Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fritzbox-routerhack-bleibt-weiter-dubios-1402-104422.html    Veröffentlicht: 06.02.2014 16:33    Kurz-URL: https://glm.io/104422

Fritzbox

Routerhack bleibt dubios

Hersteller AVM sucht immer noch nach einer Erklärung für den Hack von Zugangsdaten zur Fritzbox. Betroffene berichten von extrem hohen Telefonrechnungen.

Der Routerhersteller AVM hat seine Warnung vor dem Missbrauch von Telefonfunktionen der Fritzbox erneuert. Der Hersteller empfiehlt den Nutzern weiterhin, den Fernzugriff auf die Fritzbox abzuschalten. Offenbar ist es Kriminellen gelungen, die kompletten Zugangsdaten zum externen Routerzugang abzugreifen und daraus Kapital zu schlagen, indem teure Auslandsverbindungen auf Kosten der Nutzer gewählt wurden. Möglicherweise erhalten die Unbekannten Provisionen auf die Telefonkosten, die sich laut Spiegel Online in Einzelfällen auf 4.200 Euro in 30 Minuten summiert haben sollen.

Ein Betroffener berichtet davon, dass ein Unbekannter nachts alle paar Minuten eine teure Verbindung auf die Falkland-Inseln gewählt habe. Offensichtlich ging es nicht darum, reale Gespräche zu führen, sondern die Telefonrechnung möglichst in die Höhe zu treiben. Die Kriminellen richteten sich dazu externen Zugang für zwei IP-Telefone ein, mit denen sie die teuren Nummern anriefen. Die Zahl der betroffenen Fälle liegt noch in einem niedrigen Bereich, allerdings sollen Kunden verschiedener Provider wie Unitymedia oder 1&1 betroffen sein.

Alle Passwörter schnell ändern

Das Vorgehen der Kriminellen legt nahe, dass sie keine Sicherheitslücke bei den Routern ausnutzten, sondern möglicherweise einen unverschlüsselten Einwahlvorgang der Nutzer abgriffen. Der externe Zugang zur Fritzbox ermöglicht je nach Konfiguration auch Zugriff auf angeschlossene Geräte für Festplatten oder NAS. Nach Angaben von AVM lässt sich noch nicht einschätzen, wie, wo und in welchem Umfang Nutzerdaten ausgespäht wurden. Fritzboxen sind in Deutschland millionenfach im Einsatz. Das Unternehmen hatte am Montag einen Zusammenhang mit der BSI-Warnung von 16 Millionen kompromittierten Nutzerkonten ins Spiel gebracht. Ein betroffener Student sagte laut Spiegel Online jedoch, dass seine Adresse nicht in der Datenbank enthalten gewesen sei. Die noch geringe Zahl der Fälle ließe sich auch dadurch erklären, dass solche kompletten Datensätze noch nicht so häufig abgegriffen wurden.

AVM forderte die Nutzer von externen Zugängen daher ein weiteres Mal auf, den Zugang über https (Port 443) zu deaktivieren. Weitere Sicherheitsschritte sind eine Änderung des https-Ports sowie die Änderung von Kennwörtern für Benutzer, Push-Mail, Telefonbuch, WebDAV, VPN-Verbindung, Google Play und Myfritz. Darüber hinaus sollte auch eine Rufsperre für Auslandstelefonie eingerichtet werden. Möglich ist natürlich auch, Benutzerkonten zu löschen und komplett neu einzurichten. AVM gibt bislang keine Empfehlungen für Nutzer, die auf den externen Zugang nicht verzichten wollen. Sie müssen Passwörter ändern und vor allem auf einen sicheren und verschlüsselten Einwahlvorgang achten.  (fg)


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