Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ftth-telekom-nennt-keine-ziele-mehr-zum-glasfaserausbau-1401-103562.html    Veröffentlicht: 03.01.2014 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/103562

FTTH

Telekom nennt keine Ziele mehr zum Glasfaserausbau

Vectoring statt Glasfaser scheint das Motto der Telekom für 2014 zu sein. Ziele für den FTTH-Ausbau nennt der Festnetzbetreiber nicht mehr. Hier passierte 2013 nicht viel in Deutschland.

Die Deutsche Telekom macht keine Aussagen mehr zu ihren Zielen für den Ausbau von Fibre To The Home (FTTH) 2014. Auf eine Anfrage von Golem.de sagte Konzernsprecher Georg von Wagner zum Jahr 2013: "Eine unverändert starke Nachfrage nach den Glasfaser-Produkten VDSL und FTTH kennzeichnete das Geschäft im Festnetz. Die Gesamtzahl dieser Anschlüsse kletterte im dritten Quartal um 119.000 auf rund 1,4 Millionen. Innerhalb eines Jahres ist diese Zahl damit um 65 Prozent gestiegen." Mehrmalige Nachfragen zu den konkreten Zielen für den Glasfaserausbau im Jahr 2014 wurden von dem Konzern nicht beantwortet.

Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme kündigte am 3. September 2013 an: "Wir werden 10.000 Kilometer Glasfaser verlegen. Wir werden damit Vectoring anbieten können." Weitere 17.600 Multifunktionsgehäuse werden aufgebaut. "Der FTTH-Ausbau geht weiter, wie angekündigt, aber langsamer. Der Ausbau ist schwieriger, weil er kostenintensiv ist." Konzernchef René Obermann ergänzte: "FTTH wird nicht langsamer ausgebaut, aber der Schwerpunkt liegt auf Vectoring."

Der Chef des Ausrüsterverbands FTTH Council Europe, Hartwig Tauber, betonte dagegen im Gespräch mit Golem.de: "Die Europäische Union hat sich mit der Digitalen Agenda für Europa klare Ziele für den Breitbandausbau bis 2020 gesetzt. Alle Haushalte in der EU sollen mit mindestens 30 MBit/s versorgt sein und zumindest die Hälfte der Haushalte bereits Breitbandanschlüsse mit mindestens 100 MBit/s nutzen. Mit 'nutzen' ist gemeint, dass diese Haushalte bereits einen Vertrag für 100-MBit/s-Produkte abgeschlossen haben."

Tauber sagte weiter: "Man würde deshalb erwarten, dass eine Bundesregierung, die 2013 ihre Arbeit aufnimmt, klare Pläne hat, die Breitbandziele der Digitalen Agenda zu erreichen." Für ein technologisches Vorzeigeland sollte es aus seiner Sicht selbstverständlich sein, über den kleinsten gemeinsamen Nenner der EU hinauszugehen. "Dazu würde allerdings gehören, dass man aufhört, sich hinter der unsäglichen Technologieneutralität zu verstecken und als Regierung endlich klare Entscheidungen treffen", fordert Tauber. Das könne bedeuten, sich als Ziel zukunftssichere Breitbandnetze zu setzen, die hohe Bandbreiten in beide Richtungen, gute Servicequalität und ausreichend Kapazität für zukünftige Erweiterungen bieten. "Was zur Folge haben könnte, dass die Regierung es wagen müsste, offen über einen flächendeckenden Ausbau von Glasfaser bis zum Haushalt oder zumindest bis zum Gebäude zu sprechen."

Natürlich stelle ein solcher Glasfaserausbau eine große Herausforderung dar, finanziell ebenso wie für den Markt und die Landschaft der Telekomanbieter. Doch wäre es auch ein Großprojekt über viele Jahre. "Und es ist an der neuen Regierung, hier die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Es wäre deshalb wunderbar, wenn sich die große Koalition für große Aufgaben für 2014 das Ziel setzen würde, das Thema Breitband in einer Form zu diskutieren, die der Wichtigkeit des Themas und der Digitalen Agenda angemessen ist. Dann sollten Begriffe wie 50 MBit/s im kommenden Jahr endgültig aus dem Regierungsprogramm verschwunden sein."

Deutschland braucht das schnellste Netz der Welt

Der neue Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt (CSU), kündigte im Gespräch mit der Bild am Sonntag an: "Deutschland braucht das schnellste und intelligenteste Netz der Welt."

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Nur rund 884.000 Haushalte werden in Deutschland Ende 2013 an Glasfasernetze mindestens bis zum Gebäudekeller angeschlossen sein. Das bedeute eine Zunahme bei FTTH und FTTB (Fibre To The Building) um 84.000 und somit insgesamt ein marginales Wachstum, so die Ergebnisse der TK-Marktstudie des Branchenverbands VATM vom 16. Oktober 2013. Damit sind weniger als drei Prozent aller Haushalte in Deutschland Ende 2013 an FTTB/H-Produktanschlüsse angebunden. Etwa 44 Prozent der anschließbaren Kunden fragen tatsächlich einen FTTB/H-Zugang nach. Der Anteil sehr schneller Anschlüsse mit mehr als 50 MBit/s beträgt 1,3 Prozent.

In den kommenden fünf Jahren sollen bis zu elf Millionen deutsche Haushalte durch die Telekom-Konkurrenz einen Zugang zum schnellen Glasfasernetz erhalten. Das teilte der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), dem mehr als 160 Wettbewerber angehören, Ende November 2013 mit. Je nach rechtlichem Rahmen könnten die Unternehmen bis 2018 rund neun Milliarden Euro investieren, um vor allem in Regionen außerhalb der Ballungsgebiete Anschlüsse mit FTTH und FTTB zu legen. Die Angaben basieren auf einer Studie des WIK-Instituts zur Entwicklung des Telekommunikationsmarktes.  (asa)


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