Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/eu-abschaffung-der-roamingaufschlaege-soll-430-euro-einsparen-1401-103895.html    Veröffentlicht: 14.01.2014 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/103895

EU

Abschaffung der Roamingaufschläge soll 430 Euro einsparen

Neelie Kroes rechnet vor, dass die Mobilfunkanbieter durch die Abschaffung der Roaming-Aufschläge kaum Umsatzeinbußen haben und künftig sogar mehr verdienen: "Denn jetzt lassen die Nutzer im Ausland ihr Handy öfter aus, weil sie Angst vor Abzocke haben."

EU-Kommissarin Neelie Kroes stellt durch die Abschaffung der Roaming-Aufschläge für Mobilfunktelefonie im EU-Ausland hohe Einsparungen in Aussicht: Insgesamt spare eine vierköpfige Familie bei einer Woche Urlaub im EU-Ausland durchschnittlich rund 430 Euro, sagte Kroes der Rheinischen Post. Bei einem Geschäftsreisenden mit zehn Reisen ins EU-Ausland belaufe sich die Ersparnis auf 1.300 Euro.

Kritik der Telekommunikationskonzerne wies sie zurück: "Wir rechnen mit einem direkten Umsatzrückgang um 0,5 Prozent für die Unternehmen durch die Beseitigung des Preisunterschieds zwischen Inlandsgesprächen und Anrufen innerhalb der EU, der aber mittelfristig durch eine höhere Nutzung ausgeglichen wird. Denn jetzt lassen die Nutzer im Ausland ihr Handy öfter aus, weil sie Angst vor Abzocke haben." Mit den EU-Zielen "werden Millionenkosten auf Inlandsgespräche umverteilt werden müssen", drohte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner an. Dies hatte auch der IT-Branchenverband Bitkom bereits angekündigt.

Das Ziel bleibe, sagte die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, dass die Anbieter ihre Inlandstarife auf die EU ausdehnten, so dass die Kunden spätestens ab Juli 2016 ihre Handys und Smartphones überall in der Union zu Inlandspreisen benutzen könnten. Roaming-Gebühren für auf Reisen innerhalb der EU angenommene Anrufe werden nach den Plänen ab dem 1. Juli 2014 verboten.

Kroes forderte die EU-Staaten auf, die Telekom-Reform noch in der Amtszeit der jetzigen Kommission zu beschließen.

Sie hat zudem Bedenken gegen den Zusammenschluss von E-Plus und O2/Telefonica: "Wir sind besorgt, dass für das neue Unternehmen weniger Anreiz besteht, den Zugang zu seinen Netzen zu fairen Bedingungen zu gewähren. Das könnte es Mitbewerbern schwerer machen, in den Markt zu kommen", sagte Kroes der Rheinischen Post. "Deshalb müssen wir uns den Fall sehr genau anschauen."

Die EU-Kommission prüft die geplante Fusion vertieft bis zum 14. Mai 2014.

Nachtrag vom 14. Januar 2014, 14:51 Uhr

Anders als in der Vorabmeldung dargestellt, sagte Kroes im Interview: "Im Schnitt sparen Handynutzer im EU-Ausland durch die bisherigen Preisobergrenzen beim Roaming zwischen 70 und 93 Prozent im Vergleich zu 2008 bei Telefonaten, Kurznachrichten und Surfen. Zwei konkrete Beispiele: Eine vierköpfige Familie spart bei einem einwöchigen Urlaub im EU-Ausland bereits rund 400 Euro und wird durch eine Abschaffung des Roamings weitere 30 Euro weniger für die Smartphone-Nutzung zahlen. Ein Geschäftsreisender mit zehn Trips pro Jahr innerhalb der EU spart heutzutage bereits rund 1.200 Euro - und kann mit einer Erleichterung um weitere 100 Euro rechnen."  (asa)


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