Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/globalconnect-deutsche-bahn-muss-glasfaserkabel-zulassen-1401-104247.html    Veröffentlicht: 29.01.2014 15:36    Kurz-URL: https://glm.io/104247

Globalconnect

Deutsche Bahn muss Glasfaserkabel zulassen

Die Bundesnetzagentur macht Druck für den Breitbandausbau an der Schiene. Über den Hindenburgdamm zwischen Sylt und dem Festland muss die Deutsche Bahn die dänische Globalconnect ein Glasfaserkabel ziehen lassen.

Die Deutsche Bahn muss dem dänischen Telekommunikationsbetreiber Globalconnect innerhalb eines Monats ein Angebot für die Mitnutzung des Hindenburgdamms zwischen Sylt und dem Festland zur Verlegung eines Glasfaserkabels vorlegen. Das hat die Bundesnetzagentur am 28. Januar 2014 angeordnet. Für den Fall, dass die Bahn dem nicht vollständig und fristgerecht nachkommt, droht ein Zwangsgeld von 75.000 Euro, erklärte die Behörde.

Globalconnect betreibt in Norddeutschland, Dänemark und Schweden ein Glasfasernetzwerk mit der Länge von 11.000 Kilometern. "1999 wurden über 1,2 Milliarden US-Dollar in den Netzausbau investiert. Die Glasfaser-Ringtrasse, die Hamburg und Kopenhagen verbindet, ging im Dezember 2000 in Betrieb", erklärte das Unternehmen.

Die Regulierungsbehörde hatte bereits im März vergangenen Jahres dazu eine Anordnung getroffen, die vier Streckenabschnitte in Norddeutschland betraf. Telekommunikationsunternehmen können die Infrastruktur der Bahn mitnutzen, wenn sich dadurch Glasfaserkabel schneller und kostengünstiger verlegen lassen, hieß es in der Entscheidung. "Die Bundesnetzagentur achtet darauf, dass Entscheidungen, die den Breitbandausbau in Deutschland voranbringen sollen, von allen Unternehmen vollständig umgesetzt werden. Ich gehe davon aus, dass die Bahn nun kooperiert und umgehend ein Angebot für die Mitnutzung des Hindenburgdammes vorlegen wird, das unseren Vorgaben entspricht", sagte Jochen Homann, der Chef der Bundesnetzagentur. Als für eine Mitnutzung infrage kommende Teile der Eisenbahninfrastruktur wurden Kabelführungssysteme wie Kabeltröge und Leerrohre, Brücken, Böschungen und Dämme identifiziert. Der Hindenburgdamm sei aufgrund seiner besonderen Lage im Wattenmeer nicht vergleichbar mit anderen Bahnstrecken oder -dämmen, erklärte die Bahn.

Bahn weist Schuld von sich

Eingriffe in die Substanz des Bauwerks könnten die Stabilität des Dammes insbesondere bei Sturmfluten gefährden. Die Bahn habe bereits Mitte 2013 ein Angebot gemacht, das auch anderen Telekom-Unternehmen die Mitnutzung des Bauwerks ermöglicht hätte. Dies sei aber vom dänischen Globalconnect verworfen worden. Die Bahn werde nun ein weiteres Angebot vorlegen, aber auch ein rechtliches Vorgehen gegen den Bescheid prüfen. "Die Bahn unterstützt ausdrücklich den Auf- und Ausbau moderner Hochgeschwindigkeits-Telekommunikationsnetze", so der Konzern.

"Die Bahn braucht in den nächsten Jahren einen weiteren Modernisierungsschub", schrieb Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). "Sie kann das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters werden, wenn die digitale Welt Einzug in alle Züge erhält und Breitbandtechnik nutzbar ist." Er unterstütze ausdrücklich das Engagement der Bahn, ihre Bahnhöfe mit WLAN auszustatten und an die digitale Welt anzuschließen.

Der Bundesrat hatte im April 2011 dafür gestimmt, dass die Bahn den Ausbau des Breitbandinternets in Deutschland unterstützt. Den Antrag hatte das Bundesland Thüringen gestellt. Die Bahn unterhalte ein dichtes Streckennetz, das umfangreiche Mitnutzungsmöglichkeiten biete und insbesondere beim Glasfaseranschluss in ländlichen Gebieten eine wichtige Rolle spielen könne, hieß es in der Begründung.  (asa)


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