Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/exoplanet-kepler-413b-taumelt-durchs-all-1402-104383.html    Veröffentlicht: 05.02.2014 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/104383

Exoplanet

Kepler-413b taumelt durchs All

Der Exoplanet Kepler-413b ist zwar fast in der habitablen Zone. Wäre er ein Gesteinsplanet, wäre es darauf dennoch sehr ungemütlich: Die Neigung seiner Rotationsachse ändert sich ständig, so dass die Jahreszeiten unvorhersagbar wären.

Die Erdachse ist relativ stabil: In den vergangenen 26.000 Jahren hat sich ihre Neigung von 23,5 Grad wenig verändert. Das Ergebnis ist unter anderem, dass wir hier relativ gut vorhersehbare Jahreszeiten haben. Ganz anders der Planet Kepler-413b: Ein potenzieller Bewohner könnte beim Aufwachen nicht sicher sein, welche Jahreszeit ihn erwartet.

Kepler-413b ist der einzige Planet eines Doppelsternsystems, das aus einem orangen und einem roten Zwergstern besteht. Er umkreist die beiden in 66 Tagen. Dabei taumelt er stark: Die Neigung seiner Rotationsachse hat sich in den vergangenen elf Jahren um 30 Grad verändert. Das bedeute, auf dem Planeten komme es zu "raschen und erratischen Veränderungen der Jahreszeiten", sagen die Forscher um Veselin Kostov vom Space Telescope Science Institute (STScI) in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland. Die Tatsache, dass sie einen Planeten entdeckt hätten, der seine Rotationsachse in einem Zeitraum ändere, den der Mensch beobachten könne, sei fantastisch.

Geneigte Bahn

Dass Kepler-413b taumelt, ist aber nicht seine einzige Besonderheit: Seine Bahn ist um 2,5 Grad gegenüber der Ebene der Sterne geneigt. Das macht es schwierig, ihn zu beobachten: Ein Exoplanet verursacht, wenn er seinen Stern passiert, eine Helligkeitsschwankung. Aus deren regelmäßigem Auftreten bestimmen die Astronomen die Dauer des Orbits.

Bei Kepler-413b ist das Muster jedoch viel unregelmäßiger: "In den Kepler-Daten von über 1.500 Tagen sehen wir drei Transits in den ersten 180 Tagen (alle 66 Tage ein Transit), dann hatten wir 800 überhaupt keinen Transit", erklärt Kostov. "Danach stellten wir wieder fünf Transits in Folge fest."

Kepler defekt

"Wir haben vorausberechnet, dass der nächste Durchgang erst 2020 eintreten wird", schreiben die Forscher in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift Astrophysical Journal. Den werden sie aber nicht mehr mit dem Weltraumteleskop Kepler beobachten können, das das System entdeckt hat: Nach einem Defekt ist es seit Sommer vergangenen Jahres nicht mehr in Betrieb.

Kepler-413b ist ein Gasplanet, der etwa die 65fache Masse der Erde hat. Wäre er kein Gas-, sondern ein Steinplanet, wäre er fast bewohnbar: Kepler-413b ist etwas zu nahe an seinen Sonnen, um in der habitablen Zone zu sein. Das System befindet sich im Sternbild Schwan und ist etwa 2.300 Lichtjahre von der Erde entfernt.  (wp)


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