Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bundesgerichtshof-gameforge-legt-einspruch-gegen-duz-urteil-ein-1401-103811.html    Veröffentlicht: 09.01.2014 11:08    Kurz-URL: https://glm.io/103811

Bundesgerichtshof

Gameforge legt Einspruch gegen Duz-Urteil ein

Bei der Urteilsverkündung war Gameforge nicht anwesend, jetzt legt der Browser-Games-Publisher Einspruch ein: Der Bundesgerichtshof muss nun erneut prüfen, ob sich Werbung mit "Du" in Spielen generell an Kinder richtet.

Als der Bundesgerichtshof am 17. Juli 2013 bestimmte Arten von Werbung für virtuelle Gegenstände in Onlinespielen untersagte, war der Hauptbetroffene nicht anwesend - und das, obwohl das Gericht weniger als fünf Kilometer vom Gameforge-Firmensitz in Karlsruhe entfernt liegt. Seitdem hat das Urteil Aufsehen erregt und viel Kritik aus der Spielebranche erhalten. Gameforge hat inzwischen Einspruch dagegen eingelegt.

Gameforge hatte in Runes of Magic für den Kauf virtueller Gegenstände unter anderem mit der Aussage geworben: "Schnapp dir die günstige Gelegenheit und verpasse deiner Rüstung & Waffen das gewisse 'Etwas'", darunter waren die unterstrichenen Wörter "deinen Charakter aufzuwerten" angegeben, die mit einer Internetseite verlinkt waren, auf der Gameforge die Gegenstände zu herabgesetzten Preisen anbot. Der Text sei eindeutig auch an Kinder gerichtet, so die Richter, was unter anderem an der Wortwahl erkennbar sei.

Der BGH folgte der Argumentation des Klägers, der Verbraucherzentrale Bundesverband (Vzvb), und erklärte derartige Werbung für unzulässig. Falls Gameforge sie erneut schaltet, droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder Haft von bis zu sechs Monaten für den Vorstand des Unternehmens.

Nicht nur Gameforge ist mit dem Urteil nicht einverstanden. So schreibt Dr. Konstantin Bertram, Verbandsjustiziar und Rechtsanwalt des Game Bundesverband der Computerspielindustrie, in einer Stellungnahme, das Urteil des BGH zeige, wie wenig "Bezug Richter, die über diese Materie in letzter Instanz zu entscheiden haben, mitunter zu Computerspielen haben".

Es sei offensichtlich, "dass der beschriebene Sprachstil für dieses Medium generell kennzeichnend" sei. Man müsse "schon recht unbedarft an das Thema herangehen", um anzunehmen, dass Computerspiele ihre Kernzielgruppe bei Kindern unter 14 Jahren fänden. "Studien belegen nämlich etwas vollkommen anderes: Rund 85 Prozent aller Spieler von Computerspielen sind keine Kinder, und das Durchschnittsalter liegt bei circa 32 Jahren", so der Verband.  (ps)


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