Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sms-warnung-an-ukrainer-wir-wissen-was-du-am-letzten-dienstag-getan-hast-1401-104111.html    Veröffentlicht: 23.01.2014 11:49    Kurz-URL: https://glm.io/104111

SMS-Warnung an Ukrainer

Wir wissen, was du am letzten Dienstag getan hast

Ukrainische Demonstranten sind gezielt per SMS gewarnt worden, dass sie als Teilnehmer an einem Massenprotest erfasst wurden. Absender der Nachricht ist mutmaßlich die Regierung.

Wir sehen euch, und wir wissen, was ihr tut - das war in etwa die Botschaft, die die Demonstranten auf dem Platz der Unabhängigkeit, dem Maidan, in Kiew am Abend des 21. Januar 2014 erhielten. Offensichtlich wollte die ukrainische Regierung die Demonstranten damit abschrecken.

"Sehr geehrter Kunde! Sie wurden als Teilnehmer an einem Massenaufruhr erfasst", lasen die Nutzer auf ihrem Mobiltelefon. Verschickt wurde die SMS an Personen, die sich zu der Zeit in der Gegend aufhielten, als die Situation zwischen Regierungsgegnern und Polizei eskalierte. Die Nachricht hatte keinen Hinweis auf einen Absender.

Gezielteste Benachrichtigung

Es sei nicht die erste gezielte Nachricht, die die ukrainische Regierung verschickt habe, sagte Eva Galperin von der Electronic Frontier Foundation der New York Times. Eine Nachricht zu einem bestimmten Zeitpunkt an Menschen in einem bestimmten Gebiet zu verschicken, sei aber die gezielteste Benachrichtigung, die sie je erlebt habe.

Die ukrainischen Mobilfunkanbieter bestritten, die Nachricht verschickt zu haben. Der Anbieter Kyivstar erklärte sogar, Unbekannte hätten eine illegale Basisstation eingerichtet und darüber die SMS verschickt.

Proteste gegen EU-Gegner Janukowitsch

Die Opposition demonstriert seit November 2013 gegen Präsident Viktor Janukowitsch. Auslöser war, dass sich Janukowitsch geweigert hat, ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) zu unterzeichnen. Seither protestieren Gegner des Präsidenten, die eine Annäherung an die EU befürworten, auf dem Maidan. Einer der führenden Oppositionellen ist der ehemalige Boxweltmeister Vitali Klitschko.

Die Proteste sind gewalttätig geworden. Es hat mehrere Tote gegeben. Um die Proteste zu beenden, hat die Regierung ein Gesetz erlassen, das die Versammlungsfreiheit einschränkt. Es tat am 21. Januar in Kraft - dem Tag, an dem die SMS versandt wurde.  (wp)


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