Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/whistleblower-die-macht-der-systemadminstratoren-1312-103622.html    Veröffentlicht: 30.12.2013 00:19    Kurz-URL: https://glm.io/103622

Whistleblower

Die Macht der Systemadminstratoren

Hacker, Netzwerkexperten, Systemadministratoren - sie alle haben die Macht über das Internet und sollten sie nicht der NSA überlassen, sagten die Wikileaks-Aktivisten Sarah Harrison, Jacob Appelbaum und Julian Assange. Sie wollen die Besucher des 30C3 aufrütteln.

Die IT-Community solle sich ihrer Macht und ihres Einflusses bewusst werden. Die bekanntesten Whistleblower der vergangenen Jahre, Chelsea Manning und Edward Snowden, seien beide Systemadministratoren, sagten Julian Assange und Jacob Appelbaum vor 3.000 Zuschauern im Saal 1 auf dem 30C3. Assange wurde per Videochat aus der Botschaft von Ecuador in London zugeschaltet.

Appelbaum stellte zunächst die britische Journalistin Sarah Harrison vor, die Edward Snowden zur Flucht nach Moskau verhalf und ihn betreute, wofür sie spontanen Applaus bekam. Sie erklärte, dass sie gegenwärtig in Deutschland bleibe, da sie in Großbritannien verfolgt werde. Sie bestätigte abermals, dass eine Grand Jury in den USA weiterhin die Causa Wikileaks untersucht. Whistleblower und ihre Helfer würden weltweit verfolgt, sagte Harrison.

Sowohl Chelsea Manning als auch Edward Snowden seien Systemadministratoren und hätten so Zugang zu wichtigen Informationen gehabt, erklärten Assange und Appelbaum. Die beiden Whistleblower hätten erkannt, wie wichtig die Unterlagen gewesen seien, die sie herausgeschmuggelt hätten. Und sie hätten die analytischen Fähigkeiten gehabt, deren immense Bedeutung zu erkennen. Eine solche Begabung sei ebenso wichtig wie die technischen Fähigkeiten dieser Menschen.

Transparenz als Regulator

Jeder Administrator sollte darauf achten, ob er über Informationen stolpert, die der Öffentlichkeit nützlich sein könnten, sagten Assange und Appelbaum. Transparenz sei ein wichtiges Mittel gegen Machtmissbrauch und Informationen seien ein wichtiger Leitfaden, an dem sich die nächsten Generationen orientieren könnten. Die digitale Welt bringe ganz neue Organisationen hervor, die zwar lose seien, aber dennoch eine Struktur hätten, etwa Bitcoin oder eben Wikileaks. Der Zusammenhalt sei das gemeinsame Ziel.

IT-Arbeiter seien eine eigene und wichtige Klasse geworden. Der Ex-CIA-Chef Hayden habe die Angst der Geheimdienste in Worte gefasst, als er die US-Regierung beschwor, die Generation von Snowden anzusprechen. Dort seien die intelligenten Menschen, die die Geheimdienste benötigten. Es liege aber an diesen Menschen, ihre Welt selbst zu gestalten und sich nichts von Regierungen diktieren zu lassen, die sich gegen ihre eigenen Bürger gewandt hätten, sagte Assange.

Die über 3.000 Zuschauer im Saal 1 im Hamburger Congress Centrum quittierten den halbstündigen Auftritt der drei Aktivisten mit stehenden Ovationen.  (jt)


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