Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/geplante-obsoleszenz-smartphones-werden-als-wegwerfartikel-gebaut-1312-103291.html    Veröffentlicht: 10.12.2013 18:24    Kurz-URL: https://glm.io/103291

Geplante Obsoleszenz

"Smartphones werden als Wegwerfartikel gebaut"

Freiwillige Selbstverpflichtungen für die Smartphone-Hersteller reichen nicht aus, um sie dazu zu bringen, langlebige Geräte herzustellen. "Die Wirtschaft wird dies alleine nicht umsetzen", so der Chef der Umwelthilfe. "Schließlich verdient sie daran, wenn Dinge häufiger neu gekauft werden müssen."

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert Smartphone-Hersteller, weil sie die Geräte bewusst so herstellten, dass sie nach wenigen Jahren nicht mehr funktionierten. In einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch: "Handys werden etwa durch die kurze Lebensdauer des Akkus so konzipiert, dass sie nur wenige Jahre nutzbar sind." Dadurch nähmen Verbraucher Smartphones verstärkt als Wegwerfprodukt wahr. Es ist ein bekanntes Problem, dass die Bauteile in mobilen Geräten wie Tablet-PCs oder Smartphones verklebt werden und Akkus sich nicht austauschen lassen.

Resch lobte die Ökodesign-Richtlinie der Europäischen Union (EU) als richtigen Schritt. Sie lege bei bestimmten Gütergruppen wie Fernsehern bereits Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung fest. "Dieses Prinzip muss die Bundesregierung über die Vorgaben der EU hinaus ausweiten", forderte Resch. "Dadurch können Verbraucher vor Wegwerfprodukten geschützt werden, die eigentlich die teuersten überhaupt sind." Freiwillige Selbstverpflichtungen für die Hersteller reichten nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen, betonte Resch. "Die Wirtschaft wird dies alleine nicht umsetzen", so der Chef der Umwelthilfe. "Schließlich verdient sie daran, wenn Dinge häufiger neu gekauft werden müssen." Deshalb sei der Gesetzgeber in der Pflicht.

Holger Krumme, Technikchef beim Bensheimer Testhaus HTV, hatte im Juni 2013 konkrete Beispiele für geplante Obsoleszenz in der Elektronik genannt. HTV vergibt für langlebige Modelle ein Gütesiegel.

Krumme: "Wir haben eine Vielzahl von Beispielen für Produkte, die unserer Meinung nach eingebaute Sollbruchstellen enthalten: Besonders auffällig ist zum Beispiel die Verwendung besonders hitzeempfindlicher Bauteile in direkter Nähe zu Hitzequellen. Bei einer Vielzahl der unterschiedlichsten Bildschirme oder LCD-Fernseher befinden sich Elektrolytkondensatoren unmittelbar neben Leistungsbauteilen, die über 100 °C warm werden. Die Lebensdauer der Kondensatoren beträgt dann nur noch wenige Tausend Stunden. Nach zwei bis drei Jahren fallen diese aus, mit dem Resultat, dass der gesamte Bildschirm aufgrund zu hoher Reparaturkosten auf den Müll wandert."

Die starke Alterung von Kondensatoren bei hoher Temperatur wird seiner Ansicht nach auch gezielt bei Computerplatinen renommierter Hersteller angewendet, bei denen sich diese Bauteile genau im Heißluftstrom der Prozessorkühlung befinden.  (asa)


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