strand auf. Unter Wasser zeigt Far Cry Classic für die Konsolen weniger Details als die PC-Version, die Farbgebung ist türkis statt blau. Über Wasser spiegelt sich nur die Landschaft, nicht aber die Vegetation - ein Rückschritt.

Auch die Waffenmodelle wurden verändert, die P90 etwa zeigt ein Tarnmuster statt dunkles Metall, zudem wurde das Reflexvisier durch eine offene Visierung ersetzt. Im Pier-Level, das durch das Exclusive Content Update besonders profitiert, sehen die Texturen der Konsolenversion von Far Cry Classic aus wie im Original ohne das ECU (ergo auch kein Bump-Mapping), der Hängegleiter ist rot-gelb statt grün-grau.

Änderungen an der Spielmechanik

Das neue Head-up-Display von Far Cry Classic ist Geschmackssache und zeigt genauso viele Informationen wie das ursprüngliche, allerdings empfinden wir die Designänderung als unnötig. Außerdem sitzt es konsolentypisch nicht an den Rändern, sondern innerhalb des Safeframes und überlagert somit das Sichtfeld stärker als bei der PC-Version. Die Render-Videos von Far Cry Classic sehen dafür besser aus als im Original, aufgrund des Ausgangsmaterials liegen sie aber nicht nativ in 1080p vor.

Messer statt Machete

Während Jack Carver am PC explizit seine Machete schwingen muss, kann sein Classic-Pendant per Knopfdruck, wann immer es möchte, einen Messerangriff ausführen. Interessant sind in diesem Kontext leichte Überarbeitungen der Levels, im Trainingsabschnitt beispielsweise trennt ein Gitterzaun samt Tür den Raum auf. Hier lernt der Spieler, den Messerangriff einzusetzen. Waffen werden konsolentypisch in einem Kreismenü statt per Mausrad ausgewählt.

Das optionale Autoaiming der Konsolenversion ergänzt die Visiersicht (am PC wird nur der Bildausschnitt leicht vergrößert), wird aber durch die träge Eingabe zunichte gemacht. Ein Vorteil bei Far Cry Classic ist die höhere Laufgeschwindigkeit, die dem Sprint der PC-Version entspricht. Rennt der überarbeitete Jack Carver gar, so ist er deutlich schneller als sein PC-Pendant. "Konsolig" sind dafür die ständigen Einblendung wie etwa die Aufforderung die Waffe nachzuladen.

Ab 18 und dennoch geschnitten

Eine Sache haben Far Cry respektive Classic gemeinsam: Da die ursprüngliche deutsche Version des Spiels indiziert ist, basieren alle drei Neuveröffentlichungen respektive Neuauflagen auf der geschnittenen Version.

Daher fehlen die Ragdoll-Physik, wenn Leichen beschossen werden - nur mit Granaten oder Raketen können sie herumgewirbelt werden - und das Ausbluten im Wasser. Trefferfeedback durch Blutspritzer gibt es auch in der geschnittenen Version. Die Steam-Version von Far Cry ist übrigens ohne Altersverifikation legal erhältlich und ungeschnitten.

Fazit

Mit Far Cry Classic kommen Last-Gen-Konsolenspieler erstmals in den Genuss des klassischen Far Cry mit seiner weitläufigen Spielwelt. PC-Spieler erhalten nur das originale Far Cry als Teil von The Wild Expedition.

Die kleinen Änderungen an der Spielmechanik bei Far Cry Classic wie der Messerangriff, die höhere Sprintgeschwindigkeit und die Visiersicht finden wir gelungen - die träge Eingabe jedoch nervt. Das neue Head-up-Display ist Geschmackssache und verdeckt das Sichtfeld. Grafisch kann Far Cry Classic dem Original nicht das Wasser reichen, obwohl gerade das Meer überarbeitet wurde.

Am PC weist die Neuveröffentlichung sogar deutliche Grafikfehler bei der Ozeandarstellung auf. Zudem fragen wir uns, warum die neue Version weder den aktuellen Patch samt neuen Waffen und Maps für den Mehrspielermodus noch das Exclusive Content Update oder die 64-Bit-Erweiterung bietet. Unsere Anfrage an Ubisoft wurde bisher nicht beantwortet.  (ms)


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